Kunstpromenade Frankfurt zeigt Emden, wie‘s gehen kann
In Emden soll 2023 eine Kunstpromenade entstehen, für die die Stadt 200.000 Euro hinblättern muss. Welchen positiven Effekt so eine Investition langfristig haben kann, zeigt die Main-Metropole.
Emden - Emden mit Frankfurt am Main zu vergleichen, bietet sich nicht allzu oft an. Die Finanzmetropole hat aber vorgemacht, was sich die Seehafenstadt noch wünscht: Sie hat nach dem Wunsch der Stadtplaner vor mehr als 30 Jahren eine Oase für Kunst geschaffen am sogenannten Museumsufer und im öffentlichen Raum Kunstwerken Platz gemacht. Die Gesamtkosten der Neugestaltung und Erweiterung der Kulturlandschaft am Main wurden 1984 auf rund 500 Millionen Mark geschätzt. Heute gilt die Main-Stadt als einer der kulturellen Leuchttürme der Republik.
Was und warum
Darum geht es: Städte müssen sich verändern und mehr Erlebnisse ermöglichen, um Besucher anzuziehen.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, die sich für die Entwicklung ihrer Innenstadt interessieren; Gäste der Stadt; Kultur- und Kunstinteressierte
Deshalb berichten wir: Ein Leser hatte uns auf ein positives Beispiel von Freiluft-Kunstwerken aufmerksam gemacht. Wir haben uns die Ausstellungen in Frankfurt am Main genauer angeschaut. Und Details zur Emder Kunstpromenade erfragt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Das wird Emden wohl in dem Rahmen nicht schaffen. Aber: Die Stadt versucht seit längerem, die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu verbessern und eine Erlebnisstadt zu schaffen. Ein Teil dessen ist die Kunstpromenade, die zwischen Chinesentempel und Hahnscher Insel vor der Kunsthalle entstehen soll. Die ist mit 600.000 Euro anberaumten Kosten nicht günstig. Die Stadt muss ein Drittel davon selbst zahlen. Das stieß zuletzt auf Kritik in der Bevölkerung, die angesichts leerer Stadtkassen einen Sparkurs anmahnt. Die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) aber sieht die Investition etwa in die Kunstpromenade als etwas an, wovon die Stadt langfristig und vielseitig profitieren soll. „Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass in Emden besonders das Thema (Stadt-)Kultur ein Anziehungspunkt und Alleinstellungsmerkmal in Ostfriesland ist. Dieses Thema findet bisher in den kulturellen Häusern und Orten statt“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.
In Frankfurt gibt es mehr als 400 Freiluft-Werke
Aufgabe müsse es sein, die Kunst auch im öffentlichen Raum sichtbar und vor allem erlebbar zu machen. Deswegen sei die Kunstpromenade ein wichtiger Schritt, das niedrigschwellig zu ermöglichen. „Dies geht einher mit einer gesteigerten Aufenthaltsqualität durch diese Aufwertung, was wiederum zu einer längeren Aufenthaltszeit in der Innenstadt führt, sodass weitere Funktionen mitgenutzt werden“, ist die Verwaltung überzeugt.
In Frankfurt am Main wird das schon voll ausgereizt: „Kunst im öffentlichen Raum gehört zum urbanen Leben in Frankfurt. Sie bietet Gesprächsstoff, fordert heraus, regt zum Nachdenken an, belehrt, verzückt, provoziert, hat Humor – und das rund um die Uhr, kostenfrei!“, heißt es vom Kulturamt. Insgesamt gibt es mehr als 400 Werke. „Wir sind der Meinung, dass die Komplexität der modernen Stadtsituation, die im Zeichen von Wachstum, Intensivierung und Effizienz Freiheit immer weiter beschränkt, mehr denn je zum Experimentieren auffordert“, heißt es vom Kulturamt. Der Bedeutungszuwachs und der Wandel öffentlicher Räume entfalte eine Dynamik, die auch die Kunst berühre und das Themenfeld „Kunst im Stadtraum“ in seiner ganzen Komplexität letztlich sehr spannend mache. Auf fünf vorgeschlagenen Touren kann man die Skulpturen über Kilometer bewundern - mitten in der City oder auch im „Grün-Gürtel“. In Emden gehört die Promenade zum Förderprogramm „Grünes Band“, auf das sich die Stadt 2018 beworben hatte.
Stadt Emden zahlt Kunstwerke nicht - Sponsoren sind gefragt
Dadurch wurde bereits die Wall-Anlage aufgewertet. Es ist ein Freiluft-Sportbereich und eine Klettermühle mit Spielplatz entstanden. Auch der Teil des Stephansplatzes zum Falderndelft hin wurde saniert. Das Park-Areal Schwanenteich wird noch angepackt. Die neue Kunstpromenade spiele bei dem Förderprogramm eine ganz besondere Rolle, so Stadtsprecher Eduard Dinkela. Dabei sei das Ziel nicht nur einen repräsentativen Auftakt beziehungsweise „Boulevard“ zur Kunsthalle entstehen zu lassen, sondern die Gäste bei ihrem Innenstadtbesuch zu führen und zu lenken. „Neben der Kunst am Ort geht es vor allem um die Herstellung einer grünen Wegeverbindung im gesamtstädtischen Rahmen nicht nur im Bereich der Kunsthalle, so wie es das Förderprogramm Zukunft Stadtgrün vorsieht“, heißt es.
Die Kunstobjekte, die in Emden in Sichtachse zur Kunsthalle gezeigt werden sollen, kauft die Stadt Emden indes nicht. „Hier setzen Rat und Verwaltung auf bürgerschaftliches Engagement und freuen sich auf Vorschläge“, so Dinkela. Unter anderem die Delftspucker, die Skulptur am Bahnhofsplatz und das Peterke seien auch durch Bürgerengagement ermöglicht worden. „Da die Ausstellungsflächen begrenzt sind, sollten diese Werke bedeutenden Künstler*innen vorbehalten bleiben“, heißt es. Die vorhandene Bushaltestelle soll für die Promenade Richtung Jungfernbrückstraße ein wenig versetzt werden, um einen großzügigen Anschluss an die schon vorhandene Grünfläche zu ermöglichen. Im Frühjahr 2023 soll mit den Arbeiten begonnen werden.
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