Hamburg So will der Hamburger Flughafen das Ferien-Chaos verhindern
Personalmangel, Ferienbeginn und jetzt auch noch ein Warnstreik. Der Hamburger Airport ergreift Notfallmaßnahmen, um längere Wartezeiten für Fluggäste zu verhindern.
Noch immer türmen sich herrenlose Koffer in den Lagerräumen, noch immer zieht sich die Warteschlange vor dem Sicherheitscheck durch den gesamten Terminal 2. Doch rechtzeitig zum Ferienbeginn soll manches anders werden. Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport, Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), und der leitende Polizeidirektor Michael Schuol, Vizepräsident Bundespolizeidirektion Hannover, zuständig auch für den Hamburger Flughafen, stellten am Donnerstag neue Maßnahmen vor, um das Reisen per Flugzeug wieder etwas stressfreier zu machen.
Michael Eggenschwiler: „Nach der Aufhebung der Reisebeschränkungen ist die Nachfrage nach Flügen sprunghaft gestiegen. Von Februar bis Mai haben sich die Passagierzahlen verdreifacht. Dadurch waren die Planungen äußerst schwierig, an vielen Stellen fehlt Personal.“ Nicht schönreden will der Flughafenchef die Situation: „Die Lage bleibt angespannt, es wird auch weiterhin zu Wartezeiten kommen.“
„Der externe Dienstleister FraSec Luftsicherheit GmbH wird ab Freitag 30 zusätzliche Luftsicherheitsassistenten bei der Sicherheitskontrolle einsetzen. Neu sind auch 15 bis 20 Polizeibeamte, die als Krisenreaktionskräfte im Notfall agieren, um die Warteschlangen zu steuern und die Passagiere vorzubereiten.“ In Spitzenzeiten sollen Mitarbeiter in der Flughafenverwaltung bei der Abfertigung mit aushelfen. Eine weitere Entlastung für den Sommer schaffen ab Freitag neue Öffnungszeiten der Terminals ab 3.15 Uhr. Die Bundespolizei besetzt die Sicherheitskontrolle ab 3.30 Uhr. Entsprechend öffnen auch viele Fluggesellschaften ihre Check-in-Schalter früher.
„Wir begrüßen, dass die Bundesregierung für den Sommerreiseverkehr den Weg frei macht für zusätzliches Personal aus der Türkei, um bei der Flugzeugabfertigung mitzuhelfen“, sagt von Randow. Angesprochen auf die finanzielle Unterstützung, die in Milliardenhöhe an die Fluggesellschaften ging, meint der Luftverkehrsexperte: „Aufgrund des massiv eingebrochenen Verkehrs und drohender Insolvenz haben die Fluggesellschaften 2020 staatliche Kredite zu sehr hohen Zinsen erhalten. Um sie zurückzahlen zu können, müssen die Airlines stark auf ihre Kosten achten.“
Rund 50.000 Passagiere erwartet der Flughafen Hamburg im Sommer an Spitzentagen, mit je bis zu 170 Abflügen und 170 Ankünften. Allein in den beiden ersten Ferienwochen sind es jeweils rund 300.000 Fluggäste. Das sind nur noch 30 Prozent weniger als 2019 vor Corona. Mit 67 Abflügen pro Woche starten die meisten Flieger nach Mallorca, gefolgt von Antalya und Kreta.
Was den angekündigten 24-Stunden-Warnstreik der Beschäftigten der Real Estate Maintenance GmbH (RMH) betrifft, zeigt sich Eggenschwiler gelassen: „Die RMH ist für Inspektion, Wartung und Infrastruktur zuständig. Der Streik wird also keine Auswirkungen auf den Flugverkehr haben.“ Außerdem appelliert der Airport-Chef an die Fluggäste, auf ihren Umgang mit den Mitarbeitern zu achten. „Viele fühlen sich als Prellbock, wenn etwas nicht rund läuft.“