Nasse Nachforschung Emden, Emden, wie tief ist dein Wasser?
Im Emder Stadtgebiet gibt es knapp 150 Kilometer befahrbare Wasserwege. Wir haben uns gefragt, wie tief die jeweiligen Gewässer sind. Und welche Chancen und Probleme es gibt.
Emden - Die Stadt Emden hat ein Wasserrevier, um das sie viele beneiden. Das sagt Jan Bleeker. Er ist Vorsitzender des Emder Rudervereins, dessen Bootshaus idyllisch am Wall bei der Kesselschleuse liegt. „In diesem Jahr hatten wir schon 400 Gäste und alle waren begeistert“, sagt er.
Was und warum
Darum geht es: Fakten rund um die Gewässer in Emden
Vor allem interessant für: Wasserbegeisterte, Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die gerne Zeit am Wasser verbringen
Deshalb berichten wir: Bei sommerlichen Temperaturen zieht es die meisten Menschen ans Wasser. Oft kommt dabei die Frage auf: Wie tief ist es hier wohl? Wir haben das für Emden recherchiert. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Knapp 150 Kilometer Wasserwege sind in Emden befahrbar. Kanäle, Tiefs, Gräben, Hafen, Ems und natürlich die „Meere“ in Uphusen und angrenzend in Südbrookmerland: Emden hat eine Wasserfläche von 865 Hektar. Das entspricht fast acht Prozent der Gesamtfläche.
Emder Gewässer lassen sich kaum auf den Grund schauen
Anders als in klassischen Urlaubsländern, wo das Wasser klar und der Sandboden schön zu erkennen ist, mag das Emder Gewässer seine Tiefe ungern dem Auge des Betrachters offenbaren. Flapsig formuliert: Das ist hier eine ganz schön braune Suppe. Nur an ganz windstillen, lange regenfreien Tagen lässt sich beim Alten Binnenhafen der schlammige Grund erahnen.
Manchmal sieht man an heißen Tagen dort sogar Fische und Quallen. Der Ratsdelft ist mehr als 5,50 Meter tief, heißt es von der Reederei AG Ems. So kommt das Feuerschiff Amrumbank/Deutsche Bucht mit einem Tiefgang von rund 4,25 Meter noch gut zurecht. In dem noch jungen Viertel am Neuen Delft ist das Wasser laut dem Planungsunternehmen Thalen Consult mit 3,40 Metern etwas flacher.
Das große Problem mit der Hafentiefe
Anders sieht das im Hafen aus, wo es immer wieder Probleme mit den „großen Pötten“ und den Schlickansammlungen gibt. Im Sommer 2020 entging der Emder Werft und Dock (EWD) GmbH ein Reparaturauftrag, weil die Wassertiefe von rund acht Metern bei der Werft für die Handbreit Wasser unterm Kiel beim Luxusliner „Artania“ nicht reichte.
Die „Artania“ hat einen Tiefgang von mindestens 7,80 Meter. Im April dieses Jahres gelang der Werft gemeinsam mit dem Landesbetrieb N-Port aber ein Test: Mit einem Schwimmdock wurde das Lotsenstationsschiff „Hanse“ am Südkai abgeholt. Dort ist das Wasser bis zu zwölf Meter tief. Nach Aufnahme des Schiffs ins Dock kann dieses - angehoben durch das Schwimmdock - wieder zurück zur Werft gebracht werden.
Bis zu 26 Meter in die Tiefe
Das tiefste Emder Gewässer ist nicht die Ems. Das Emder Fahrwasser dort ist bei Hochwasser bis zu elf Meter tief. Weil die Ems gezeitenabhängig ist, spricht man ganz korrekt von einer Wassertiefe von mehr als acht Meter unter Seekartennull (SKN), also mehr als zehn Meter unter Normalhöhennull (NHN). Emden liegt größtenteils einen Meter über NHN, in einigen Bereichen auch unter Null. Noch um einen Meter soll die Ems vertieft werden. Das ist allerdings schon seit Jahren geplant. An der Emspier, also der Umschlaganlage, an der auch die großen Autotransporter festmachen, ist die Wassertiefe maximal 10,92 Meter unter Seekartennull, heißt es von N-Ports.
Mit bis zu 26 Metern Wassertiefe läuft das Uphuser Meer allen anderen Gewässern den Tiefen-Rang ab. Ursprünglich sollte der Binnensee mal zugeschüttet werden - mit Schlick aus dem Emder Hafen. Das konnte die Bevölkerung abwenden. Aber: Die Sandentnahme zum Bau der Autobahn 31 konnte nicht verhindert werden. Deswegen ist sowohl das Uphuser Meer als auch die Hieve, die als Kleines Meer bekannt ist, unnormal tief. In der Hieve geht es bis zu 19 Meter in die Tiefe. Normalerweise sind diese Gewässer, die man auch Grundmoränenseen nennt und die ein Relikt der Eiszeit sind, nur ein bis zwei Meter tief und haben einen sandigen Boden, teilweise mit Raseneisenstein durchsetzt. Das sieht man noch beispielsweise beim Großen Meer.
Das Problem für Wassersportler
Deutlich flacher sind da die Gräben und Kanäle in Emden. Der Ems-Jade-Kanal erlaubt nur Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 1,70 Meter. Dasselbe gilt für den Ems-Seiten-Kanal oder auch die Stadtgräben. Alle sind maximal zwei Meter tief, insbesondere an den Rändern kann es sehr flach werden. Für die Ruderer ist das kein Problem, sagt Jan Bleeker vom Emder Ruderverein. Schlimmer sei da der Unrat im Gewässer: abgestorbene Äste, Algen, Entengrütze und ganz viel Müll. „Die Wasserwege sind nicht immer so gepflegt“, bedauert er. Deutlich schwieriger wird es für die Bootjefahrer. Die müssen nicht nur immer die Höhe der zahlreichen Brücken im „Venedig des Nordens“ im Blick haben, sondern sich auch vor Untiefen und stark bewachsenen Ufern in Acht nehmen.
Zum Bewuchs der Stadtgräben in Emden teilte die Pressestelle mit: „In jeder Vegetationsperiode (also einmal pro Jahr) wird eine Sichtungstour mit dem Arbeitsboot des Bau- und Entsorgungsbetriebs auf den Stadtgräben durchgeführt.“ Auf der Tour festgestellte Verkehrsgefährdungen würden im Laufe des Jahres oder bei besonders schwerwiegenden Fällen sofort entfernt.
Die Gemeinschaftsinitiative Team Wassersport Ostfriesland (TWO), der nach eigenen Angaben nach mehr als 3100 Mitglieder aus Vereinen in der Region angehören, wünscht sich schon seit Jahren eine Ertüchtigung der Wasserwege in der Region. Untiefen, also flache Stellen im Gewässer, auf denen Boote auflaufen können, fänden sich überall.
Die Entwässerungsverbände Emden und Oldersum sind zuständig für die meisten Kanäle und Tiefs in Ostfriesland. Ihre Hauptaufgabe ist es aber nicht, das Bootfahren zu erleichtern, sondern die Entwässerung zu gewährleisten, hieß es zuletzt im Februar vergangenen Jahres gegenüber dieser Zeitung. Die Hoffnung der Wassersportler ist, dass ein vor knapp einem Jahr angekündigtes Bundes-Förderprogramm für den Wassertourismus, aus dem 34 Millionen Euro nach Niedersachsen und insbesondere nach Ostfriesland fließen sollen, das Bootsrevier attraktiver machen könnte. Konkretes gibt es dazu aber noch nicht.