Hamburg  Sänger Harry Styles katapultiert sich in den Pop-Olymp

Dagmar Leischow
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Von Dagmar Leischow
| 27.06.2022 16:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Harry Styles (hier bei einem Konzert in London) lieferte in Hamburg eine gigantische Show ab. Foto: Lloyd Wakefield (Archivbild)
Harry Styles (hier bei einem Konzert in London) lieferte in Hamburg eine gigantische Show ab. Foto: Lloyd Wakefield (Archivbild)
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Der Brite Harry Styles hat zum Auftakt seiner Deutschlandtournee 50.000 Fans im Hamburger Volksparkstadion völlig zum Ausrasten gebracht. Der ehemalige Boygroup-Star macht klar, dass er mittlerweile der würdige Nachfolger von Robbie Williams und Justin Timberlake ist.

Ein buntes Völkchen pilgert ins Hamburger Volksparkstadion. Einige junge Frauen und Teenager tragen Federboas, sie haben Glitzerschminke im Gesicht. Eltern begleiten ihre aufgedrehten Kinder. Die einen sprechen Deutsch, andere Niederländisch, Dänisch, Polnisch oder Englisch. Zum Auftakt von Harry Styles‘ Deutschlandtournee sind 50.000 Fans aus aller Welt gekommen. Bevor der Musiker überhaupt auf die Bühne geht, ist die Stimmung schon am Siedepunkt. Als Queens „Bohemian Rhapsody“ aus dem Lautsprecher erklingt, singen alle ausgelassen mit.

Kurz vor 21 Uhr heißt es dann endlich: Auftritt Harry Styles. Sofort setzt ohrenbetäubendes Gekreische ein – so wie einst bei den Beatles. Das bringt den erfolgsverwöhnten Briten, der den Abend mit dem groovigen „Music for a Sushi Restaurant“ eröffnet, aber nicht aus dem Konzept. Schließlich hat er den harten Boygroup-Drill hinter sich, mit seiner Band One Direction verkaufte er Millionen Alben. 

Auch als Solokünstler geht er durch die Decke: Allein bei Instagram hat er fast 46 Millionen Follower, seine Songs werden monatlich Hunderte Millionen Mal gestreamt. Das würde wohl manchen zum Durchdrehen bringen. Der 28-Jährige wirkt allerdings immer noch wie der nette junge Mann von nebenan. Ständig sucht er den Kontakt zu seinen Fans, dabei kommt er unglaublich sympathisch rüber. Weit vorne in der Menge entdeckt er plötzlich Lisa. Sie hält ein Schild hoch. Mit der Bitte, Harry Styles möge ihr bei ihrem Coming-out helfen. Das tut er natürlich gern, beherzt schwenkt er die Regenbogenflagge.

Allein dieser Moment macht klar, warum die Konzerte unter dem Motto „Love on Tour“ stehen. Längst ist Harry Styles, gekleidet in ein gepunktetes Outfit, um den Hals baumelt die obligatorische Perlenkette, die Haartolle sitzt ziemlich lässig, mehr als nur ein Posterboy. Unermüdlich setzt er sich für Selbstliebe, für Individualität und für Body-Positivity ein.

Ein Song wie „Matilda“ von seinem jüngsten Nummer-eins-Album „Harry‘s House“ plädiert dafür, sich in Eigenregie eine Familie zu suchen. Mit Menschen, die einen so annehmen, wie man halt ist. Diese Ballade und auch das filigrane „Boyfriends“ performt Harry Styles ganz vorne auf seinem rechteckigen Laufsteg, seine Band, besetzt mit Männern und Frauen, steht dabei neben ihm. Solche leisen Momente sind in der 90-minütigen Show zwar eher selten, aber wunderschön. Wenn alle die Taschenlampen ihrer Smartphones einschalten, zieht sich ein Lichtermeer durch das gesamte Stadion.

Die One-Direction-Nummer „What makes you beautiful“ verwandelt die Arena dagegen in einen Hexenkessel. In den Rängen hat man das Gefühl, der Boden würde beben. Die stets textsichere Meute ist außer Rand und Band. Tanzen, Arme schwenken, mitsingen, wildes Kreischen – alles geht. So sieht Ekstase pur aus. Klar, dass diese Euphorie mit dem letzten Stück „Love of my Life“ nicht einfach enden darf.

Für die Zugabe hat sich Harry Styles das sphärische „Sign of the Times“ aufgehoben. Gefolgt von „Watermelone Sugar“, das nicht bloß perfekt für einen heißen Sommerabend ist, sondern beweist: Im 21. Jahrhundert hat die Harrymania die Beatlesmania abgelöst. Als mit „Kiwi“ der letzte Song verklungen ist, geht man mit der Gewissheit nach Hause, dass Harry Styles den Sprung in die Liga der Weltstars geschafft hat. Den Vergleich mit Robbie Williams oder Justin Timberlake braucht er jedenfalls nicht zu scheuen.

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