Hamburg  Lebensgefährlicher Fake-Aktivismus beim Kleiderbügel-Trend

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 08.07.2022 12:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kleiderbügel wurden und werden von Frauen benutzt, die nicht legal abtreiben können, um so ihre Schwangerschaft zu beenden. Foto: Unsplash/Andrej Lišakov (Symbolbild)
Kleiderbügel wurden und werden von Frauen benutzt, die nicht legal abtreiben können, um so ihre Schwangerschaft zu beenden. Foto: Unsplash/Andrej Lišakov (Symbolbild)
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Wie man Frauenrechte verhöhnen und instrumentalisieren kann, beweisen TikTokerinnen gerade auf Schlimmste – und denken, sie würde etwas Gutes tun. Dabei gefährden sie junge Frauen weltweit.

In diesem Artikel erfährst Du:

Es ist der wohl abstoßendste Trend, der aktuell auf TikTok kursiert: die Kleiderbügel-Transition, auch bekannt als „My Body, my fu***** choice“. Während im Hintergrund Billie Eilishs wütender Ausruf „My body, my fu***** choice“ und der Song „Power“ zu hören sind, setzen sich Creatorinnen im gemütlichen Chilloutfit auf einen Stuhl – Schnitt – und schon präsentieren sie sich super gestyled im Glamourlook. Das wäre nichts Neues – hätten sie dabei nicht einen Kleiderbügel in der Hand.

Wie der Trend „funktioniert“, kannst Du Dir hier ansehen:

Hintergrund des Trends ist eine Entscheidung des Obersten Gerichts der USA. Dieser kippt Ende Juni eine historische Entscheidung „Roe vs. Wade“, welche Frauen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche zusicherte. Nun können die Bundesstaaten selbst entscheiden, ob sie Schwangerschaftsabbrüche erlauben. Selbst bei Vergewaltigungen, Inzest oder bei Gefahren für das Leben der Frau müssen sie die Föten austragen. Es wird davon ausgegangen, dass rund die Hälfte der Bundesstaaten solche Verbote erlassen werden und teilweise bereits in Kraft getreten sind.

Frauen in diesen Bundesstaaten müssen, um eine Schwangerschaft zu beenden, weite Reisen auf sich nehmen. Das können sich viele nicht leisten – und könnten in ihrer Verzweiflung versuchen, selbst die Schwangerschaft zu beenden. Wozu das führen kann, zeigen Beispiele aus anderen Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind: Mit giften Chemikalien oder eben mit Kleiderbügel versuchen Frauen, die Schwangerschaft zu beenden. Schwere Verletzungen, Unfruchtbarkeit oder der Tod können die Folge sein.

Kleiderbügel stehen für die Verzweiflung von Frauen, die abtreiben wollen, und denen dieses Recht genommen wurde. Und genau das verwenden nun bekannte und einflussreiche TikTokerinnen beim „My Body, my choice“-Trend“.

Dazu gehören etwas „julesboringlife“:

Besonders schlimm: Der Song im Hintergrund  „Power“, hat die Textzeile: „Baby, you‘re the man. But I got the, I got the, I got the power”. Zu deutsch: Baby, Du bist der Mann. Aber ich habe, ich habe, ich habe die Macht“. In diesem Kontext ist damit gemeint, die „Macht“, mit einem Kleiderbügel selbst eine Schwangerschaft zu beenden.

Der Trend soll junge Frauen dazu „empowern“, es selbst in die Hand zu nehmen und normalisiert die lebensgefährliche Prozedur.

Auch Feli aka „Videozeugs“, macht beim Trend mit:

Das Video hat mehr als 667.000 Likes. Während viele Follower die gelungene Transition oder den Look der Influencerin feiern, gehen einige mit ihr für die Kleiderbügel-Videos hart ins Gericht. Unter dem Beitrag kommentierten Nutzer, „Trend? Are we seriously doing this?“ oder „Ich findes echt schade, davor kommt nicht ein Muks zu dem Thema. Hauptsache, man macht den Trend mit“.

Die Creatorin reagierte darauf:

Warum die Creaotrin mit mehr als drei Millionen Follower auf TikTok nicht selbst darüber aufklärt, beantwortet sie nicht.

Genau das kritisieren andere Creatorinnen wie „joana_health“.

Ihre Erklärung kannst Du Dir hier ansehen:

Noch deutlich wird diese Nutzerin:

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