Kontrollen im Kreis Leer Schottergärten werden bald geahndet
Bisher hatte man beim Kreis Leer auf Aufklärung gesetzt. Jetzt will man bei Schottergärten mehr Druck machen.
Landkreis Leer - Heiß, heißer, Schotter: Gerade in den vergangenen Tagen haben Schottergärten sich von ihrer besonders unangenehmen Seite gezeigt. Sie heizen sich auf, kühlen nur langsam wieder ab, Wasser kann kaum einsickern. Im Kreis Leer soll sich daran bald etwas ändern. Man möchte bei den Steinwüsten nun strenger vorgehen: „Der Landkreis Leer hat bisher auf Aufklärung gesetzt, und das werden wir zusammen mit unseren Kommunen weiterhin tun“, teilt Sprecher Philipp Koenen mit. „Denn unser gemeinsames Interesse ist ja, dass Bauherrinnen und Bauherren erst gar keine Stein- und Schottergärten anlegen.“ Deshalb gibt es einen Flyer (gedruckt und online) mit wichtigen Informationen zu diesem Thema, in dem wir dafür werben, möglichst blühende und naturnahe Gärten anzulegen.
Was und warum
Darum geht es: Heiße Tage liegen hinter uns. Auch Gewitter waren gemeldet. Schottergärten sind berüchtigt dafür, dass sie die Hitze verstärken und Wasser nicht versickern lassen. Jetzt will man im Kreis Leer mehr Druck machen.
Vor allem interessant für: alle, die die versiegelten Flächen kritisch sehen und die, die sie schätzen
Deshalb berichten wir: In anderen Orten geht man dagegen vor – wir haben nachgefragt, wie es hier aussieht. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
„Gleichwohl will der Landkreis in Zukunft mehr Druck machen, damit bestehende Schottergärten beseitigt werden“, so Koenen. Das Bauamt sei aktuell personell verstärkt worden, damit Kontrollen erfolgen und somit Verstöße geahndet werden können. „Zunächst muss jedoch intern festgelegt werden, wie wir dabei vorgehen, gegebenenfalls werden wir uns dazu noch mit den Kommunen abstimmen“, so Koenen.
Aber es ist doch mein Garten?
So mancher Schottergartenbesitzer wird davon nicht begeistert sein. Fakt ist allerdings, dass die Mengen an Schotter in vielen Fällen von vornherein nicht zulässig gewesen sind. Die Niedersächsische Bauordnung (NBauO) schreibt vor, dass nicht überbaute Flächen Grünflächen sein müssen. Außer sie sind für eine andere Nutzung erforderlich. Rasen oder Gras, Gehölze, andere Zier- oder Nutzpflanzen sind erlaubt, heißt es im Infoportal des Landes Niedersachsen. Eine steinerne Einfassung von Beeten ist ebenfalls okay. Aber ganze Steinflächen, die wegen der Optik oder der leichteren Pflege angelegt werden, sind „nur geringem Maße zulässig“, heißt es weiter.
Es ist dabei egal, ob Schotterflächen mit oder ohne Unterfolie angelegt sind: Sie sind keine Grünflächen im Sinne des Bauordnungsrechts, soweit die Vegetation nicht überwiegt. Für die Überprüfung, ob sich Bauherrinnen und Bauherren an diese Vorgaben halten, sind die unteren Bauaufsichtsbehörden vor Ort zuständig. Das will man im Kreis Leer nun angehen.
Andernorts ist man schon aktiver
Andernorts wird bereits mehr Druck gemacht: Zwischen 2019 und 2021 wurden in Eimsbüttel, wie das Hamburger Abendblatt berichtete, in 450 Fällen sogenannte Verfahren zur Herstellung ordnungsgemäßer Zustände eingeleitet. Das Bezirksamt könne Zwangsgelder verhängen, wenn die Schottergärten-Besitzer der Aufforderung zum Rückbau nicht Folge leisteten, heißt es dort. Aber es muss nicht die Großstadt sein: Vor rund einem Jahr berichtete diese Zeitung, dass die Stadt Borkum die ersten Schritte getan hatte, gegen Verstöße gegen die NBauO vorzugehen. Bürger mit Steingärten oder versiegelten Flächen werden aufgefordert, diese zurückzubauen.
„Wir haben uns umgeschaut: Wer hat einen Schottergarten, wer hat zu viel versiegelt“, erzählte damals Borkums Bauamtsleiter Joachim Bakker. Diese Bürger seien dann angeschrieben worden. Die Stadt habe in dem Brief höflich darauf aufmerksam gemacht, dass das Ortsbild schöner sei ohne Schotter und viel Pflaster. „Wir bitten darum, diese Gärten zurückzubauen. Und weisen auch darauf hin, dass sie eigentlich verboten sind“, so Bakker.
Kommunen rufen auf
In diesem Frühjahr appellierte die Stadt erneut: „Nicht nur die deutlich trockener werdenden Sommer, sondern auch die Zunahme von Starkregenereignissen führen dazu, dass grüne Vorgärten, welche Wasser speichern und zur Abkühlung durch Verdunstung beitragen, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Nicht zuletzt bieten sie vielen Insekten Lebensraum, welche wiederum für die heimische Vogelwelt als Nahrungsquelle dienen. Die Blumenwiesen sind leicht zu pflegen und gleichzeitig gut für die Umwelt“, so das Umweltamt der Stadt.
Eine Umfrage bei den Rheiderländer Kommunen ergab, dass sich man sich dort bereits Gedanken über das Thema gemacht und Vorkehrungen getroffen hat. In Weener hält man Schottergärten für unzeitgemäß. Deshalb sollten sie auch in Hinblick auf neue Baugebiete vermieden werden, sagt Bürgermeister Heiko Abbas. Allerdings sei das ein Eingriff ins grundgesetzlich geschützte Eigentumsrecht. Das müsse bei der Bauleitplanung gut abgewogen werden. Wenn aber schon so viel versiegelt sei, wie zugelassen ist – was allein mit den Flächen für das Gebäude, Auffahrt, Schuppen oder Carport in der Regel der Fall ist – „sind Schottergärten natürlich schon jetzt verboten. Und das ist auch gut so“, sagt Abbas. Wenn man sich um zulässigen Bereich befinde, könne die Stadt stets nur darauf hinweisen, welche klimaschädlichen Auswirkungen Versiegelung habe und dass nicht versiegelte Flächen immer die bessere Alternative sind. „Ein Umdenken kann hier aber nur auf freiwilliger Basis funktionieren.“
In Baugebieten besonders wichtig
Auch in Bunde sieht man Schottergärten kritisch. Maßgeblich ist die Niedersächsische Bauordnung, und die besage bekanntlich, das Kies- und Schottergärten nicht erlaubt sind, so Bürgermeister Uwe Sap. „Wir werden bei den Neubaugebieten im Bebauungsplan aber einen zusätzlichen Hinweis auf das Verbot von Schottergärten geben und auf die Niedersächsische Bauordnung verweisen.“ Bereits im vorherigen Baugebiet seien die Flyer des Landkreises mitgeschickt worden. „Außerdem appelliere ich an die Bürgerinnen und Bürger, keine Schottergärten anzulegen“, so Sap.
Auch in der Gemeinde Jemgum sei bei den neuen Baugebieten in Ditzum und Jemgum den Schottergärten ein zusätzlicher Riegel vorgeschoben worden: „Für die neuen Baugebiete haben wir die Schottergärten bereits durch die örtlichen Bauvorschriften ausgeschlossen. Diese sind dort nicht zulässig“, teilt Rainer Smidt, der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, mit.