Osnabrück Sparen müssen Sie nur selbst – der Staat doch nicht!
Wirtschaftsminister Habeck gibt Spartipps, der Finanzminister Lindner stellt die Bürger auf Entbehrungen ein, aber warum spart nicht auch der Staat? Mit dieser Frage hat sich NOZ-Vize Burkhard Ewert beschäftigt.
Neulich hörte ich, wie der Wirtschaftsminister Spartipps gibt. Man solle kürzer duschen und so. Korrekt, dachte ich. Durch ein geändertes Verhalten lässt sich der Geldbeutel schonen, der Russe schwächen und die Energiewende vorantreiben.
Manch angehender Bauherr versucht, sein Grundstück wieder an die Frau zu bringen. Bei dreifachen Zinsen kann er sich kein Darlehen mehr leisten. Die gestiegenen Materialpreise kommen hinzu. Auch an Spargel und Erdbeeren und dem Urlaub sparen die Leute bereits.
Die Umfrage zeigt, wo die Deutschen ihr Geld sparen:
Logisch also, dass sich Robert Habeck Gedanken macht, wie die Menschen besser über die Runden kommen.
Dann wartete ich darauf, wie er ankündigt, wo die Bundesregierung spart. Sie hat schließlich ebenfalls höhere Kosten. Manches wird deshalb nicht mehr gehen. Auch die Zinsen, die der Staat auf seine Rekordschulden zahlt, liegen künftig viel höher als zuletzt.
Groß ist das Sparpotenzial auch bei der Energie. Von den vielen Schulen über die Rathäuser bis zu den Ministerien ist der Staat der größte Eigentümer gewerblicher Immobilien im ganzen Land. Was ließe sich sparen, wenn die Heizung gedrosselt oder gar der eine oder andere Standort geschlossen würde! Jede Wette: Ein generelles Tempolimit wäre ein Klacks gegen eine gesetzlich gedeckelte Raumtemperatur in allen öffentlichen Gebäuden.
Aber bevor so etwas kam, war das Interview vorbei. Habeck kündigte nichts dergleichen an.
Staatliches Sparen ist vielleicht auch nicht seine Zuständigkeit, dachte ich. Der Finanzminister heißt Christian Lindner. Er stellte die Bevölkerung in diesen Tagen ebenfalls dräuend auf eine Zeit der Entbehrungen ein. Er berichtete von der schwierigen Energieversorgung, den Lieferkettenproblemen und der galoppierenden Preisentwicklung.
Wieder dachte ich, jetzt berichtet der Minister bestimmt auch von den Entbehrungen, die den Staatsapparat betreffen. Wenn er nicht handelt, steigen die Steuern und Abgaben, Beiträge und Gebühren unermesslich, während die Bürger doch zugleich über weniger Geld verfügen.
Werden ARD und ZDF also endlich zusammengelegt? Gibt es ein Sonderopfer der Beamten? Und ist es naturgegeben, dass die Zahl der Behörden und Staatsbeschäftigten Jahr um Jahr wächst?
Aber wieder: Fehlanzeige. Der Bürger soll sparen. Der Staat muss investieren.
Am besten schafft er rasch noch eine zentrale Koordinierungstelle zur Krisenbekämpfung, ein Amt für die Generalenergieplanung, einen Anti-Russland-Beauftragten der Bundesregierung sowie ein paar Obleute für jegliches Betroffenheitsgefühl.
Der gemeine Bürger kann zur Refinanzierung ja zum Waschlappen greifen. Das verbraucht noch weniger Wasser. Duschen ist reine Verschwendung.