OZ-Serie „Wohnen und Leben“  Mit Förderung alten Gulfhöfen neues Leben einhauchen

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 26.06.2022 19:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch von außen wurde der Wilhelminenhof aufgefrischt, der Hofplatz wurde neu gestaltet.
Auch von außen wurde der Wilhelminenhof aufgefrischt, der Hofplatz wurde neu gestaltet.
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Umbau und Sanierung alter Gulfhöfe sind ein kostspieliges Unterfangen. Um Gebäude wie diese zu erhalten, gibt es Fördermöglichkeiten. Davon hat auch der Wilhelminenhof in Dornumersiel profitiert.

Dornumersiel - Was macht Ostfriesland aus? Die Weite, mögen die einen sagen. Die Kühe, mögen andere einwerfen. Die Gulfhöfe, wiederum andere. Gerade bei letzteren stellt sich aber zunehmend die Frage: Was tun damit? Mancherorts zerfallen die ortsbildprägenden Gebäude, andernorts werden sie neu genutzt. Sei es als Wohn- oder Veranstaltungsraum – oder für Ferienwohnungen.

Bei letzterer Variante mag man geteilter Meinung sein, aber in Dornumersiel wurde jetzt ein Projekt weitestgehend abgeschlossen, das Ferienwohnungen, Pferde und Gulfhof zusammenbringt.

Ortsbildprägung wieder stärker betonen

Inken und Johannes Steffens haben in Dornumersiel den sogenannten „Wilhelminenhof“ wieder zum Leben erweckt. 2020 erwarben sie einen bereits 1949 an einen anderen Teil der Familie übertragenen Hof zurück. Das Ehepaar bereitete das Vorhaben aber schon vorher vor.

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Die Eheleute sind beide Landwirte und betreiben noch eine Schweinehaltung. Auf dem Wilhelminenhof soll aber etwas anderes im Vordergrund stehen, nämlich vor allem ein Pferdebetrieb und Ferienwohnungen. Während die Steffens die Ferienwohnungen selbst betreiben, haben sie auf dem Hof für befreundete Partner die Möglichkeit geschaffen, dass diese ihren Pferdebetrieb, zu dem eine Pensionspferdehaltung gehört, einrichten können.

Inken und Johannes Steffens haben den alten Wilhelminenhof in Dornumersiel umgebaut. Möglich war das unter anderem auch durch Fördermittel. Fotos: Hock
Inken und Johannes Steffens haben den alten Wilhelminenhof in Dornumersiel umgebaut. Möglich war das unter anderem auch durch Fördermittel. Fotos: Hock

„Außerdem haben wir den Hofplatz neu gestaltet“, so Johannes Steffens. Das habe auch damit zu tun, dass der Wilhelminenhof direkt an der Ortszufahrt liegt. „Wir wollten das ortstypische wieder stärker betonen“, so der Landwirt. Das, in Kombination mit der Schaffung eines touristischen Mehrwerts für den Ort und auch der Schaffung neuer Arbeitsplätze, waren zusätzliche Punkte, die den Erhalt des Gulfhofes nicht nur für die Steffens interessant machten – sondern auch für die Dorfregion.

Förderung über die Dorfregion

100.000 Euro Förderung erhielten die Steffens durch die Dorfregion über die das Dorfentwicklungsprogramm läuft. Für den Hofplatz gab es noch mal 50.000 Euro. Insgesamt hat das Projekt das Ehepaar und ihre Partner – der Pferdebetrieb erhielt keine Förderungen – rund drei Millionen Euro gekostet. „Eine höhere Förderung wäre möglich gewesen, hätte das Ganze aber wieder verkompliziert“, so das Ehepaar im Gespräch mit unserer Zeitung. Dann wären nämlich andere, europaweite Ausschreibungen nötig gewesen. So hatten die Steffens die Chance, regionale Betriebe zu beauftragen.

Johannes Steffen hat weitere Ideen: Unter anderem könnte ein Hofladen das Ensemble noch ergänzen.
Johannes Steffen hat weitere Ideen: Unter anderem könnte ein Hofladen das Ensemble noch ergänzen.

Entstanden sind so im Vorderhaus des Gulfhofes insgesamt sieben Ferienwohnungen mit zwei bis sechs Betten. Die Wohnfläche des Vorderhauses betrage rund 650 Quadratmeter. „Wir mussten nur einen Raum neu schaffen, die anderen konnten wir fast so übernehmen“, so Inken Steffens. Während an ein paar Wohnungen noch gebaut wird, sind die ersten bereits in der Vermietung.

Altes erhalten und mit Neuem kombinieren

Das Engagement der beiden zeigt Wirkung: Benachbarte Höfe nutzen jetzt auch das Dorfentwicklungsprogramm, das auch private Förderungen erlaubt (siehe Artikel unten auf der Seite), um unter anderem die Hofvorplätze neu zu gestalten. „Wir machen auch überall Werbung für das Programm“, so Johannes Steffens. Obwohl mit Förderungen auch zusätzliche Arbeit verbunden sei – oder zumindest ein ganz anderer Zeitplan. „Man kann ja erst beauftragen, wenn die Förderzusage vorliegt“, so das Ehepaar.

