Kreis Aurich baut Notunterkünfte 74 Flüchtlinge ziehen auf das Kasernengelände
Pünktlich zum 1. Juli wird eine Notunterkunft für Flüchtlinge auf dem Kasernengelände in Aurich fertig. Anders als angekündigt ziehen dort jedoch keine ukrainischen Familien ein.
Aurich - Der Druck wächst. Woche für Woche werden dem Landkreis Aurich vom Land Niedersachsen 50 Flüchtlinge zugewiesen – nicht nur aus der Ukraine, auch aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern. Die Kreisverwaltung weiß nicht mehr, wo sie all die Menschen unterbringen soll. „Wir kriegen nicht so schnell Wohnungen, wie wir Flüchtlinge kriegen“, sagt Ordnungsamtsleiter Marcel Schäfer.
Etwas Entlastung bringt eine neue Sammelunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne in Aurich mit 74 Plätzen. Sie wird zum 1. Juli bezugsfertig. Am Freitag oder am Montag werden die ersten Menschen einziehen. Der Landkreis hat die ehemalige Offizierunterkunft herrichten lassen.
„Die Leute kommen aus einem Kriegsgebiet“
Der Sozialausschuss des Kreistags ist am Mittwoch zu einer Besichtigung eingeladen. Die Politiker machen sich ein Bild davon, wie die Menschen dort untergebracht sein werden: in schlichten Doppelzimmern mit dem Charme einer Jugendherberge aus den vorigen Jahrhundert. Etagenbett, Tisch, zwei Stühle, Schrank, Waschbecken, Toilette und Dusche auf dem Flur. In den Zimmern riecht es leicht muffig. Jörg Köhler von der Arbeitsloseninitiative Aurich ist beratendes Mitglied im Ausschuss. Man müsse die Situation der ankommenden Menschen bedenken, sagt er. „Die Leute kommen aus einem Kriegsgebiet. Sie werden froh sein, ein Dach über dem Kopf zu haben.“
In dem ehemaligen Offizierheim werden alleinreisende Männer unterkommen. Eigentlich war die Sammelunterkunft für ukrainische Familien vorgesehen, doch insbesondere für Männer seien derzeit keine Wohnungen zu bekommen, sagt Schäfer. Auch die Integrationsstützpunkte in Aurich und Norden, die für diese Klientel vorgesehen sind, seien voll. Auf dem Kasernengelände sollen die Männer möglichst kurz bleiben, bis eine Wohnung gefunden ist oder ein Platz in einem Integrationsstützpunkt frei wird. Wie schnell das geht, ist ungewiss. „Wir müssen uns wöchentlich, manchmal täglich neu aufstellen“, sagt Schäfer.
Pannen erschwerten die Arbeit
Rund die Hälfte der Flüchtlinge, die derzeit in den Landkreis Aurich kommen, sind Ukrainer. „Wir unterscheiden nicht zwischen Ukrainern und sonstigen“, sagt Schäfer. „Wir unterscheiden zwischen Alleinreisenden und Familien.“ Auf dem Kasernengelände lässt der Landkreis außer der Offizierunterkunft zwei H-Gebäude als Sammelunterkünfte herrichten. Das sei jedoch wesentlich aufwendiger und werde noch acht bis neun Monate dauern, so Schäfer. Dort entsteht Platz für rund 300 Menschen.
Das Offizierheim hatte bereits 2015/16 als Notunterkunft für Flüchtlinge gedient. Dennoch war noch eine Menge Arbeit zu erledigen. Zunächst musste das Gestrüpp zurückgeschnitten werden. Von dem Gebäude war vor lauter Wildwuchs fast nichts mehr zu sehen. Die Zimmer wurden renoviert, die Wasserleitungen gespült, die Heizung wieder in Betrieb genommen – was nicht einfach war, da es sich um eine Ringheizung handelt. Da die sanitären Einrichtungen nicht mehr den heutigen Standards genügen, hat die Verwaltung zusätzlich Dusch- und Toilettencontainer vor dem Gebäude aufgestellt. Dann kamen noch einige Störfälle dazwischen, zum Beispiel ein Rohrbruch und eine über Pfingsten gestohlene Stromleitung.
Container als Mittel der Wahl
Trotz allem ist die neue Unterkunft pünktlich fertig geworden. Die Flüchtlinge werden von den Johannitern betreut. Die Hilfsorganisation kümmert sich um Verpflegung, medizinische Versorgung, Alltagshilfe und sozialpsychiatrische Betreuung. Da es in dem Gebäude keine Küche gibt, wird zunächst in einem Zelt gegessen. Küchencontainer werden voraussichtlich im August geliefert. Container sind ohnehin für den Landkreis momentan das Mittel der Wahl, aufgrund des Wohnungsmangels. Man habe 100 Wohncontainer für jeweils vier Personen bestellt, sagt Schäfer. Wo sie aufgestellt werden, ist noch unklar. Es werden verschiedene Stellen im Kreisgebiet sein. „Die Betreuung muss sichergestellt sein“, betont der Ordnungsamtsleiter.
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Die Unterbringung auf dem Kasernengelände soll auf keinen Fall die Pläne der Stadt Aurich beeinträchtigen. Die entwirft dort einen neuen Stadtteil. Alles sei eng mit der Stadt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) abgestimmt, sagt der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert. Er lobt die Zusammenarbeit mit beiden. „Wir sind hier auf eine wirklich sehr kollegiale und offene Bereitschaft gestoßen, uns zu unterstützen.“