Einschulung in Ostfriesland Zehn Tipps für den klimafreundlichen Schulstart
Wer seinem Kind einen klimafreundlichen Start ins Schulleben ermöglichen möchte, kann beim Kauf von Schulmaterial viel bewegen. Zehn Expertentipps, die beim Einkauf helfen.
Aurich - Schon lange vor der Einschulung gibt es für die angehenden Schulkinder Ostfrieslands eine Liste mit dem Schulmaterial: Hefte, Blöcke, Filzstifte, Tuschkasten, Füller, Buntstifte ... „Diese Liste sieht seit Jahrzehnten bei den meisten Schulen gleich aus“, sagt Julia Frömming vom Schreibwarengeschäft Abegg in der Auricher Innenstadt. „Es wäre schön, die Lehrer würden einmal herkommen und sich ansehen, welche neuen Produkte inzwischen auf dem Markt sind. Viele Hersteller haben bereits klimaneutrale Produkte im Programm.“ Auch beim Mal- und Schreibzubehör sei einiges in Bewegung.
Was und warum
Darum geht es: Wer seinem Kind einen klimafreundlichen Schulstart ermöglichen möchte, kann beim Kauf von Schulmaterial viel bewegen.
Vor allem interessant für: Lehrer, Schüler, Eltern, Großeltern und Paten
Deshalb berichten wir: Am 25. August beginnt für die Erstklässler die Schule. Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
Aber worauf sollte beim Einkauf für den Schulstart geachtet werden? Bei all den Produkten die richtige Wahl zu treffen, ist oft nicht leicht. Ist da der Griff zur fertig ausgestatteten Federmappe nicht die beste Entscheidung? Und überhaupt: Was bewirkt schon ein einzelnes Schulkind? Die Antwort ist: viel. Im Schuljahr 2021/2022 zum Beispiel wurden in Deutschland 771.700 Kinder eingeschult. In der Summe gesehen kann jede richtige Kaufentscheidungen also eine Menge bewegen. In Deutschland werden zum Beispiel pro Jahr 200 Millionen Schulhefte verkauft. Nicht einmal jedes zehnte ist aus Recyclingpapier. Auch in Aurich greifen die Wenigsten zur umweltfreundlichen Variante: „Der Preis ist etwas höher, so dass sich die meisten für das herkömmliche Papier entscheiden“, sagt Julia Frömming.
Höchste Zeit, nicht nur Schulranzen und Federmappe vor dem Kauf noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, sondern auch bei Schreibheften und Linealen die richtige Wahl zu treffen. Weg von energie-intensiv erzeugten Plastikartikeln und weißem Frischfaser-Papier, hin zu langlebigem Schulmaterial, das die Umwelt und das Klima schont. Hier die wichtigsten Tipps der örtlichen Einzelhändler, Umweltverbände und Testzeitschriften für einen klimafreundlichen Einkauf im Überblick:
1. Einkaufen: regional und gemeinschaftlich
Um den Einzelhandel in der Region zu unterstützen, bietet es sich an, Schulhefte und die Ausstattung für den Schulstart in der Nähe des Wohnorts zu kaufen. Hier gibt es dazu die passende Beratung. Selbst wenn gewünschte Produkte nicht vorrätig sind, können sie bestellt werden. Effizienter wird es, wenn die Klasse oder Schule bei Materialien wie Heften oder Blöcken eine Sammelbestellung aufgibt. Dann können für die meist teureren umweltfreundlichen Produkte Rabatte vereinbart werden.
2. Umweltfreundliches Papier
Hausaufgabenhefte, Schulhefte, Grammatik- und Vokalbelhefte: Hefte gehören zu den wichtigsten Arbeitsmaterialen im Schulalltag. Hinzu kommen Notiz-, Zeichen- und Malblöcke, Heftumschläge, und Arbeitsblätter. Sie bestehen meistens aus Frischfaserpapier. Dafür werden Bäume gefällt und verarbeitet. 12,3 Kilogramm Papier benötigt ein Schüler pro Jahr, das entspricht einem Verbrauch von rechnerisch 27 Kilogramm Holz. Bei einer Grundschule mit 350 Schülern kommt so schnell ein kleines Wäldchen mit 127 Fichten zusammen. Eine Alternative ist, Recyclingpapier zu verwenden. Diese Hefte werden aus Altpapier hergestellt, das aufbereitet und wiederverwendet wurde. Es ist glatt, tintenfest und hell. Auch Ordner und Heftumschläge gibt es statt aus Plastik in der umweltschonenderen Variante aus Recyclingpapier oder -karton. Am einfachsten ist das umweltfreundliche Recyclingpapier am Blauen Engel zu erkennen.
3. Schulranzen und Turnbeutel
Bei der Auswahl der Tornister gibt es umweltfreundliche Alternativen. In Fachgeschäften werden Schulranzen aus recycelten PET-Flaschen angeboten. Auch Modelle aus Meeresmüll sind im Handel verfügbar. Das gilt auch für Turnbeutel. Eine saubere Variante ist, den Turnbeutel selbst zu nähen. Stiftung Warentest und Öko-Test kaufen regelmäßig Schulranzen und veröffentlichen ihre Testergebnisse – diese Tests helfen sehr, die Qualität der Ranzen einzuschätzen.
