Europas erste Schlafboje  Süße Träume in einem 122 Jahre alten Seezeichen

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 14.07.2022 18:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die erste Schlafboje am Strand von Harlesiel ist ein echter Hingucker. Foto: Ortgies
Die erste Schlafboje am Strand von Harlesiel ist ein echter Hingucker. Foto: Ortgies
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120 Jahre lang lag die Ankerboje vor der Küste Norwegens auf dem Meeresboden. Ab sofort können in Harlesiel Übernachtungsgäste am Weltnaturerbe Wattenmeer in ihrem Inneren außergewöhnlich übernachten.

Harlesiel - Das Bullauge schließt sich mit einem Quietschen. Die Dunkelheit legt sich über den Strand von Harlesiel. Die Wellen rauschen in der Ferne. Eingekuschelt in ein gemütliches Bett, geschützt von Wind und Wetter, ist man als Übernachtungsgast am Strand so gut wie allein. Umschlossen von 2,5 Tonnen Stahl hinter zweieinhalb Zentimeter dicken Wänden lässt es sich dort ruhig und sicher schlafen. Die Probe aufs Exempel machen ab diesen Freitag die ersten Abenteurer: Sie wagen eine Übernachtung in Europas erster Schlafboje. Die ist eine Ankerboje aus dem Jahr 1900, die rund 120 Jahre lang vor der norwegischen Küste unter Wasser auf dem Meeresboden lag. An ihr wurden die an der Wasseroberfläche sichtbaren Seezeichen befestigt.

Was und warum

Darum geht es: In Harlesiel können Abenteurer ab sofort in einer Boje schlafen.

Vor allem interessant für: Erholungssuchende mit dem Sinn fürs Besondere

Deshalb berichten wir: Die Boje steht jetzt am Strand und kann gebucht werden.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

So zumindest erklärte es am Donnerstag Andreas Smidt. Der hat sie an den Strand geholt. Gemeinsam mit Christian Pree von der Agentur Move vermietet er unter dem Markennamen Humble Homes Tiny Houses auf den benachbarten Campingplatz. Und ursprünglich sei er auch nur auf der Suche nach maritimer Deko für das Areal gewesen, erinnert er sich. „Wir haben vor sechs, sieben Monaten angefangen zu recherchieren.“ Insgesamt vier alte Ankerbojen seien zuvor aus der Nordsee geborgen worden. Laut Smidt sind dies die letzten ihrer Art. Zwei kaufte das hiesige Unternehmen. Zunächst sei Smidt nicht klar gewesen, wie groß das Schifffahrtzeichen ist. Die Boje bringe es auf 320 mal 185 Zentimeter.

Außergewöhnliche Schlafplätze sind gefragt

Mit der Erkenntnis aber kam die Idee zum Umbau, oder auch Upcycling. Alles in allem hat die generalüberholte Boje inklusive Transport und Anschaffung Smidt zufolge weit über 20.000 Euro gekostet. Die Fachleute von Kreativ Metallbau Jever und Tischler Jann König aus Carolinensiel zauberten aus dem historischen Unter-Wasser-Objekt ein kleines Wohlfühldomizil, das den Glamping-Trend im Nordseeheilbad Carolinensiel-Harlesiel weiter befeuern dürfte. Glamping ist ein sogenanntes Kofferwort, zusammengesetzt aus den beiden Worten glamourös und Camping. Glamping ist nicht geschützt oder klar abgegrenzt. Im Kern geht es um nicht alltägliche Schlafplätze an besonderen Orten. Und die erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit – und noch scheint kein Ende in Sicht. „Die Nachfrage ist immer noch da“, bestätigt Oliver Knagge, Mitarbeiter der Ostfriesland Tourismus GmbH auf Nachfrage. Viele Orte würde ihr Angebot weiter ausbauen. Das sei auch gut so, denn manches Nachbarland sei Deutschland hier voraus.

Andreas Smidt war auf der Suche nach maritimer Dekoration, als er die überdimensionale Boje fand. Schnell entstand die Idee, dass sie genug Raum für Übernachtungen biete. Foto: Ortgies
Andreas Smidt war auf der Suche nach maritimer Dekoration, als er die überdimensionale Boje fand. Schnell entstand die Idee, dass sie genug Raum für Übernachtungen biete. Foto: Ortgies

Viele Gäste suchten das kleine Abenteuer. Die Region profitiere Knagge zufolge von einer Vielfalt an Angeboten. Denn so ist für jeden Abenteurer das Passende dabei. Das gilt auch für den Ort selbst, meint Tourismuschef Kai Koch. Die Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel (NSB) GmbH vermietet seit dieser Saison zwei Schlafstrandkörbe. Eine Konkurrenzsituation sieht der Geschäftsführer dennoch nicht: „Die Boje rundet das Angebot ab.“ Der Gast wolle etwas Besonderes erleben – in dem Doppelsielort kann er das. „Dafür stehen wir auch.“

Ein Blick ins Innere der Schlafboje: Sie bietet ausreichend Platz für ein Abenteuer. Foto: Ortgies
Ein Blick ins Innere der Schlafboje: Sie bietet ausreichend Platz für ein Abenteuer. Foto: Ortgies

Außergewöhnlicher als in einer Boje am Strand kann man die Nacht wohl kaum verbringen. Und trotz der räumlichen Enge muss der Gast auf nichts verzichten, erläutert Smidt: Ein gemütliches Doppelbett, Stauraum und moderne Technik verbergen sich hinter den insgesamt fünf Bullaugen zu drei Seiten. Zwei Panoramafenster geben zusätzlich den Blick auf den Sternenhimmel frei. All das gibt es für 119 Euro die Nacht. Buchungen sind jetzt unter www.schlafboje.de möglich. Und die Nachfrage ist überwältigend, staunt Smidt.

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