Verwirrspiel bleibt Wittmund – wo es eine Straße dreimal gibt
Wer in Wittmund die Bahnhofstraße sucht, könnte auch nach Carolinensiel oder Burhafe wollen. Die Politik wollte Ordnung schaffen. Kosten und Nutzen einer Änderung kam auf den Prüfstand.
Wittmund - Da war die Politik der zurückliegenden Jahrzehnte offenbar wenig kreativ bei der Namensfindung: In der Stadt Wittmund und ihren Ortschaften gibt es genau 15 Straßen mindestens ein zweites Mal. Die Bahnhofstraße, Friesenstraße und Raiffeisenstraße bringen es sogar auf drei Exemplare. Besonders viele Übereinstimmungen finden sich mit neun Treffern zwischen Wittmund und Carolinensiel, gefolgt von Wittmund und Burhafe mit immerhin noch fünf Übereinstimmungen. Der mangelnde Einfallsreichtum früherer Jahre verursacht im Alltag Probleme. Vor allem, was das Eintreffen von im Internet bestellter Waren angeht.
Was und warum
Darum geht es: Adresschaos in Wittmund. Straßen gibt es bis zu dreimal in verschiedenen Ortschaften.
Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer, die sich gern mithilfe des Navigationsgerätes orientieren
Deshalb berichten wir: Die angedachte Änderung ist vom Tisch. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
„Es kommt immer wieder zu Fehlzustellungen“, weiß Birgit Becker (CDU). Die frühere Ortsvorsteherin von Wittmund hat über die Jahre immer wieder Beschwerden gehört. Und Geschichten über Waren, die nie ankamen. Oder eben im falschen Dorf. Ein Problem, das die Zusteller lösen müssen, nicht die Stadt Wittmund. Das machte die Mehrheit im Wittmunder Stadtrat deutlich: Eine Umbenennung der doppelten und dreifachen Straßen ist vorerst vom Tisch. Wieder einmal. Es war nicht die erste politische Diskussion dazu. Seit der Abschaffung der vierstelligen Postleitzahlen im Jahr 1993 sind die Straßennamen immer mal wieder ein Thema.
Änderung für Abens ist durch
Vor zwei Jahren hatte der Burhafer Ortsvorsteher Holger Kirchhoff (SPD) ein Überdenken der Namen erneut angestoßen. Für die Ortschaft Abens, die zu Burhafe gehört, wurde dem auch zugestimmt: Dort gab es aufgrund nur eines Straßennamens „Abens“ Unmengen von Hausnummern und dazu auch noch Buchstaben. Vor einem Jahr wurde das geändert. Jetzt gibt es dort neben der Hauptstraße Abens den Abenser Hammrich und das Abenser Meer. Auch die Gemeinde Friedeburg wurde vor Jahren aktiv: Dort gibt es in vielen Ortschaften eine Hauptstraße, die früher schlichtweg Hauptstraße hieß. Mittlerweile wird unterschieden in die Friedeburger Hauptstraße oder Reespholter Hauptstraße.
Diesem Beispiel wären einige Wittmunder Ratsleute gern gefolgt. Wenn die Stadt nun aber ihren doppelten Lottchen an den Kragen will, würde sie damit grob geschätzt 1000 Bürger treffen: Eine solche Adressänderung ist für die Bewohner der Straßen mit Rennerei und Kosten verbunden, meint der Wittmunder Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos). „Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen.“ Das habe sich in Abens erneut gezeigt. Ein Aufwand, der nicht gerechtfertigt sei: Denn es ist ein Ärgernis, aber keineswegs ein Sicherheitsrisiko.
Das versichert Tomke Albers, Chef der Leitstelle für Ostfriesland in Wittmund: Die Mitarbeiter, bei denen die Notrufe für Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst eingehen, wüssten um die Doppelungen. „Es wird immer hinterfragt.“ Für die Disponenten seien gleiche Straßennamen innerhalb eines Postleitzahlengebietes keine Seltenheit. Man wisse damit umzugehen. Bleibt für die Bewohner der 15 Straßen nur zu hoffen, dass die Zusteller irgendwann dazulernen, beispielsweise vom System der Leitstelle.