Berlin Lindner-Hochzeit: Warum Sylt plötzlich Thema im Bundestag war
Christian Lindners Hochzeit ist medial hochpräsent. Der Finanzminister heiratet seine Freundin Franca Lehfeldt auf Sylt. In einer Bundestagssitzung wurde die Insel ebenfalls ein ums andere Mal aufgegriffen – und Christian Lindner sogar persönlich angesprochen.
Am Donnerstag war es soweit: Christian Lindner (FDP) heiratete seine Freundin Franca Lehfeldt standesamtlich. Am Freitag soll der Polterabend stattfinden und am darauffolgenden Samstag die kirchliche Hochzeit. Statt der Toskana hat sich Lindner die norddeutsche Insel Sylt ausgesucht – bekannt als Wohnort der Superreichen. Die Insel wurde vor der Hochzeit sogar wiederholt zum Thema in einer Bundestagssitzung am 3. Juni.
Der Zusammenschnitt der Sitzung ist in einem Video des YouTube-Kanals „Best of Bundestag“ zu sehen. Ab Minute 08:43 treten einige Redner an, die sich auch dem Thema Sylt annehmen. In der Debatte geht es um den Beschluss zum Bundeshaushalt 2022. Dieser sieht Ausgaben von knapp 496 Milliarden Euro vor – welche die Einnahmenseite deutlich übersteigen.
Den Anfang der skurrilen Sylt-Serie macht Ingeborg Gräßle (CDU/CSU). Sie kritisiert das Wirtschaften von SPD und Grünen. Doch auch die FDP erntet Kritik: „Dass die FDP da mit im Boot sitzt, zustimmt und sich dann als Hütchenspieler in der Öffentlichkeit aufführt, da muss ich sagen, Herr Minister, als Hütchenspieler sind Sie einfach nicht gut genug.“, kritisiert sie Finanzminister Lindner. „Vielleicht sollten Sie die entsprechende Fortbildung eher in Berlin als auf Sylt suchen“, fügt die Politikerin in Anspielung auf die bevorstehende Hochzeit hinzu.
Hier verfolgen: Liveblog zur Hochzeit
Der nächste Redner von der FDP greift die Sylt-Anspielung dankend auf. „Frau Kollegin Gräßle, ich will jetzt nicht sagen, dass das rumge-SYLTze war, aber ich will doch gerne, dass wir ein wenig zur Haushaltspolitik zurückkommen und zu den Zahlen.“, sagt Otto Fricke.
Sven-Christian Kindler (Bündnis 90/Die Grünen) fährt fort und richtet sich beim Thema Sylt noch einmal direkt an den Finanzminister. „Apropos Klimaschutz – natürlich machen wir das Ganze auch, damit Sylt nicht im Meer versinkt, weil das einfach eine extrem schöne Insel ist.“, sagt Kindler und lässt eine kurze Atempause.
Er beginnt, von seinem persönlichen Sylt-Wochenende zu berichten. „Und ich war am Himmelfahrtswochenende auch auf Sylt. Ich habe keine Jongleure an der Strandpromenade gesehen. Aber ich bin mit dem Fahrrad von Wenningstedt nach List gefahren. Es gibt tolle, wunderschöne Naturlandschaften, Dünen, Heidelandschaften. Und ich bin auch durch den kleinen Ort Kampen gekommen, Herr Bundesfinanzminister. Und wenn man sich dort umguckt, sieht man einfach sehr schöne und teure Sportwagen, man sieht Champagner an jeder Ecke, man sieht sehr viel glitzerndes Karat.“, beschreibt der Grünen-Politiker seine Kampen-Erfahrung.
Erneut richtet sich Kindler an Lindner: „Und mein Eindruck, Herr Finanzminister, war, wenn man sich die Situation vor Augen führt, dass glaube ich noch etwas Luft nach oben bei der Umverteilung von Reichtum ist und ich würde mir wünschen, dass wir da zu gemeinsamen Lösungen in der Zukunft kommen.“ Trotz des seriösen Themas sorgte das in Reihen der Regierungsminister für Schmunzeln – auch bei Vizepräsident Robert Habeck und Lindner selbst.