Berlin  9-Euro-Ticket bremst Inflation – Lebensmittelpreise steigen weiter an

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 13.07.2022 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das 9-Euro-Ticket konnte die Inflation in Deutschland ein wenig bremsen. Foto: dpa/Christoph Soeder
Das 9-Euro-Ticket konnte die Inflation in Deutschland ein wenig bremsen. Foto: dpa/Christoph Soeder
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Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes konnte die Inflation im Vormonat etwas gebremst werden. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem das 9-Euro-Ticket. Teuer bleiben dagegen weiterhin Energieprodukte und Lebensmittel.

Die Inflation in Deutschland ist im Juni mit der Einführung des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts leicht abgeflaut. Zwar lag die Teuerungsrate im Juni im Vorjahresvergleich noch immer bei 7,6 Prozent, im Mai hatte sie jedoch noch 7,9 Prozent betragen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Hauptursache für die hohe Inflation sind nach wie vor die Preiserhöhungen bei Energieprodukten.

Besonders auffällig ist etwa der Bereich Mobilität. Verbundfahrkarten (-63,1 Prozent im Vergleich zu Mai) und Nahverkehrtickets ( -45,1 Prozent) sind deutlich günstiger geworden. 9-Euro-Ticket lässt grüßen. Die Preise für Kraftstoffe sind, laut statistischem Bundesamt dank Tankrabatt, um 3,9 Prozent gesunken. Benzin-Motoren (-5,0 Prozent) sparen dabei stärker als Diesel (-0,9 Prozent). Insgesamt verzeichnet der Verbraucherpreisindex 6,2 Prozent weniger Kosten für Verkehr.

Auch Bekleidung ist mit 1,5 Prozent Rückgang gegenüber dem Vormonat deutlich billiger geworden. Die Preise für „Post und Telekommunikation“ sind immerhin um 0,1 Prozent günstiger geworden. Der Preis für Gemüse ist saisonbedingt um 3,9 Prozent gesunken. Da hören die guten Nachrichten aber auch schon auf.

Inflationstreiber waren im Juni erneut die Energieprodukte: 38 Prozent betrug die Teuerungsrate hier, bereits im Mai hatten sich Energieprodukte im Vorjahresvergleich um 38,3 Prozent verteuert. Die Preise für Kraftstoffe stiegen im Juni mit 33,2 Prozent allerdings weniger stark an als im Mai, als die Teuerungsrate an der Tankstelle noch 41 Prozent betrug. Lebensmittel sind über ein Prozent teurer geworden, als im Mai. Auch Wohnen ist alleine im Juni 0,9 Prozent teurer geworden.

Im Gegensatz zu Benzin und Diesel beschleunigte sich der Preisanstieg bei der Haushaltsenergie: Im Juni betrug die Teuerungsrate hier 40,7 Prozent, im Vormonat lag diese noch bei 36,8 Prozent. So stiegen die Preise für leichtes Heizöl auf mehr als das Doppelte an, Erdgas verteuerte sich um gut 60 Prozent, der Preisanstieg bei Strom betrug im Juni 22 Prozent.

Auch im Supermarkt mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im Juni erneut mehr bezahlen als im Vormonat: Die Preise für Lebensmittel stiegen im Vorjahresvergleich um 12,7 Prozent, im Mai hatte die Preissteigerung bereits 11,1 Prozent betragen. Besonders stark stiegen im Juni die Preise für Speisefette und Öle mit 43,1 Prozent, Fleisch mit einem Plus von knapp 19 Prozent, Milchprodukte und Eier mit 15,3 Prozent sowie Brot und Getreideerzeugnisse mit 12,5 Prozent.

Mehr als die Hälfte der aktuellen Inflationsrate entfielen auf Energie und Nahrungsmittel: Ohne Berücksichtigung der Energiepreise lag die Inflationsrate im Juni lediglich bei 4,2 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Nahrungsmittelpreise sank sie Teuerung auf 3,2 Prozent.

Wie sehr die Inflation von diesen Gütern angetrieben wird, erklärt auch das Statistische Bundesamt: „Wie stark aktuell zudem die Nahrungsmittelpreise Einfluss auf die Gesamtteuerungsrate nehmen, zeigt sich an der Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln: Sie lag bei 3,2 Prozent“, sagt die Behörde. Weniger als halb so hoch, wie mit diesen Gütern.

Das Statistik-Amt hat auch die Wirkung des Maßnahmenpakets der Bundesregierung berechnet. Allein Neun-Euro-Ticket und Tankrabatt haben die Teuerung demnach um ein Prozent zurückgehalten.

Nach Einschätzung von Bundesbankchef Joachim Nagel, ist auch für die nächste Zeit mit hohen Inflationsraten zu rechnen. Trotz leichten Rückgangs hätten diese auch im Juni höher gelegen, als von den meisten Experten erwartet.: „Damit steigt auch das Risiko, dass die Inflation mittelfristig höher bleibt“. Die Teuerungsrate im Euroraum war im Juni auf das neue Rekordniveau von 8,6 Prozent nach oben geschossen, nach 8,1 Prozent im Mai

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