Berlin Duschen gegen Putin: Berliner Blase macht sich nackig
In Krisenzeiten lernt man einige Dinge, auf die man vielleicht gerne verzichtet hätte. Im politischen Berlin wird dieser Tage das eigene Duschverhalten zum Top-Thema. Bisschen zu intim?
Sie können es wahrscheinlich selbst schon nicht mehr hören: Sparen ist das Credo der Stunde. Nicht nur beim Einkauf, sondern auch beim Energieverbrauch sollen wir alle genauer hinschauen. Wie es so freundlich in der Energiespar-Kampagne von Wirtschaftsminister Habeck heißt: „Liebe Duschfans, ein Energiespar-Duschkopf spart 30 Prozent Energie für Warmwasser.“
Habeck lieferte kurzum auch noch eigene Duschgewohnheiten. Denn wer von den Bürgern verlangt, sich einzuschränken, muss auch zeigen, dass er persönlich zum Verzicht bereit ist. Er habe seine eigene Duschzeit „noch einmal deutlich verkürzt“. Generell habe er in seinem Leben nie länger als fünf Minuten geduscht, erklärte er in einem „Spiegel“-Interview. Nachrichten, die den einen oder die andere in der Dusche vor Schreck ausrutschen lassen.
Ein entschiedener Gegner von Habecks Dusch-Intermezzo ist, nicht sonderlich überraschend, die FDP, in Person von Langduscher Wolfang Kubicki. Der hält wenig von Stress unter der Brause: „Ich schaue jedenfalls nicht auf die Uhr, wenn ich in der Dusche stehe. Ich dusche solange, bis ich fertig bin.“ Kubicki schob für die jetzt Verunsicherten - soll ich lange oder kurz duschen? - einen eigenen Tipp hinterher: kalt duschen.
Brandenburgs Gesundheits- und Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher geht für sich einen ganz radikalen Weg. Auch wenn dieser, pardon, schon ein wenig rückschrittig wirkt. Immerhin ist Wasser- und Energiesparen nicht erst seit der Ukraine-Krise aktuell: Bei ihrer Familie sind Vollbäder „komplett aus der Mode gekommen“. Wer sich ebenfalls Sparen auf die Fahne geschrieben hat, aber gleichzeitig nichts vom Verzicht hält, ist Umweltministerin Steffi Lemke, denn das Duschen „muss jetzt niemand“ einstellen.
Was denn jetzt? Lieber kalt und lange oder kurz und ausreichend? Ob jetzt Kalt- oder Warmduscher, auf Twitter liebäugeln die Nutzer eher mit Robert Habeck als mit Kubicki.
Den ein oder anderen verleitet es dazu, seine Hygienegewohnheiten ganz aufzugeben. Da kommt der Gedanke auf, dass die maximal fünfminütige Dusche von Habeck zu Körpergeruch führen könnte.
Was lernen wir daraus? Krisenzeiten sind immer auch ein Anlass zum Umdenken - im Kleinen wie im Großen. Da kann man auch mal mit gutem Beispiel vorangehen und Dinge zum Top-Thema machen, die man vor der Krise vielleicht gar nicht so genau wissen wollte.