Wettbewerb in Aurich  Garten-Roboter kämpfen einen Platz am Olymp

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 10.07.2022 16:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ups, soll der Roboter hier entlangfahren? 13 Roboter-Teams kämpften in Aurich um die Teilnahme am Deutschlandfinale der Roboter Olympiade. Foto: Ortgies
Ups, soll der Roboter hier entlangfahren? 13 Roboter-Teams kämpften in Aurich um die Teilnahme am Deutschlandfinale der Roboter Olympiade. Foto: Ortgies
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Rasen mähen, Unkraut entsorgen und dabei bloß keine Tiere überfahren: Das alles mussten die Kinder und Jugendlichen bei der Welt-Roboter-Olympiade in Aurich ihren Geräten beibringen.

Aurich - Von einer Minute auf die andere wird es im Foyer des Energie-Erlebnis-Zentrums (EEZ) in Sandhorst laut und ein wenig hektisch. Die Spannung ist spürbar, denn es geht um etwas. Grüppchenweise tröpfeln die startenden Teams ein, die bei der World Robot Olympiad (WRO) – also der Welt-Roboter-Olympiade – ihren Roboter in der Kategorie Robo-Mission ins Rennen schicken. Sie alle haben je nach Schwierigkeitsgrad und Alter Aufgaben erhalten. Monatelange tüftelten sie daran, sie zu lösen.

Was und warum

Darum geht es: In Aurich mähten die Nord-Teams bei der World Robot Olympiad (WRO) um die Wette.

Vor allem interessant für: Roboter- und Gartenfreunde, Lehrer, Schüler und alle, die wissen möchten, wie Roboter programmiert werden

Deshalb berichten wir: Wir waren dabei und haben uns von der Aufregung der Starter anstecken lassen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Jetzt haben die Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 19 Jahren genau einen Tag und vier Versuche, um das ganze Wissen abzurufen und sich für den Deutschlandentscheid des Wettbewerbs zu qualifizieren. Nur den selbstentwickelten Programmiercode hatten sie dabei, als sie am Morgen in Aurich ankamen, – und den in alle Einzelteile zerlegten Roboter. Jetzt müssen die Teams den kleinen Helfer aus dem Gedächtnis so zusammenbauen, dass er die gestellten Aufgaben allein erledigen kann. Danach folgen drei weitere Runden, in denen sie ihn verbessern dürfen.

Geräte für den Gartenfreund

In diesem Jahr geht es um Garten-Roboter. Die Besucher des Wettkampfs können sich schon einmal ein Bild davon machen, was in der Gartentechnik einmal möglich sein könnte: Das Gerät muss nicht nur den Rasen mähen oder Unkraut sammeln, sondern auch auf kreuzende Tiere aufpassen und sie in Sicherheit bringen. Tiere, Rasen und Unkraut sind auf dem Spielfeld stehende Lego-Bausteine. Der Roboter als Mini-Modell eines intelligenten und autonomen Gartengerätes besteht aus Teilen der Lego Mindstorms-Serie. Kernstück ist das Gehirn „EV3“. Das ist ein programmierbarer Legostein, der Elektromotoren und Sensoren steuert und so Zahnräder und Pneumatik in Gang setzt. Das EV3-Gehirn sagt dem kleinen Roboter-Wagen, wo er langfahren, welche Bausteine er greifen und wohin er sie schieben, tragen oder wo er sie herablassen soll. Keine leichte Aufgabe, vor allem wenn der Parcours so lang ist, dass er unmöglich zu schaffen ist.

Reges Treiben an den Wettbewerbstischen beim Regionalentscheid der World Robot Olympiad (WRO) im Energie Erlebnis Zentrum in Aurich Sandhorst. Foto: Ortgies
Reges Treiben an den Wettbewerbstischen beim Regionalentscheid der World Robot Olympiad (WRO) im Energie Erlebnis Zentrum in Aurich Sandhorst. Foto: Ortgies

Die Teams versammeln sich an den Tischen. Unter ihnen drei Jungs, die unter dem Namen „Alien Tech“ für die Realschule Wildeshausen bei den Senioren an den Start gehen. Es sind der 16-jährige Ben Harms, der gleichaltrige Mika Stähr und der 13-jährige Eric Matthiesen. Sie setzen den selbstentwickelten Roboter auf den Startpunkt und aktivieren ihn. Jetzt können sie nur noch abwarten. Der kleine, mit Mindstorms-Technik zum Leben erweckte Roboter mit Greifzange ist auf sich allein gestellt. „In zwei Minuten muss er so viele Aufgaben wie möglich erledigen“, erklärt Mika Stähr. Jede erledigte Aufgabe bringt Punkte.

Nach zwei Jahren Leerlauf wieder gestartet

Die Rückkehr in den Roboter-Wettbewerb nach der Corona-Pause lief zögerlich. Von der Ostfriesischen Halbinsel sind wesentlich weniger Teams angetreten, als noch vor der Pandemie im Jahr 2019. Nur das Mariengymnasium aus Jever ist mit insgesamt vier Teams dabei und das Teletta-Groß-Gymnasium (TGG) aus Leer hat zwei Teams am Start. Weitere Teilnehmer kommen aus Bremen, Stolzenau, Westerholt, Otterndorf und Haren „Als wir uns anmelden mussten, war die Corona-Pandemie noch in vollem Gang“, erklärt Anke Schneider, Lehrerin für Mathe, Physik und Informatik der Realschule Wildeshausen. „Es war noch gar nicht absehbar, ob es überhaupt möglich ist, wieder zu starten.“ Dass einige das Risiko einer Corona-Infektion nicht eingehen wollten, kann sie gut verstehen.

