Grünheide  Viele Probleme, wenig Autos: Tesla vor Produktionsstopp in Grünheide

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 04.07.2022 17:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die erste europäische Tesla-Fabrik in Grünheide ist auf 500.000 Fahrzeuge jährlich ausgelegt - davon ist der Standort weit entfernt. Foto: dpa
Die erste europäische Tesla-Fabrik in Grünheide ist auf 500.000 Fahrzeuge jährlich ausgelegt - davon ist der Standort weit entfernt. Foto: dpa
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Das Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin steht wegen anhaltend geringen Fertigungszahlen vor einem Produktionsstopp. Laut Medienberichten plant das Unternehmen zahlreiche Veränderungen.

Laut dem Magazin „Teslamag“ und der „Bild“-Zeitung will Tesla die Produktion im Werk in Grünheide bei Berlin ab kommendem Montag für zwei Wochen stoppen. Die Zeit wolle das Unternehmen nutzen, um die Produktionsabläufe umzustellen und zu verbessern, heißt es. Ein Großteil der 4500 Angestellten soll dafür in Betriebsferien geschickt werden.

Tesla-Chef Elon Musk hatte zwar in der Vergangenheit betont, dass das deutsche Werk Zeit brauchen werde, bis es die volle Produktionskapazität erreicht. Doch im Vergleich zur Anfangszeit des Werks in China hinkt die deutsche Fabrik hinterher. Auslöser des Rückstands sollen Qualitäts- und Personalprobleme sein. Mitte Juni sagte Musk dem Fanclub „Tesla Owners of Silicon Valley“: „Die beiden Fabriken in Berlin und Austin sind im Moment gigantische Geldverbrennungsöfen.“

Zuletzt entstanden im Tesla-Werk in Brandenburg innerhalb einer Woche rund 1000 Fahrzeuge vom Typ Model Y. Das würde hochgerechnet rund 50.000 Neuwagen pro Jahr bedeuten. In Zukunft sollen dort jährlich 500.000 Elektroautos gebaut werden.

Hauptziel des nun geplanten Umbaus sei es, die Produktion zu beschleunigen. Bisher plant Tesla mit einer Dauer von 90 Sekunden pro Station, doch in Grünheide sind es oft 180 Sekunden. Nach dem Produktionsstopp und dem anschließenden Neustart soll bereits nach 45 Sekunden die nächste Station erreicht werden. Die Endkontrolle sollen die einzelnen Bereiche übernehmen, sodass die Nacharbeiten am Ende des Produktionslaufes wegfallen.

Für dieses Ziel wird außerdem mehr Personal benötigt. Von mindestens 9000 Stellen sind derzeit 4500 besetzt. Laut Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) stellt Tesla zwischen 400 und 500 neue Beschäftigte pro Monat für die sogenannte Gigafactory in Grünheide ein.

Birgit Dietze, Bezirkschefin der Gewerkschaft IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, hatte in einem Interview mit dem Magazin „Spiegel“ gesagt, dass Tesla den Fachkräfte-Mangel in der Region deutlich zu spüren bekomme. Die Gewerkschaft hat außerdem auf einen zunehmenden Unmut der Belegschaft in Grünheide wegen zu niedriger und ungleicher Löhne hingewiesen. 

Durch den Mangel an Batterien und Lieferkettenprobleme wegen der Lage in den chinesischen Häfen läuft die Produktion auch in den Tesla-Werken in Texas und Shaghai deutlich langsamer als geplant. Musk hatte auch vor einer möglichen Rezession in den USA öffentlich über einen Stellenabbau gesprochen. Der Standort in Grünheide soll davon nicht betroffen sein.

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