Theater unter freiem Himmel  Nachkriegszeit kommt in Ayenwolde auf die große Bühne

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 17.07.2022 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit kaum mehr als dem, was sie anhaben, kommen die Flüchtlingsfamilien in Hatshausen-Ayenwolde an. Foto: Stromann
Mit kaum mehr als dem, was sie anhaben, kommen die Flüchtlingsfamilien in Hatshausen-Ayenwolde an. Foto: Stromann
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Wie wurden Flüchtlinge aus Schlesien oder Pommern 1945 in Ostfriesland aufgenommen? Das ist Thema des Freilichttheaters, das mit großem Aufwand inszeniert wird.

Ayenwolde - Wie sich die Bilder gleichen: Zwar kommen Flüchtlinge aus der Ukraine heute nicht mehr mit einem Pferdewagen in Ostfriesland an – aber wie sie auf ihren Koffern sitzen, bevor sie eine Unterkunft angeboten bekommen, das ist jetzt kaum anders als 1945. Was in Ostfriesland passierte, als Menschen aus Schlesien oder Pommern eintrafen, das ist Thema des Freilichttheaters „Heimat“, das am nächsten Freitag Premiere hat.

Was und warum

Darum geht es: In wenigen Tagen ist in Ayenwolde Premiere für das Stück „Heimat“. 80 Schauspieler wirken darin mit

Vor allem interessant für: Alle, die sich gerne von Theater unterhalten lassen

Deshalb berichten wir: Wir haben uns die Proben zu dem Stück angeschaut.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Worum geht es in dem Stück?

Zwei Flüchtlingsfamilien treffen zu Beginn des Stückes in Hatshausen-Ayenwolde ein. Bürgermeister Otto Neumann (gespielt von Andree Uphoff) muss sich darum kümmern, sie unterzubringen. Anders als heute wurden die Vertriebenen aus Schlesien und Pommern bei den Einheimischen einquartiert.

Wer sind die Hauptfiguren?

So kommt Familie Riewe, bestehend aus Paula, 17 Jahre (Daniela Harms), ihren Brüdern Rudolf (Jelde Schoon) und Horst (Bendik van Doorn), ihrer Mutter Else (Stephanie van Doorn), bei den Haddingas unter. Der Bauer Gerd Haddinga (Ludwig Soeken) mit seiner Frau Inka (Monika Reuter/Therese Renken) sowie Sohn Heye (Jann Aden) und dem Knecht Renke Janssen (Gerhard Ideus), nehmen sich ihrer an. Es zeigt sich, dass die Riewes es wohl gut haben, auch eine kleine Romanze entwickelt sich. Im Verlauf des Stückes kommt der Vater, Erich Riewe (Harald Albrechts), ein Gutsinspektor, aus der Gefangenschaft zurück.

Gemeindeschwester Gerdes und Bürgermeister Neumann begrüßen die Flüchtlinge, die eben eingetroffen sind. Foto: Stromann
Gemeindeschwester Gerdes und Bürgermeister Neumann begrüßen die Flüchtlinge, die eben eingetroffen sind. Foto: Stromann

Etwas weniger reibungslos verläuft das Miteinander bei Bauer Reint Onken (Hilbertus Harms) und seiner Frau Hella (Silke Fischer) mit der Magd Trientje (Dorothe Siebels). Sie nehmen Familie Rösner, bestehend aus dem Kaufmann Siegfried (Dooks Menninga), seiner Frau Elfriede (Angelika Janssen-Harms), deren Sohn Helmut (Matthes Siebels) und der Oma Barbara (Erna Rademacher).

Die Einheimischen sind Bauern, die in der Nachkriegszeit selbst keine großen Reichtümer haben. Foto: Stromann
Die Einheimischen sind Bauern, die in der Nachkriegszeit selbst keine großen Reichtümer haben. Foto: Stromann

Dann gibt es noch die Bauernfamilie Frerichs, die es selbst nicht so üppig hat, und deshalb die Flüchtlinge lieber loswerden möchte. Sie besteht aus Klaas Frerichs (Gerd Meyer), Insa (Julia Ulfers), Tochter Geske (Geske Tillmann) und Sohn Tjark.

Die Ankunft der Flüchtlinge löst in manchen Familien auch Besorgnis aus, wie es wohl weitergehen soll. Foto: Stromann
Die Ankunft der Flüchtlinge löst in manchen Familien auch Besorgnis aus, wie es wohl weitergehen soll. Foto: Stromann

Ostfriesland steht nach Kriegsende unter britischer Besatzung. Auch das wird thematisiert. So müssen sich Ortsbürgermeister Neumann, Gemeindeschwester Frau Gerdes (Heike Müller-Feldmann) und der Dorfpolizist Gendarm Lange (Frank Mansholt) immer wieder mit dem britischen Offizier Brandt (Herbert Fuhs) auseinandersetzen. In weiteren Szenen tauchen Hamsterer aus dem Ruhrgebiet auf (Johann und Frauke Tillmann), auch entlassene Kriegsgefangene (Andre Tammen und Stefan Schoon) wollen versorgt werden.