Für das Team "Alien Tech" der Realschule Wildeshausen geht es weiter zum Deutschlandentscheid: Mika Stähr (von links), Eric Matthiesen und Ben Harms. Foto: Ortgies
Für das Team "Alien Tech" der Realschule Wildeshausen geht es weiter zum Deutschlandentscheid: Mika Stähr (von links), Eric Matthiesen und Ben Harms. Foto: Ortgies

Auch die Auricher Veranstalter haben gemerkt, dass die Pandemie gar nicht so weit weg ist, wie sich viele wünschen würden. Sascha Jung vom Zentrum Natur und Technik (znt) im EEZ steht als Organisator allein vor der aufgeregten Menge. Eine Kollegin, die einen großen Teil der Organisation in der Hand hatte, wurde von dem Corona-Virus aus dem Verkehr gezogen. Jung kämpft sich tapfer durchs Programm. An der Wand des Foyers zeigt ein Countdown den Teams, wann sie Zeit haben, den Roboter zu verbessern – und wann es zurück in den Ring geht. Um Jung herum warten die Punktrichter an den Wettbewerbstischen und prüfen, ob die Roboter die an sie gestellten Bedingungen erfüllen und die Aufgaben wie gewünscht erledigen. Es sind Auszubildende des Windenergieanlagenherstellers Enercon aus den Werkstätten des EEZ.

Die Sieger sind alte Hasen

Die beiden 16-Jährigen aus dem Team „Alien Tech“ sind bereits alte Hasen im Wettbewerb. „Schon vier bis fünf Mal sind wir bestimmt dabei“, sagt Ben Harms. Robotik ist ihr Leben. Sie gehen sogar an Grundschulen, um dort Kinder für ihr Hobby zu begeistern. „Sie sind in jeder Pause, und wann immer es möglich ist, in der Roboter-Werkstatt“, sagt Anke Schneider als Leiterin der Roboter-AG der Schule. Sie freut sich, dass die Teams an diesem Tag endlich wieder zeigen können, was dabei entstanden ist. „In der Schule können nicht viele nachvollziehen, woran sie mit einer solchen Begeisterung arbeiten“, sagt Schneider. „Hier brennen alle für die gleiche Sache und sie können sich austauschen.“

Für das Team "Alien Tech" der Realschule Wildeshausen geht es weiter zum Deutschlandentscheid: Mika Stähr (von links), Eric Matthiesen und Ben Harms. Foto: Ortgies
Für das Team "Alien Tech" der Realschule Wildeshausen geht es weiter zum Deutschlandentscheid: Mika Stähr (von links), Eric Matthiesen und Ben Harms. Foto: Ortgies

Der Mini-Roboter der „Alien-Techs“ absolviert den Parcours, nimmt einen Haufen Unkraut auf, transportiert ihn. Bis hierhin ist alles gut gelaufen. Kurz vor Ende der Zeit lässt er ihn ab – trifft aber den Ablageort nicht genau. Die Zeit ist um. Die Punktzahl ist gut, aber das Team will mehr. In der nächsten Umbauphase kann es daran arbeiten, die Trefferquote zu verbessern. Die Einsteiger vom Team „Somis“ des TGG Leer am Nebentisch ist ebenfalls bereits durch und zufrieden. Lehrerin Aneke Petras lächelt. „Wenn man bedenkt, wie die Generalprobe gelaufen ist, grenzt das schon an ein Wunder“, sagt sie, während die beiden elfjährigen Jannes Groen und Simon Penning ihren Roboter von den Prüfern bekommen und damit in die nächste Umbauphase gehen. Petras: „Sie stehen noch ganz am Anfang und es ist vor allem wichtig, die Nerven zu behalten und nach Rückschlägen wieder aufzustehen.“

Das schafft das Team „Somis“ an diesem Tag. In der untersten Altersstufe „Elementary“ tragen sie den Sieg nach Hause. Bei den Mittleren qualifizieren sich gleich zwei Teams des Mariengymnasiums Jever als „Junior“ für die nächste Runde: „ZYZ“ und “JOM“. Bei den Ältesten machen die Wildeshauser das Rennen. Auch sie kommen in die nächste Runde. Für die vier Teams geht es jetzt im Deutschlandfinale am 17. und 18. September in Chemnitz weiter. Wer es dort schafft, startet im Weltfinale vom 17. bis zum 19. November 2022. In diesem Jahr müssen die Teilnehmer nicht so weit dafür fahren. Ausgerichtet wird es in Dortmund.

Während des Wettbewerbs dürfen die Teams nicht zu den Robotern. Erst, wenn alle Wertungen durch sind, wird weitergebaut. Foto: Ortgies
Während des Wettbewerbs dürfen die Teams nicht zu den Robotern. Erst, wenn alle Wertungen durch sind, wird weitergebaut. Foto: Ortgies

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