Abschied bei Volkswagen VW Emden stellt Produktion der Passat Limousine ein
Für die VW-Mitarbeiter in Emden hieß es am Freitag Abschied nehmen von einem Auto, das sie seit 1977 begleitet hat. Und dennoch richtet sich der Blick nach vorn.
Emden - Das VW-Werk in Emden hat sich am Freitag in den dreiwöchigen Werksurlaub verabschiedet und zugleich angekündigt, die Produktionsruhe für zahlreiche Umbauarbeiten nutzen zu wollen. Auf rund 200 Baustellen sollen die Abläufe bei der Produktion des vollelektrischen ID.4 optimiert werden. Außerdem wird nach Aussagen des Werks die Produktion des ID.Aero vorbereitet, die im nächsten Jahr beginnen soll.
VW zufolge bereiten etwa 1600 Mitarbeiter sowie externe Beschäftigte alles für den Produktionsstart vor. „ID.4 und ID.Aero verkörpern die Zukunft unseres Standortes, der als Teil des globalen Produktionsnetzwerkes für Elektrofahrzeuge einen maßgeblichen Anteil am Erfolg unserer Strategie hat“, wird Werksleiter Uwe Schwartz in einer Mitteilung des Konzerns zitiert. „Mit dem Produktionsstart des ID.4 hat für Emden eine neue Ära begonnen; zeitgleich verabschieden wir uns schrittweise aus der Welt der Verbrenner.“
Limousine läuft ein letztes Mal vom Band
Ganz konkret bedeutet dies, dass VW die Passat Limousine aus dem Produktionsprozess herausgenommen hat. Die Limousine lief jetzt ein letztes Mal in Emden vom Band. „Die produktionsfreie Zeit werden wir unter anderem dafür nutzen, das Modell aus der Produktion und unseren Prozessen herauszunehmen“, sagte Schwartz. „Ein großer Dank gilt daher allen Beteiligten von Volkswagen aber auch externen Unternehmen, die während der Produktionsruhe im Werk an diesem und vielen anderen Projekten arbeiten werden.“
Vor allem in Karosseriebau, Lackiererei und Montage werden umfangreiche Anpassungen für die MEB-Fertigung vorgenommen, um Prozesse zu optimieren und Verbesserungen im Ablauf umzusetzen“, heißt es aus Emden. Dazu zählten neben der Optimierung von Taktzeiten in der Fördertechnik auch die Einbindung der sogenannten „JIS“-Fördertechnik in der Halle 20. Mit dem „Just in Sequenz“-Verfahren werde sichergestellt, dass die benötigten Teile nicht nur zur richtigen Zeit, sondern auch in der richtigen Reihenfolge am Band seien. Ebenso würden Automatisierungsprojekte insbesondere zur Verbesserung der Ergonomie für die am Band Beschäftigten umgesetzt. In der neuen Finish-Halle für Elektrofahrzeuge würden zudem die sogenannten Zählpunkt-8-Bänder sowie die Anlagen für die Fahrdichtigkeitsprüfung aufgebaut und in Betrieb genommen. Somit könne ab der zweiten Jahreshälfte der Prüf- und Abnahmeprozess der ID.-Modelle in der direkt an die Montagehalle angebundene Finishhalle, Halle 20B, durchgeführt werden.
Passat prägte auch Ostfriesland
Für die Limousine ist aber Schluss. Der Passat Variant wird dagegen weiterhin produziert. Zunächst in Emden und anschließend am Volkswagen Standort in Bratislava. Seit 1977 hat das Werk Emden nach eigenen Angaben mehr als 2,2 Millionen Fahrzeuge des Passat Limousine produziert.
Ein wenig Wehmut kam wohl auch im Betriebsrat auf. „Seit 45 Jahren begleiten uns acht erfolgreiche Passatgenerationen. Sie prägten unser Werk und Ostfriesland“, sagte Betriebsratschef Manfred Wulff. „Mit dem Werksurlaub verabschieden wir uns von unserer Passat Limousine, die uns seit dem Sommer 1977 in Ostfriesland in all den Jahren und Jahrzehnten viel Beschäftigung und Sicherheit gegeben hat.“ Nun knüpfe das Werk mit dem ID.4 und ab 2023 auch mit dem ID.Aero als elektrischem Nachfolger des Passat an die Erfolgsgeschichte des Volkswagen-Werkes am Meer an.
Vorserienfahrzeug des ID.Aero nach den Ferien
Offenbar geht es mit der Elektrifizierung des Werks zügig voran. „Nach der Integration des ID.4 am Standort freuen wir uns jetzt auf die Integration des komplett neuen ID.Aero“, so Erwin Buss, Leiter Fertigungsplanung im Werk Emden. „Nach dem Werkurlaub werden wir bereits mit der Produktion der ersten Vorserienfahrzeuge des Variant beginnen.“
In Emden hat Volkswagen rund eine Milliarde Euro in den Umbau des Werks mit seinen 8000 Beschäftigen investiert. Emden ist damit - laut VW - der erste High-Tech-Standort für Elektromobilität in Niedersachsen. Bis 2026 will der Volkswagen-Konzern insgesamt 21 Milliarden Euro im Bundesland investieren und Niedersachsen zu Deutschlands Zentrum für Elektromobilität machen.