Ein echter Jeep rollt durch manche Szenen. Foto: Stromann
Ein echter Jeep rollt durch manche Szenen. Foto: Stromann

Was macht das Stück aus?

„Heimat“, geschrieben von Erhard Brüchert, wird von Regisseurin Elke Münch gewohnt aufwendig in Szene gesetzt. Beide haben schon bei anderen Stücken, zum Beispiel den Störtebeker-Schauspielen in Marienhafe zusammengearbeitet. Neben den erfahrenen Schauspielern vom Bürgerverein Hatshausen-Ayenwolde sind viele Darsteller aus befreundeten Theatergruppen dabei. „Es sind wirklich die Besten, sie spielen fast auf Profi-Niveau“, findet Marina Bohlen, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Volkstheater und des Bürgervereins.

Die Kinder aus dem Dorf und die Neuankömmlinge müssen sich zusammenraufen. Foto: Stromann
Die Kinder aus dem Dorf und die Neuankömmlinge müssen sich zusammenraufen. Foto: Stromann

Wie sieht die Bühne aus?

Das Stück wird neben der Alten Küsterei in Ayenwolde aufgeführt. Die Bühnenbauer des Bürgervereins haben für das Bühnenbild drei komplette Häuser gebaut, deren Wände man zum Teil aufschieben kann. Die dahinter verborgene Einrichtung wird für mehrere Szenen auf Schienen samt den Schauspielern nach vorne geschoben, damit sie für das Publikum besser zu sehen sind. Ein Tontechniker sorgt mit moderner Mikrofontechnik dafür, dass jede Stimme gut zu hören ist.

In einer Szene kommen entlassene Kriegsgefangene aus Holland durch Hatshausen. Sie sollen unter Bewachung nach Aurich gebracht werden, um dort entlassen zu werden. Foto: Stromann
In einer Szene kommen entlassene Kriegsgefangene aus Holland durch Hatshausen. Sie sollen unter Bewachung nach Aurich gebracht werden, um dort entlassen zu werden. Foto: Stromann

Welche Spezialeffekte wird es geben?

Allzuviel will Bürgervereinsvorsitzende Marina Bohlen nicht verraten – die Spannung soll ja bleiben. Zuschauer können sich aber auf eine besondere Abschlusszene mit spezieller Lichttechnik freuen. Außerdem hat der Bürgerverein für das Stück eigens einen Jeep gekauft, in dem der britische Offizier herumgefahren wird. Ein Pferdewagen wird ebenso über die Szene fahren wie Motor- und Fahrräder.

Gendarm Lange ist auf dem Motorrad unterwegs. Foto: Stromann
Gendarm Lange ist auf dem Motorrad unterwegs. Foto: Stromann

Was gibt es sonst noch?

Wie man es von den Freilichttheatern des Bürgervereins gewöhnt ist, wird parallel zum Stück ein Markt aufgebaut. Dieses Mal soll der Platz auf der anderen Straßenseite zu einem „Sechs-Jahrzehnte-Markt“ gestaltet werden. Beginnend mit den 50er Jahren wird es für jedes weitere Jahrzehnt jeweils eine Bude mit passenden Getränken und eine mit den typischen Speisen geben. Um die Szene komplett zu machen, soll jeweils ein passendes Auto sowie eine Litfasssäule mit Nachrichten aus den Jahren dazukommen. Das ganze wird stimmungsvoll ausgeleuchtet. Theaterbesucher können vor Beginn des Stückes, in der Pause und hinterher dort bummeln.

Wo bekommt man Karten?

Für die Aufführungen (Premiere am 22. Juli, und die weiteren Termine am 23., 27. 29., 30., und 31. Juli, 3., 5., 6., 7., 9., 10. und 12. August jeweils um 20.00 Uhr, sowie Nachmittagsaufführung am 7. August, 15 Uhr), gibt es noch Karten. Auf der Tribüne haben 1100 Zuschauer Platz. Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene 22,00 €, Kinder bis 16 Jahre 15,00 € und für Gruppen ab 12 Personen pro Person 20,00 €. Dabei sind die Plätze nummeriert und die ausgewiesenen Parkplätze kostenfrei. Die Karten gibt es online, beim Bürgerverein Hatshausen/Ayenwolde unter 04945-1666 und bei der Tourist-Info Moormerland unter Tel. 04954/8012500.

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