Hamburg  Allgemeinwissen: Warum werden Preise „verliehen“?

Lucie Wittenberg
|
Von Lucie Wittenberg
| 08.07.2022 10:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein „verliehener“ Golden Globe Award. Foto: dpa/Paul Buck
Ein „verliehener“ Golden Globe Award. Foto: dpa/Paul Buck
Artikel teilen:

Jedes Jahr gibt es eine Hülle und Fülle an Award Shows. Wieso werden die Preise eigentlich nur „verliehen“? Diese Frage klären wir in unserer „Ach so!“-Kolumne rund ums Alltagswissen.

Billie Eilish hat 16, Christoph Waltz 52 und Christian Drosten 12: So unterschiedlich diese drei Promis sind, so haben sie alle eine beeindruckende Zahl von Preisen angehäuft. Billie Eilish beispielsweise schrieb Musikgeschichte, als die jetzt 21-Jährige im Januar 2020 alle Hauptkategorien bei den Grammy Awards gewann. Ihr wurden also vier Preise verliehen. Aber wieso eigentlich „verliehen“? Darf sie ihre Grammys etwa nicht behalten?

Bereits die alten Griechen hielten jährliche Wettbewerbe für Tragödien und Kabarett ab - meist finanziert von den reichsten der Reichen. Für das beste Stück, die beste Darstellung und natürlich die beste Darstellerin gab es schon im Zeitraum von ca. 800 vor Christus einen Preis. Das waren aber noch nicht so schmucke Goldjungen, wie beispielsweise der Oscar, sondern echte Palmwedel, die der Gewinner von den Jury-Mitgliedern bekam.

Zu Beginn der Olympischen Spiele gab es beispielsweise nur eine Preisverleihung - die für den schnellsten Wettläufer. Dabei gab es aber keinen labbrigen Palmwedel zu gewinnen. Auf den Erstplatzierten wartete Ruhm und Ehre. Denn für ihn wurden Gedichte geschrieben und Statuen errichtet. Obwohl kein Geld übergeben oder teure Preise verliehen wurden, war es für manch einen Athleten nicht unüblich die Jury zu bestechen. Denn was für die einen der Palmwedel war, war für die Athleten der frühen Olympischen Spiele der Aufstieg in den Sport-Olymp.

Durften die alten Griechen also Palmwedel und Lobeshymnen für immer bei sich tragen, stellt sich die Frage, woher die Annahme kommt, dass Preise „nur“ verliehen werden. Im etymologischen Wörterbuch finden sich nämlich noch mehr Bedeutungen, als „borgen“ oder „geben“. Verleihen kann auch heißen, Eigentum oder übertragenen Besitz zu haben. Das Germanische, zu dem auch das Deutsche gehört, hat den ursprünglichen Bedeutungsumfang tatsächlich auf „überlassen“ eingeschränkt. Also nichts da mit abgeben: Billie Eilish, Christoph Waltz und Christian Drosten dürfen ihre Preise weiter im Regal aufbewahren.

Ähnliche Artikel