Scheeßel  Larissa Rieß: „Traue mich nur in Football-Montur in die Menge“

Daniel Batel
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Von Daniel Batel
| 01.07.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Heidelbergerin Larissa Rieß hat mit 34 schon eine bunte Karriere hingelegt. Als DJane ist sie gerade als „Lari Luke“ auf Tour. Foto: dpa/Benjamin Diedering
Die Heidelbergerin Larissa Rieß hat mit 34 schon eine bunte Karriere hingelegt. Als DJane ist sie gerade als „Lari Luke“ auf Tour. Foto: dpa/Benjamin Diedering
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Larissa Rieß alias „Lari Luke“ tourt aktuell durch die Republik. Bekannt wurde sie als Moderatorin und Comedian bei „1Live“. Im Interview spricht Rieß über ihre Gigs, Gags und die Angst vor Menschenmassen.

Sie ist jung und blickt trotzdem schon auf eine bunte Karriere zurück: Moderatorin, Ensemble-Mitglied bei Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ und DJane. Rieß ließ sich bei allem von ihren Interessen leiten, wie Sie im Gespräch mit NOZ-Reporter Daniel Batel erzählt.

Frage: Frau Rieß, ich muss Sie direkt mal nach diesem DJ-Klischee fragen… 

Antwort: Welches von den vielen?

Frage: Wie viele Handgriffe sind echt und wie viele Bewegungen sind pure Show?

Antwort: Das ist so schwierig zu sagen. Ich glaube, dass manche das eher automatisch machen. Fast so, wie wenn Du sichergehen willst, ob du dein Auto abgeschlossen hast und du nochmal auf den Knopf drückst. Ich könnte es bei mir selber gar nicht so genau sagen. Manchmal, wenn ich Videos von mir sehe, frage ich mich im Nachhinein: Was mache ich da eigentlich? (lacht)

Frage: Sie spielen erstmals auf dem Hurricane-Festival, wo Stars wie Martin Garrix auftreten. Zählt er zu Ihren Idolen oder wer inspiriert Sie?

Antwort: Es gibt total viele Vorbilder, allerdings eher andere. Valentino Khan und die australische DJane Alison Wonderland zum Beispiel. Oder bei DJ Snake finde ich es spannend, obwohl seine Songs ja eher einen Radio-tauglichen Sound haben, er live fast zu 90 Prozent Dubstep spielt und das trotzdem mit seinen Liedern harmoniert. So unterschiedliche Styles miteinander zu vermischen, versuche ich auch.

Frage: Sind Ihre Sets komplett vorbereitet, wenn Sie auf die Bühne gehen, oder improvisieren Sie am Mischpult auch?

Antwort: Also ich bin immer mit allem zu einer Milliarde Prozent vorbereitet. Egal was ich im Leben mache, das ist nicht nur auf der Bühne so. Aber natürlich muss man sich auch Spielraum offenhalten. Es kommt ja darauf an, wo du spielst. Im Norden kann man meiner Meinung nach nicht dasselbe spielen wie in Süddeutschland. Darüber hinaus kommt es sogar auf den einzelnen Tag und die Stimmung der Leute an. Du kannst zwar sehr viel vorbereiten – aber am Ende bleibt es ein Gefühlsding.

Frage: Überraschen Sie die Menschen gerne, während sie zu Ihrer Musik tanzen?

Antwort: Ja, darauf liegt mein Hauptaugenmerk. Wenn ein DJ es schafft, dass ein Song außergewöhnlich wirkt oder einen Aha-Effekt erzeugt, weil man vorher und nachher einen anderen Vibe gespielt hat, dann ist das der größte Kick. Dafür braucht es das richtige Timing.

Frage: Das klingt ja sehr durchgeplant und strukturiert.

Antwort: Das stimmt, ich bin sehr systematisch.

Frage: Der DJ Steve Aoki wirft Kuchen in die Gesichter seiner Zuhörer. Machen Sie ähnlich verrückte Dinge oder wie interagieren Sie mit den Leuten?