4. Federmäppchen und Etuis
Handelsübliche Federmäppchen gibt es in unterschiedlichsten Formen und Farben. Viele enthalten bereits Filz- und Faserstifte, Plastiklineal und Spitzer. Doch das praktische Gesamtpaket ist oft alles andere als klimafreundlich. Ein handelsübliches Federmäppchen besteht meist aus Polyester. Dieser Kunststoff wird aus Erdöl hergestellt und ist nicht biologisch abbaubar. Durch Abrieb oder beim Waschen entstehen winzige Plastikfaserteilchen, die als Mikroplastik in das Abwasser gelangen. Die Alternative sind Federmäppchen und Etuis aus nachwachsenden Rohstoffen wie Leder, Kork oder festen Baumwollstoffen. Es gibt sie wie Schulranzen auch aus recycelten Kunststoff aus PET-Flaschen oder Meeresmüll.
5. Schreiben
Federhalter mit Holzschaft sind eine klimafreundliche und langlebige Alternative zu herkömmlichen Plastikfüllern. Wer Tintenkonverter benutzt, vermeidet zusätzlich überflüssigen Müll durch leere Plastikpatronen und schützt das Klima. Diese Konverter können statt der üblichen Patronen eingesetzt und nachgefüllt werden. Durch den Kauf eines 30 Milliliter großen Tintenfläschchens können etwa 38 Standard-Patronen ersetzt werden. Noch klimafreundlicher sind Nachfüllflaschen mit 250 Milliliter oder mehr Inhalt.
6. Malen und Zeichnen
Filz- und Fasermaler bestehen aus Kunststoffen. Sie haben deshalb eine deutlich schlechtere Ökobilanz als Holzstifte. Eine Alternative zu herkömmlichen Filz- und Fasermalern sind Produkte mit Nachfüllsystem ohne chemische Inhaltsstoffe und Weichmacher. Die Tinte sollte auf Wasserbasis hergestellt und damit geruchslos sein. Stark riechende Stifte enthalten in der Regel Lösungsmittel, Feuchthaltemittel, Tenside und Konservierungsmittel. Buntstifte sollten aus Holz sein. Da Kinder häufig beim Nachdenken auf dem Stift herumbeißen, werden unlackierte Buntstifte empfohlen. In dreieckiger Form liegen sie besonders gut in den kleinen Händen. Beim Kauf von Wachsmalstiften darauf achten, dass diese tatsächlich aus natürlichem Bienenwachs hergestellt wurden. Einen Hinweis darauf geben Testergebnisse auf der Verpackung. Textmarker gibt es auch als Buntstifte mit Nachfüllmine.
7. Zubehör
Radiergummis gibt es in allen Formen und Farben. Bunte Radiergummis in der Gestalt von Einhörnern, Autos oder Fußbällen bestehen oft aus Polyvinylchlorid (PVC). Seine Produktion auf Erdölbasis, das Recycling und die Entsorgung sind sehr energieraufwendig. Eine bessere Wahl sind Radiergummis aus Naturkautschuk. Sie riechen nicht besonders intensiv und enthalten weder den Kunststoff PVC noch ungesunde Weichmacher. Außerdem sind sie bei der Herstellung und bei der Entsorgung umweltfreundlich. Lineale aus Holz oder Metall halten sehr lange. Kunststoffspitzer gehen schnell kaputt. Da lohnt sich der Kauf eines Anspitzers aus Holz oder Metall. Ist das Messer auch noch auswechselbar, reicht der Spitzer ein ganzes Schulleben lang und sogar darüber hinaus.
8. Tuschen
Beim Malkasten mit Wasserfarben ist ein stabiles Gehäuse wichtig. Das sollte möglichst aus Metall oder stabilem Kunststoff sein. Wenn die Farbtöpfe einzeln austauschbar sind, lassen sich die Lieblingsfarben leicht und preiswert ersetzen und der Malkasten hält ewig. So beeindruckend ein „Doppeldecker“ aussieht, ein Schul-Malkasten hat zwölf wasserlösliche Farben. Daraus lassen sich alle Farben mischen. Hochwertige Malkästen sind am Qualitätsstandard erkennbar – nach der Norm DIN 5023 für Deckfarben-Malkästen. Mit guten Pinseln lässt sich besser malen. Bei Pinseln höherer Qualität besteht der Stiel meist aus Holz. Es gibt sie auch unlackiert.
9. Kleben
Meistens wird im Unterricht Papier geklebt. Ein auf Wasserbasis hergestellter Papier- oder Bastelkleber reicht dafür aus. Empfohlen werden lösemittelfreie Kleber wie Leime oder Kleister. Praktisch, aber auch teurer, sind Klebestifte. Die Stifte gibt auch es zum Nachfüllen, das spart Geld und Abfall. Lösemittelhaltige Kleber sind erkennbar an dem Gefahrensymbol mit der Flamme. Alleskleber oder Sekundenkleber gehören nicht in Kinderhände. Die plastikfreie Alternative zu Klebestiften ist zum Beispiel ein Gummierstift mit einer Glasflasche. Plastikfreies Klebeband aus Papier ist unter dem Namen Washi-Tape in vielen Bastelläden erhältlich. Auch die Firma Tesa bietet inzwischen ein Paketband aus Papier an.
10. Brotdose und Trinkflasche
Geeignete Verpackungen für Pausenbrot und Getränke sind wieder verwendbare Brotdosen, Flaschen oder Becher aus Kunststoff oder Edelstahl, die man gut verschließen kann. Plastikflaschen sollten frei von Bisphenol A (BPA) sein. Die Plastikdose und -flasche sind zwar etwas kostengünstiger, die Edelstahl-Alternativen bieten jedoch Vorteile: Sie sind in der Regel frei von Schadstoffen und damit gesünder für Kinder. Gleichzeitig sind sie lebensmittelecht: So werden Apfelschlitze und Pausenbrot garantiert nicht geschmacklich verfälscht. Mit Brotdosen und Trinkflaschen helfen Sie aktiv, Abfälle zu vermeiden und die Umwelt zu schonen.