Corona-Vakzine Impf-Flaute im Landkreis Leer
Erstimpfungen im Landkreis Leer gibt es derzeit praktisch nicht mehr. Daran änderte auch Novavax nicht. Der Impfstoff fliegt nun sogar aus dem Sortiment.
Landkreis Leer - Als im Frühjahr 2021 die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus in deutsche Oberarme gespritzt wurden, war der Ansturm gewaltig. Online-Anmeldeportale brachen zusammen, Hotlines waren überlastet, Menschen standen stundenlang in Schlangen, um ein paar Milliliter der begehrten Flüssigkeit abzukriegen.
Doch anderthalb Jahre nach dem Start der Impfkampagne ist der Durst gestillt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gibt es derzeit in Deutschland noch etwa 64.000 Impfungen am Tag. Auf dem Höhepunkt der Impfkampagne waren es einst mehr als 1,5 Millionen.
Was und warum
Darum geht es: Die Impfkampagne gegen das Coronavirus ist praktisch zum Stillstand gekommen.
Vor allem interessant für: Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie viele Menschen sich derzeit noch für eine Impfung entscheiden. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Wie viele Menschen lassen sich derzeit im Landkreis impfen?
Statt langen Schlangen herrscht auch in den Eingangsbereichen der mobilen Impfstationen im Landkreis Leer derzeit zumeist gähnende Leere. „Die Zahl der Impfungen ist von Woche zu Woche ungefähr gleichbleibend, derzeit auf einem niedrigen Niveau“, erklärt Philipp Koenen, Sprecher des Landkreises Leer. „Aber vergleichsweise läuft es bei uns noch gut – gerade bei den Dritt- und Viertimpfungen.“ Insbesondere bei den Booster-Impfungen gebe es seit Pfingsten einen spürbaren Anstieg. Das bestätigt ein Blick auf die Zahlen: Insgesamt haben die Mobilen Impfteams des Landkreises in den vergangen vier Wochen 753 Impfungen verabreicht. Davon waren 580 Viertimpfungen.
Eine vierte Impfung gegen das Coronavirus wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) derzeit lediglich Personen im Alter über 70 Jahren, besonderen Risikogruppen und Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen empfohlen. Sie machen trotzdem 77 Prozent der aktuellen Impfungen im Landkreis aus. Die Erstimpfungen gegen das Coronavirus sind dagegen im Landkreis Leer nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. In den vergangenen vier Wochen gab es nur noch sieben Erstimpfungen im Kreisgebiet.
Konnte Novavax bislang Ungeimpfte überzeugen?
Bundesweit sieht das nicht anders aus. Auch hier liegt der Anteil der Erst- und Zweitimpfungen deutlich unter fünf Prozent. Bisher hartnäckige Impfverweigerer lassen sich auch von der derzeitigen Sommerwelle nicht zu einer Immunisierung hinreißen. Daran änderte auch der Impfstoff Novavax nicht. Die Politik hatte große Hoffnungen in das Vakzin gesetzt. Der Impfstoff funktioniert nicht nach der mRNA-Technologie, die von Impfskeptikern häufig kritisch betrachtet wurde.
Doch Novavax entwickelte sich zum Flopp, wird bundesweit kaum nachgefragt. Das gilt auch im Landkreis Leer. „In den vergangenen vier Wochen gab es eine Erstimpfung mit Novavax und vier Zweitimpfungen“, bilanziert Kreissprecher Philipp Koenen. „Wir setzen diesen Impfstoff seit Anfang März ein, werden ihn aber wegen der geringen Nachfrage wohl nur noch bis Ende Juli verimpfen.“
Ist der Landkreis für den Herbst gewappnet?
Auch wenn derzeit Impf-Flaute herrscht: Im Herbst könnte die Nachfrage wieder deutlich anziehen. Die Bundesregierung hat bereits in großen Mengen Impfstoff geordert, darunter auch ein Biontech-Vakzin, das auf die Omikron-Variante abgestimmt ist.
Der Landkreis Leer betont, dass die Kapazitäten seiner Impf-Kampagne flexibel seien. „Die Bestellung von Impfstoff passen wir jeweils an die Nachfrage an und achten auch bei den Impfterminen darauf, dass nicht mehr Spritzen aufgezogen werden, als die Impfteams tatsächlich benötigen“, erklärt Philipp Koenen.
Die Anzahl von Impfdosen, die entsorgt werden muss, sei deshalb gering. Sobald Impfungen wieder stärker nachgefragt werden, könne der Landkreis auch die Bestellmengen wieder hochfahren.