Arbeiten am Emder Flugplatz Insolvenzverwalter optimistisch für Wiking-Zukunft
Beim Helikopter-Dienstleister Wiking aus Friesland hat die Suche nach Investoren begonnen. Was heißt das für die Arbeitsplätze am Standort Emden?
Emden - Zwei Wochen nachdem das Unternehmen Wiking Helikopter Service einen Insolvenzantrag gestellt hat, läuft die Suche nach potenziellen Geldgebern. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Christian Kaufmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH am Dienstag mitteilte, sei der Investorenprozess für den Helikopter-Dienstleister, der unter anderem vom Standort Emden aus fliegt, gestartet worden.
Was und warum
Darum geht es: Die Helikopter-Firma Wiking, die auch von Emden aus fliegt, ist finanziell in Turbulenzen geraten.
Vor allem interessant für: wirtschaftsnahe Leserinnen und Leser sowie Leute, die sich für das Themenfeld Offshore und für den Arbeitsplatz Emder Flughafen interessieren
Deshalb berichten wir: Rund zwei Wochen nach der Insolvenzanmeldung wird jetzt konkret mit potenziellen Investoren verhandelt. Die Autorin erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Kaufmann, der in Emden auch als Rechtsvertreter bei der finanziell schwer angeschlagenen Fosen-Werft bekannt ist, gibt sich zuversichtlich, dass das ins Trudeln geratene Lufttransport-Unternehmen gerettet werden kann. Es gebe „ein sehr großes Investoreninteresse an Wiking“, so Christian Kaufmann.
Vom Offshore-Boom profitiert
Die Zukunftsaussichten des Betriebs stuft er entsprechend als gut ein. „Wir rechnen mit ersten unverbindlichen Angeboten in den kommenden Wochen. Diese Angebote werden wir anschließend umfassend analysieren.“
Das 1975 gegründete Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Wilhelmshaven beschäftigt rund 130 Mitarbeiter. Der Flugplatz Emden ist einer von drei Außenstellen. Wiking fliegt von seinem Basisflugplatz Sande-Mariensiel (Landkreis Friesland) traditionell Lotsen zu den Schiffen, die einen der Häfen über die Deutsche Bucht ansteuern.
„Wichtiger Kunde“ für Emden
Mit dem Ausbau der Offshore-Energie in Nord- und Ostsee hat das Unternehmen sich verstärkt den Versorgungsflügen von und zu Windparks zugewendet. Zu diesem Zweck waren in den vergangenen drei Jahren die Aktivitäten von Emden aus massiv ausgeweitet worden.
Laut dem Geschäftsführer des städtischen Flugplatzes, Olaf Schmidt, sind dafür mittlerweile zwei Helikopter nahezu dauerhaft in Emden stationiert. Wiking nutzt als fester Mieter eine der Hallen auf dem Areal. Schmidt bezeichnet das Unternehmen als „wichtigen Kunden“. Und er sagt: „Wir sind froh, wenn sie am Platz bleiben.“
Neue Halle wird gebaut
Emden profitiert seit Jahren vom Boom der Offshore-Industrie. Neben Wiking sind drei weitere Helikopter-Unternehmen am Flugplatz eingemietet. Der Bedarf nimmt weiter zu. Gerade hat der Bau einer neuen Halle begonnen. Sie soll dem Dienstleiter Heli Service International mit Sitz in Emden für die Wartung von Fluggeräten dienen.
Auch wegen dieser Expansionspläne sieht Olaf Schmidt im Wiking-Insolvenzverfahren keine grundsätzliche Gefahr für den Standort oder die Branche. „Der Bedarf ist da“, sagt er. Ähnlich schätzt es auch der Oldenburger Rechtsanwalt Christian Kaufmann ein: Emden sei „Bestandteil des Zukunftskonzepts“ von Wiking, ließ er gegenüber der Redaktion auf Nachfrage wissen.
Die Gehälter sind gesichert
Für die finanziellen Probleme des Unternehmens macht der Insolvenzverwalter „Auswirkungen der Pandemie sowie gestiegene Kosten und eine ungünstige Finanzierungsstruktur“ verantwortlich. Ziel ist es jetzt, den Dienstleister mit den Sanierungsinstrumenten der Insolvenzordnung neu aufzustellen.
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Die vergangenen zwei Wochen seit Bekanntwerden der Zahlungsprobleme seien genutzt worden, um zusammen mit der Wiking-Geschäftsführung den Betrieb zu stabilisieren. Alle Flüge „können planmäßig absolviert werden“, versichert Kaufmann. Die Gehälter der Beschäftigten sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert.
Die Wiking-Geschäftsführung wollte sich auf Anfrage am Dienstag weder zu den Konsolidierungsplänen noch zu möglichen Folgen für den Standort am Emder Flugplatz äußern.