Verrückte Umwelt-Aktion Oldenburger schwimmt 68 Kilometer im Meer – auch nach Borkum
Mehrere Stunden täglich krault Frank Feldhus derzeit täglich in der Nordsee. Seine Route und seine Mission sind klar – seine tierischen Wegbegleiter neugierig.
Norddeich - In einem Neoprenanzug und mit Taucherbrille sowie sogenannten Handpaddel schwimmt der Oldenburger Frank Feldhus derzeit täglich für mehrere Stunden in der Nordsee. Dabei verfolgt der 62-Jährige einer eine klare Route und eine ebenso deutliche Mission. 68 Kilometer will der Physiotherapeut in sieben Tagen kraulend zwischen dem ostfriesischen Festland und den Inseln zurücklegen. „Ich möchte damit auf den vielen Plastikmüll in den Meeren aufmerksam machen“, erklärt der Oldenburger den Hintergrund der verrückten Aktion.
Begleitet wird Feldhus dabei aus Sicherheitsgründen von einem Kajakfahrer sowie einem Motorboot der DLRG. „Ohne das geht es nicht. Sonst besteht Lebensgefahr bei den vielen Strömungen“, sagt der Langstreckenschwimmer. Seine Schwimmroute ließ er von den Experten der DLRG in Absprache mit dem auf der Nordsee erfahrenen Kajakfahrer Matthias Lux ausarbeiten. Dabei macht sich Frank Feldhus die Strömungen und Gezeiten in der Nordsee zunutze. „So komme ich manchmal sogar auf zehn Stundenkilometer“, sagt Feldhus, der immer „mit auflaufendem Wasser schwimmt“. Also mit dem Einsetzen der Flut. „Gegen das Wasser geht auch gar nicht.“ Die Gezeiten spielen bei der Tour von Frank Feldhus entsprechend eine große Rolle.
18 Kilometer auf einem „Ententeich“
Deshalb musste er seine eigentliche Grundidee, an sieben Tagen zu sieben Inseln zu schwimmen, auch verwerfen. „Das war logistisch nicht möglich. Manchmal wäre ich nach meiner Ankunft auf der Insel nicht wieder rechtzeitig zum nächsten Start zurück auf dem Festland angekommen.“ Der finale Plan sah nun Montag die erste und mit 18 Kilometern mit Abstand längste Etappe vor. Es ging von Leybucht nach Borkum. Dabei begann die ungewöhnliche Aktion unter ungewöhnlichen Umständen. „Die Nordsee glich einem Ententeich. Es gab keine Wellen. Das hatten auch die von der DLRG-Vertreter noch nicht erlebt, wie sie mir sagten.“ Fürs Schwimmen ist eine ruhige See natürlich von Vorteil. So kam Feldhus nicht nach erwarteten sieben Stunden, sondern 4:10 Stunden am Borkumer Strand an. Bei den anderen sechs Etappen startet Frank Feldhus jeweils von einer Insel gen Festland.
Beim Schwimmen hat er ab und zu auch tierische Weggefährten, wie er erzählt. „Die Seehunde sind sehr neugierig. Wenn ich alle halbe Stunde kurz etwas trinke und einen Snack zu mir nehme, kommen sie bis fünf Meter an mich heran.“
Zeitgleich im Wellbrock im Wasser
Am Mittwoch meisterte der Oldenburger auch seine dritte Etappe deutlich schneller als vorausgesagt. Für die 9,2 Kilometer von Norderney bis nach Norddeich brauchte Feldhus lediglich 2:17 Stunden. Zeitgleich im Wasser war er dabei mit einem, den er sehr bewundert – wenn auch mehr als 1000 Kilometer Luftlinie voneinander getrennt. Der deutsche Ausnahmeathlet Fabian Wellbrock war bei der Freiwasser-WM in Budapest etwa 20 Minuten später als Feldhus auf Norderney gestartet. „Fabian gleitet praktisch durchs Wasser. Ich schaue ihn unglaublich gerne beim Schwimmen zu. Er ist wie ein Jet – ich bin dagegen eher der Dampfer“, schmunzelt Feldhus.
Während sich Wellbrock trotz verpasster Titelverteidigung über die zehn Kilometer über WM-Bronze freute, war auch Amateur-Langstreckenschwimmer Feldhus mit seiner Leistung am Mittwoch über die ähnliche Distanz zufrieden. „Es hat so gut wie alles gepasst, auch wenn ich meinen Körper nun nach drei Etappen schon spüre. Die Schulter zwickte heute etwas“, sagt Feldhus. Wegen kleinerer Wehwehchen kann sich der Physiotherapeut, der in Oldenburg eine eigene, kleine Praxis betreibt, während seiner Sieben-Tages-Tour praktischerweise selbst behandeln.
Sonntag Empfang in Harlesiel
Muskelkater verspürt Frank Feldhus kaum. Er hatte sich gut auf sein Vorhaben vorbereitet. Einen ersten echten Testlauf unternahm Feldhus über die Ostertage im Oldenburger Schwimmbad Olantis. „Ich bin am Stück 20 Kilometer geschwommen. Das entspricht im Becken 800 Bahnen“, erzählt Feldhus. „Die Bademeister hatten mich für verrückt erklärt und gedacht, ich käme gar nicht mehr aus dem Wasser.“ Auch an den Folgetagen schwamm Feldhus Kilometer um Kilometer im Olantis. „Es hat sich gut angefühlt.“
Also setzte Frank Feldhus seine verrückte Idee tatsächlich in die Tat um. „Die Reaktionen und das öffentliche Interesse an meiner Aktion sind überwältigend – erschlagen mich fast schon“, sagt Feldhus. Am Sonntag wird der Oldenburger nach dann etwa 68 Schwimmkilometern in sieben Tagen zwischen 15 und 16 Uhr in Harlesiel erwartet. Herzlich in Empfang genommen wird er aller Voraussicht nach von einigen Interessierten, Bekannten, Verwandten und auch ein paar seiner Patienten.