Sabbatical  Viele ostfriesische Unternehmen ermöglichen Mitarbeitern Auszeit

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 30.06.2022 19:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Den Hausbau richtig betreuen: Einige Menschen nehmen sich eine Auszeit von der Arbeit, um große Projekte voll anpacken zu können. Symbolfotos: Pixabay
Den Hausbau richtig betreuen: Einige Menschen nehmen sich eine Auszeit von der Arbeit, um große Projekte voll anpacken zu können. Symbolfotos: Pixabay
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Aus den unterschiedlichsten Gründen brauchen Leute eine Pause von ihrem Job. Wenn sie nicht gleich kündigen wollen, bietet sich eine Auszeit an. Die Nachfrage bei der Firma könnte sich lohnen.

Ostfriesland - Eine Weltreise, ein Haus bauen, einfach mal so richtig durchatmen: Das ist für viele mit Vollzeitarbeit eine große Herausforderung. Eine Auszeit könnte eine Lösung sein. Die nennt man auch Sabbatical oder Sabbatjahr. Zahlreiche Arbeitgeber auch in Ostfriesland ermöglichen es ihren Beschäftigten, für einen bestimmten vereinbarten Zeitraum unentgeltlich oder sogar bezahlt freigestellt zu werden. Das sagt Johann Doden, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (AGV) Ostfriesland, auf Nachfrage dieser Zeitung. Und angesichts des Fachkräftemangels könnten es noch mehr werden.

Was und warum

Darum geht es: eine Auszeit vom Job

Vor allem interessant für: Arbeitnehmerinnen und -nehmer, die gerne viel reisen, ein Haus bauen oder andere große Projekte anpacken wollen, bei denen der Beruf im Weg steht

Deshalb berichten wir: Einige Leute im Bekanntenkreis haben plötzlich von Sabbatical gesprochen. Wir haben uns gefragt, ob das jetzt gerade ein Trend ist und habe bei Firmen nachgehakt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

„Es ist ein gutes Instrument zur Personalbindung“, sagt Doden. Es gehe schließlich darum, einen Mitarbeiter nicht direkt zu verlieren wegen Kündigung. Wenn ein Arbeitnehmer sagt, er braucht eine Auszeit, wolle aber wieder kommen, könnte eine spezielle Vereinbarung das Arbeitsverhältnis verlängern. Und: Eine Aussicht auf eine Auszeits-Vereinbarung könnte auch Personal anlocken beziehungsweise einen Arbeitgeber attraktiver machen. Seiner Erfahrung kämen Nachfragen nach einer Auszeit „immer wieder vor“. Bislang gebe es aber keine „Flut an Anträgen“.

Hat man ein Anrecht auf Auszeit?

Nein. Gesetzlich ist das nicht geregelt. Unternehmen müssen das Angebot also nicht vorhalten oder auf eine Nachfrage entsprechend eingehen. Aber: „Je größer die Firma, desto eher gibt es die Möglichkeit“, sagt Johann Doden. Bei kleineren Betrieben könnte es schwierig sein, eine für beispielsweise sechs Monate ausfallende Kraft einen adäquaten Ersatz nur für den Zeitraum zu finden.

Viele Leute wollen eine Auszeit vom Job fürs Reisen nutzen.
Viele Leute wollen eine Auszeit vom Job fürs Reisen nutzen.

Er rät allerdings dazu, „einfach den Kopf mit dem Chef zusammenzustecken“ und das Thema einer Auszeit anzusprechen. „Wenn sich ein Mitarbeiter das wünscht, dann setzt sich sicher jede Firma damit auseinander“, sagt er. Um einen „tollen Mitarbeiter“ zu halten, würden sicher Wege gefunden werden.

Bei Volkswagen ist Nachfrage groß

Wir haben bei Unternehmen in Ostfriesland nachgefragt, inwieweit eine Auszeit nachgefragt ist und wie das dann umgesetzt wird. Von der Reederei AG Ems heißt es durch Pressesprecherin Corina Habben: „Eine solche Anfrage ist bei uns in den letzten zehn Jahren nicht gestellt worden, insofern bei uns kein Thema.“ Bei dem Emder Unternehmen sind knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Anders fallen die Antworten bei deutlich größeren Arbeitgebern aus.

Bei Volkswagen etwa gibt es eine bezahlte berufliche Freistellung, schreibt die Emder Sprecherin Indra von Schwartzenberg auf Nachfrage. Mit der Betriebsvereinbarung „Meine AusZeit“ können Beschäftigte der Volkswagen AG drei bis sechs Monate frei nehmen und erhalten während dieser befristeten Auszeit 75 Prozent des individuellen Entgelts. Grundlage dessen sei ein individuelles Wertguthabenkonto. Das heißt: Nach der Auszeit bekommt der Mitarbeiter bei voller Arbeitszeit ebenfalls nur 75 Prozent seines Gehalts. Das Minus wird ausgeglichen. Das Angebot werde über alle Volkswagen Standorte und Beschäftigungsgruppen hinweg sehr gut angenommen, so die Sprecherin. So wird es beispielsweise häufig für die Familie genutzt, aber auch um lange geplante private Projekte umzusetzen oder für individuelle Weiterbildungen.

Auch das Auricher Energieunternehmen Enercon ermöglicht eine Auszeit. „Es steht jedem Mitarbeitenden frei, in Rücksprache mit der Führungskraft ein Sabbatjahr anzufragen. Enercon bemüht sich, die Anfrage wohlwollend aber mit Blick auf die betrieblichen Abläufe individuell zu prüfen“, schreibt Sprecher Felix Rehwald. Die Rückkehr auf die alte Position nach der Auszeit werde dabei garantiert. Allerdings: Die Nachfrage nach einer Auszeit ist gering - und durch die Corona-Pandemie sogar noch gesunken, so Rehwald. „Mitarbeitende nutzen Sabbatjahre primär zu Reisezwecken. Da dafür jedoch nicht zwingend ein volles Jahr benötigt wird, wird üblicherweise der normale Urlaub um wenige Wochen unbezahlten Urlaub verlängert“, erklärt er.

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