Personal in Verwaltung  Fliegen kommt für Aurichs Klimamanager nicht infrage

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 01.07.2022 12:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Patrick Menzel setzt in seiner neuen Aufgabe als Klimaschutzmanager auf Aufklärung. Foto: Ortgies
Patrick Menzel setzt in seiner neuen Aufgabe als Klimaschutzmanager auf Aufklärung. Foto: Ortgies
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Patrick Menzel ist seit dem 15. Juni in der Verwaltung beschäftigt. Er tritt die Nachfolge von Dr. Katharina Heidtmann als Klimaschutzmanager an. Seine Arbeitsschwerpunkte stehen fest.

Aurich - Gut, wenn man einen Plan hat. Der ist bei Patrick Menzel vorhanden, liegt als DIN-A2-Skizze vor dem 28-Jährigen auf dem Tisch. Sie zeigt, farblich unterschiedlich markiert, die Moorflächen im Stadtgebiet von Aurich, unterteilt in Nieder- und Hochmoorböden. Diese Darstellung wird künftig eine Arbeitsgrundlage für Patrick Menzel sein. Er ist seit dem 15. Juni als Klimaschutzmanager bei der Verwaltung beschäftigt. Hinter ihm liegt unter anderem ein Geografiestudium. Die Frage der Moorvernässung sei eines seiner Schwerpunktthemen, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Die von einem Kollegen erstellte Karte zeige, dass Aurich gemeinsam mit dem Landkreis und dem Naturschutzbund (Nabu) schon aktiv geworden sei. Beispielhaft deutet er auf zwei olivgrün unterlegte Flächen in Tannenhausen: „Die sind bereits in der Umsetzung.“

In Aurich gibt es regelmäßig geführte Wanderungen durch das Moor. Foto: Archiv
In Aurich gibt es regelmäßig geführte Wanderungen durch das Moor. Foto: Archiv

Die Moorvernässung ist einer von 33 Punkten, die im Klimaschutzkonzept umgesetzt werden sollen. Wachsende Hochmoore geben kaum klimaschädliches Kohlendioxid ab, sondern lagern Kohlenstoff ein. So können klimaschädliche Treibhausgase in großen Mengen eingespart werden. Eine effiziente Sache also – auch in den Augen von Patrick Menzel, der nach eigenem Bekunden für den Klimaschutz brennt. Das sei immer schon so gewesen, habe sich aber durch die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Jahr noch verstärkt. Er habe unmittelbar mitbekommen, welche Folgen der Starkregen gehabt habe. In Rheinbach bei Bonn, seinem Heimatort, sei das Wasser in etliche Häuser gelaufen und habe sie geflutet. Schlagartig habe jeder gesehen, was Starkregen in Zeiten des Klimawandels bedeutet. Städte, Dörfer, ganze Regionen können überflutet werden. Sein Elternhaus sei nicht beschädigt worden, sagt Patrick Menzel: „Nur im Keller stand etwas Wasser, aber das war noch gut steuerbar.“

Auto steht meistens in der Garage

Katastrophen wie im Ahrtal führten unmissverständlich vor Augen, dass Konsequenzen gezogen werden müssten. Davon ist der neue Klimaschutzmanager überzeugt. Um möglichst viele Menschen dafür zu sensibilisieren, will er künftig Infoveranstaltungen anbieten und in Schulen gehen. Aufklärung sei ein zentraler Baustein im Kampf gegen den Klimawandel. Was trägt er selbst durch sein Verhalten dazu bei, den Planeten zu schonen? Er fahre sehr viel Fahrrad, fast ausschließlich, wenn es machbar sei: „Das Auto nutze ich kaum.“ Sein Fahrzeug sei ein Benziner. Perspektivisch würde er sich gerne ein E-Auto zulegen. Hat er mal seinen ökologischen Fußabdruck berechnet? Das heißt, hat er mit Hilfe von im Internet verfügbaren Programmen errechnet, wie sehr er mit seinen Aktivitäten die Umwelt belastet? Hat er einen persönlichen Klimatest gemacht? Davon hält Patrick Menzel offenbar nicht besonders viel. Das habe er vor langer Zeit mal gemacht. An das Ergebnis könne er sich nicht mehr erinnern. Habe aber noch dumpf im Gedächtnis, dass es nicht so schlecht gewesen sein könne: „Ich nutze nämlich kein Flugzeug.“ Er schließe das auch in Zukunft für sich persönlich aus.

Die Vorvorgängerin von Patrick Menzel war ganz anderer Auffassung, was den ökologischen Fußabdruck anbelangt: Evelyn Brudler hat ihn regelmäßig überprüft, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung berichtete. Die Oldenburgerin war von Dezember 2020 bis zum Sommer 2021 für den Klimaschutz in Aurich zuständig. Nur acht Monate lang, sie kündigte. Das war auch bei Dr. Katharina Heidtmann der Fall. Sie blieb ein halbes Jahr, vom November 2021 bis April 2022. Aurich hat offenbar kein Glück mit Klimaschutzmanagern. Bereits im Juni 2019 hatte der Rat beschlossen, diese Stelle zu schaffen, deren Kosten zu zwei Dritteln vom Bundesumweltministerium getragen werden. Eine Kandidatin, die schon zugesagt hatte, sprang aus persönlichen Gründen kurzfristig ab. Auch der Ersatzkandidat machte in letzter Minute einen Rückzieher.

Aufwertung der Stelle verlangt

Wolfgang Haupt vom Leibnitz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung im brandenburgischen Erkner forscht zu der Frage, wie sich Städte besser vor den Folgen des Klimawandels schützen können. In einem Interview in der jüngsten Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ fordert er, das Thema aus der „Umweltnische“ herauszuholen. Jede Abteilung einer Verwaltung müsse mitdenken, was eine bestimmte Aktion für das Stadtklima bedeute. Damit das passiere, sei es wichtig, dass der Klimaschutzmanager ein „gutes Standing“ hat. Er müsse möglichst unbefristet eingestellt und gut eingebunden werden.

Aurich hat, was das anbelangt, noch Nachholbedarf, ist aber auf dem Weg. So erhält das Thema Klimaschutz strukturell eine bessere Grundlage. Es ist ein eigener Fachdienst Klima/Umwelt/Verkehr etabliert worden. „Das ist parallel zur neuen Struktur der Fachausschüsse passiert“, sagte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß. Die haben sich auf Wunsch der Politik neu ausgerichtet.

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Es gibt einen eigenen Ausschuss für Klima, Umwelt und Verkehr. Für die Leitung des Fachdienstes wird am 1. Juli eine neue Mitarbeiterin eingestellt. Marisa Tammen war mehrere Jahre lang für den Landkreis Friesland für Regionalplanung und Klimaschutz zuständig.