Kolumne: Intern Bei der Nachrichtennutzung ticken die Älteren anders
Junge Leute nutzen vorwiegend digitale Medien, um sich zu informieren, und viele wollen gar nichts von Nachrichten wissen. Bei den Älteren ist diese „Müdigkeit“ viel weniger zu verspüren.
Nachdem wir vorige Woche einen Blick darauf geworfen haben, wie sich die Informationsinteressen junger Leute in der Digitalisierung verändern, ist es ebenso spannend, zu schauen, wie die ältere Generation heutzutage Medien nutzt. Eine Studie dazu hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest für die Generation 60+ veröffentlicht.
Zur Person
Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.
Alle über 3000 befragten Menschen haben Fernseh- und Radiogerät, 83 Prozent einen Internetanschluss und 72 Prozent ein Smartphone. 58 Prozent bezahlen für ein Zeitungsabo, mehr als 90 Prozent von ihnen in der gedruckten Variante. Der digitale Wandel macht sich aber auch hier bemerkbar: Bei den unter 70-Jährigen haben 45 Prozent ein Zeitungsabo, bei den Älteren 63 Prozent. Ähnlich klaffen die Zahlen auch bei der Internetnutzung auseinander, zwei Drittel der über 85-Jährigen nutzen das Netz gar nicht.
Die Nutzungsgewohnheiten sind sehr divers: Das Fernsehen ist Medium Nr. 1 für alles, was aktuell in der Welt passiert (61 Prozent), während die Tageszeitung das Maß der Dinge für das aktuelle regionale Geschehen ist (52 Prozent). Dass das Internet bei diesen Bedürfnissen jeweils nur auf einstellige Werte kommt, liegt auch daran - wie 88 Prozent der Befragten gesagt haben -, dass sie sich in den klassischen Medien ausreichend informiert fühlen.
Online gehen die Senioren vor allem, um Suchmaschinen zu nutzen (81 Prozent), drei von vier vernetzen sich über WhatsApp und ähnliche Dienste und 70 Prozent nutzen E-Mail.
Was heißt das für uns Zeitungsmacher? Bei allem Fokus auf die digitale Transformation dürfen wir die Printleser nicht vergessen. Gerade die Berichterstattung aus Ostfriesland und aus ihrem Umfeld ist wichtig. Darum liegt auch unser redaktioneller Fokus zu 100 Prozent auf der lokalen und regionalen Berichterstattung. Wir versuchen, die aktuell relevanten Themen ausfindig zu machen und so umzusetzen, dass die Leser daraus Erkenntnisgewinn und Nutzen erzielen. Digital und print sind da kein Gegensatz.
Kontakt: j.braun@zgo.de