Kolumne: Artikel 1, GG  Das ist nichts anderes als Schönfärberei

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 13.07.2022 09:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topcu
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In unserer Mittwochs-Kolumne geht es immer um das Verbindende und Trennende von Kulturen – diesmal um Begriffe, über die wir nicht richtig nachdenken.

Kennen Sie das auch? Sie lesen oder hören einen Begriff und meinen, sie wüssten, was damit gemeint ist. Dass das aber gar nicht so ist, stellen Sie erst dann fest, wenn Sie den Inhalt wiedergeben sollen.

Früher habe ich sehr oft den Sinn von Wörtern und Worten hinterfragt, und das hängt damit zusammen, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Apropos Muttersprache: Dieser Begriff ist eigentlich schon obsolet. Wer zum Ausdruck bringen möchte, fit in den aktuellen Diskussionen über Spracherwerb zu sein, der verwendet längst „Herkunftssprache“.

Inzwischen hinterfrage ich Begriffe kaum mehr – meist auch, weil ich denke, die Bedeutung aus dem Kontext entnehmen zu können. In der vergangenen Woche habe ich festgestellt, dass ich mich dadurch selbst in die Irre führe – und zwar, als ich an einem Tag geschätzte 100 Mal die Formulierung „Globaler Süden“ hörte und las. Am Ende des Tages stellten sich mir diese Fragen: Wo beginnt der „globale Süden“? Welche Länder konkret zählen dazu? Wann hat sich dieser Begriff in die öffentliche Kommunikation eingeschlichen? Wer ist dafür verantwortlich?

Ich habe in den Tagen bewusst darauf geachtet, wer in welchem Zusammenhang diese Formulierung verwendet. Das Ergebnis: Meistens konnte ich aus den Äußerungen nichts Konkretes entnehmen. Mein bisheriger Eindruck: Etliche scheinen auch nicht wirklich zu wissen, was es mit dem „globalen Süden“ auf sich hat; andere verwenden es, um nicht „Entwicklungsländer“ oder „Dritte Welt“ zu verwenden, wie sich meine Beobachtung anhand der Netzrecherche bestätigt.

„Die Bezeichnung Globaler Süden dient dazu, die verschiedener Positionen in der globalisierten Welt wertfrei zu beschreiben und die Aufstellung einer Hierarchie zwischen verschieden entwickelten Ländern zu vermeiden“, heißt es auf einer Bundesministeriumsseite. Aha! Denke ich, „Globaler Süden“, eine ungenaue Beschreibung, die nichts anderes als Schönfärberei ist.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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