Antwort: Das Absurde ist: Ich fühle mich eigentlich unwohl in Menschenmassen. Andererseits mag ich mein Publikum aber natürlich total. Ich wollte zum Beispiel immer mal in einen Moshpit rein. Dann habe ich mich gefragt, wie ich das mache, weil ich gleichzeitig Angst davor habe, zerquetscht zu werden. Und dann habe ich mir von jemandem aus meinem Team, der Footballspieler war, seine komplette Ausrüstung samt Helm geben lassen und bin in die Menge gegangen. So ging es dann ganz gut.

Frage: Hand aufs Herz: Wer kommt bei Ihren Gigs mehr ins Schwitzen, Sie oder Ihr Publikum?

Antwort: (lacht) ich hoffe beide gleichzeitig. Ich auf jeden Fall schon sehr. Das ist körperlich sehr anstrengend. Das ist wie ein Bauch-Beine-Po Programm. Deshalb habe ich mich dieses Jahr viel besser vorbereitet. Die Jahre davor habe ich nie Sport gemacht, da konnte ich nach den Gigs kaum atmen. Jetzt habe ich im Vorfeld ordentlich trainiert und habe gemerkt, wie positiv sich das auf meine Fitness auswirkt.

Frage: Kommen Sie an einem Wochenende voller Auftritte richtig zum Schlafen?

Antwort: Ich brauche zum Glück nicht so viel Schlaf. Morgens bin ich automatisch auch immer um 7 Uhr wach. Schlafen kann ich außerdem überall, sogar in der Bahn. Lärm macht mir dabei wenig aus. Die Tage im Sommer, wenn ich auf Festivals spiele, versuche ich mir dafür aber immer freizuhalten. So schaffe ich es, dazwischen wieder aufzutanken, damit es es am Wochenende voller Energie weitergehen kann.

Frage: Wie ist es, der Schluss-Act auf einem Festival zu sein, wenn alle Besucher schon etwas müde sind?

Antwort: Es ist kein ganz einfacher Slot. Ich weiß auch nicht, ob ich nach drei Tagen Festival noch die Kraft hätte, so richtig abzugehen. Aber auf dem Hurricane regnet es ja auch gerne mal und wir spielen unter einem Zeltdach (lacht). Deshalb hoffe ich, dass die Leute wie die Fliegen zum Licht zu mir kommen und mit mir tanzen. Eigentlich mag ich es gerne als Letztes aufzutreten. So beendet man gemeinsam ein schönes Wochenende miteinander.

Frage: Sie sind kürzlich in Bielefeld auf dem Campus Festival aufgetreten. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre eigene Studienzeit?

Antwort: Ich bin froh, dass ich nicht mehr studiere. Ich habe ja fertigstudiert, kann ich ganz stolz sagen, aber ich war damals so dumm und habe gedacht: Ach Uni, das ist ja easy, ich kann nebenbei noch meine Ausbildung beim Radio machen. Am Ende habe ich tagsüber immer gearbeitet und nachts Uni-Sachen gemacht. Aber heute, mit 34 Jahren, habe ich das Gefühl: Dafür habe ich jetzt mehr Zeit, um zwischen den Festivals mal Pause machen zu können.

Frage: Sie sind darüber hinaus als Comedian bekannt. Lässt sich das DJane-Dasein damit verbinden? Machen Sie auf der Bühne auch ein paar Gags?

Antwort: Das verbindet sich dadurch, dass ich einfach zufällig immer da lande, wo ich Spaß habe. Beim Radio habe ich damals angefangen, weil es viel mit Musik zu tun hat und ich die Leute gerne unterhalte und dabei versuche, lustig zu sein. Übers Radio kam dann der Weg zur Comedy-Autorin beim Fernsehen zustande, weil damals Jan Böhmermann meine Sendung gehört hat. Meine Logik hinter allem ist: Ich gehe von meinen Interessen aus und alles andere ergibt sich von alleine.

Frage: Warum nennen Sie sich Lari Luke? Sind Sie an den Turntables schneller als Ihr Schatten?

Antwort: (lacht) Das kam, während ich damals in meiner 25 Quadratmeter 1-Zimmer-Wohnung gelebt habe. Da bin ich einmal im Fahrstuhl hochgefahren und habe mir gedacht: Ich will auf der Bühne nicht mehr nur Larissa Rieß heißen, ich brauche einen Künstlernamen. Beim Nachdenken bin ich vom Klang her irgendwie auf Lucky Luke gekommen, weil mir das gefiel. Die Entstehung war also reiner Zufall.

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