London So viel verdienen die Nationalspielerinnen weniger als die Männer
Die EM in England soll ein weiterer Schritt Richtung Geschlechtergleichheit sein. Im Gegensatz zu anderen Verbänden ist der DFB aber noch nicht so weit. Die Frauen erhalten deutlich weniger Geld als die Männer.
Der 22. Februar 2022 war ein historischer Tag in der Geschichte des Fußballs. Nach jahrelangem Rechtsstreit erhalten seitdem die US-Fußballerinnen künftig vom US-Verband die gleiche Bezahlung wie die Männer. Alle Einnahmen und Preisgelder - egal ob aus Männer- oder Frauen-Turnieren - sollen in einen Topf fießen und gleichmäßig an alle verteilt werden.
Starspielerin und mittlerweile Fußballlegende Megan Rapinoe erklärte dazu voller Stolz: „Das ist ein großer Gewinn für alle Frauen. Ich denke, wir werden einmal auf diesen Tag zurückblicken und sagen, dass dies der Moment ist, in dem sich der US-Fußball zum Besseren verändert hat.“ Mittlerweile haben sich einige Fußballverbände weltweit angeschlossen, doch ausgerechnet beim größten Fußballverband der Welt, dem DFB, gibt es zum „Equal Pay“ noch große Defizite.
Vor dem Beginn der EM in England ist daher mächtig Bewegung in der Fußballszene. Immer mehr Verbände wollen die Frauen genauso bezahlen wie die Männer. In Spanien zum Beispiel erhalten die Fußballerinnen künftig auch einen gleichen Anteil an den von der UEFA und der FIFA verteilten Bonuszahlungen und an Fernsehprämien - was deutlich geringere Summen sind als bei ihren Kollegen.
Die EM-Teilnehmer Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island sind in Sachen Gleichberechtigung auf und neben dem Rasen bereits ein gutes Stück weiter als der Rest Europas. Beim Olympia-Zweiten Schweden zum Beispiel wird in den Medien und der Öffentlichkeit schon seit längerem sprachlich nicht mehr zwischen „Fußball“ und „Frauenfußball“ unterschieden. Stars wie die Dänin Pernille Harder und die Schwedinnen Caroline Seger, Kosovare Asllani und Fridolina Rolfö genießen hohes Ansehen.
Auch England, Schweiz, Niederlande und Spanien haben vor der EM angekündigt, dass sie die Antritts- und Siegprämien anpassen. Unterschiede gibt es allerdings weiterhin bei den Turnier-Prämien. Grund: Bei Männer-Weltmeisterschaften sind die Umsätze deutlich höher, deshalb bekommen die Männer auch mehr Geld.
Beim DFB gibt es auch (kleine) Fortschritte. Verbandsdirektor Oliver Bierhoff will alles dafür zu tun, damit die Nationalspielerinnen die gleichen Bedingungen haben wie die Männer. Das gilt allerdings nicht für Prämien: Das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg würde bei einem EM-Triumph pro Kopf jeweils 60.000 Euro erhalten, zuvor hatten die Spielerinnen 37.500 Euro bekommen. Für die Männer hätte es im vergangenen Jahr bei einem Titelgewinn 400.000 gegeben.
Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat die hohen Prämienzahlungen im Männerfußball kritisiert. In einem Interview des Redaktionsnetzwerks Deutschland sagte die 54-Jährige, „dass das, was im Männerfußball passiert, einfach überdimensioniert ist. Das sind Bereiche, die der normale Fan nicht mehr nachvollziehen kann.“ Gleichzeitig machte die Nationaltrainerin einen Vorschlag: „Beim Männerfußball weniger und bei uns vielleicht ein bisschen mehr.“
Auf lange Sicht sieht Voss-Tecklenburg auch den europäischen Verband und den Weltverband in der Pflicht: „Der Auftrag an die FIFA und die UEFA ist, dass es irgendwann ein Prämiensystem gibt, wo es für alle gleich ist – das würden wir uns wünschen.“
(mit dpa-Material)