Altes wie dieser Ofen sollten erhalten bleiben.
Altes wie dieser Ofen sollten erhalten bleiben.

Auch sind den Möglichkeiten Grenzen gesetzt. „Mietwohnraum hätten wir zum Beispiel nicht fördern lassen können“, sagt Johannes Steffens. Für das Ehepaar war es so aber der richtige Weg. Bei der Gestaltung der Ferienwohnungen und dem Rest der Anlage haben beide viel Wert darauf gelegt, möglichst viel Historisches zu erhalten. Sei es das Fischgrätparkett oder alte Stühle. Auch ein alter Ofen findet sich in einem der Räume wieder. „Das war uns wichtig“, so Johannes Steffens. „Die Sachen waren größtenteils hier und zu schade zum Wegwerfen.“ Kombiniert haben sie die alten Elemente mit einer modernen Einrichtung. So gibt es beispielsweise in einem Raum ein Bett, an dessen Rückseite die Küchenzeile versteckt ist.

Dorfentwicklung hilft auch Privatleuten

Ostfriesland - Die Gemeinde Hinte ist gerade frisch dabei, in anderen Regionen hat man mit dem Dorfentwicklungsprogramm schon weitreichende Erfahrungen gemacht. Spätestens seit den 1990er Jahren, als die Mittel durch EU-Mittel ergänzt wurden, ist die Dorferneuerung oder das Dorfentwicklungsprogramm ein bewährtes Instrument. Bewährt deswegen, weil gezielt strukturschwachen Regionen mit hohen Förderquoten bei der Umsetzung von Ideen, Sanierungen und der Stärkung des Miteinanders geholfen werden kann. Dorfgemeinschaftshäuser oder andere Dorfzentren werden zum Beispiel oft beantragt.

Doch auch Privatleute können davon profitieren, wenn ihr Dorf es ins Programm geschafft hat. „Private Fördervorhaben sind grundsätzlich in allen Dorfregionen möglich“, so Anja Thomßen. Sie ist die Dezernatsleiterin beim Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems (ARL) in Aurich. „Derzeit sind ostfrieslandweit zehn Dorfregionen und fünf Einzeldörfer im Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen“, sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Dazu gehören neben der Dorfregion Küstenorte, zu der Dornumersiel zählt, auch die Dorfregionen Brookmerland und Hinte oder die Dorfregion Rheiderland.

Wie stark die Möglichkeit der Förderung privater Vorhaben genutzt wird, hängt laut Thomßen stark von der Region ab. „Es gibt Regionen, in denen sehr viele private Vorhaben durchgeführt werden, in anderen Regionen stehen die öffentlichen Projekte im Vordergrund.“ Beim letzten Stichtag im vergangenen September hatten ostfrieslandweit aber die privaten Anträge, zu denen auch Anträge von Vereinen zählen, die Überhand: 35 private Anträge wurden eingereicht, zehn Anträge kamen von Kommunen und anderen öffentlich-rechtlichen Trägern.

Wofür die die Gelder im privaten Bereich genutzt werden, sei ganz unterschiedlich. So könne ein Schwerpunkt die äußere Erhaltung ortsbildprägender Gebäude sein. Auch die Familie Steffens hat das Vorderhaus beispielsweise von Außen wieder auf Vordermann gebracht. Auch Dacherneuerungen würden oft beantragt. „Zum andere können auch Vorhaben wie Revitalisierung bei Leerstand oder Umnutzung ortsbildprägender Bausubstanz durchgeführt werden“, sagt Thomßen. Hier könne zusätzlich auch im Innenbereich des Gebäudes die Sanierung in bestimmten Bereichen wie Heizung oder Elektroinstallation gefördert werden.

Auf Leuchtturmprojekte angesprochen, tut sich Thomßen schwer. Das Projekt in Dornumersiel gehöre dazu, aber „jedes unserer geförderten Projekte hat seinen eigenen Charme“.

Regionale Landwirtschaft näherbringen

Pläne haben die beiden aber auch noch. So würden sie gerne einen kleinen Hofladen für ihre Gäste einrichten. Das gehöre für sie mit dazu, da sie ja weiterhin primär Landwirte seien und den Gästen auch die regionalen Produkte näherbringen wollen.

In dem rund 650 Quadratmeter großen Vorderhaus sind sieben Ferienwohnungen entstanden.
In dem rund 650 Quadratmeter großen Vorderhaus sind sieben Ferienwohnungen entstanden.

Aber auch darüber hinaus könnten sie sich Bewirtung in einem kleinen Maßstab vorstellen. Als Vorbild nennen sie die „Rädlewirtschaft“ aus dem Süddeutschen Raum. Dort seien zeitlich stark begrenzte Bewirtungen mit weniger behördlichen Hürden möglich.

Dorfentwicklung hilft auch Privatleuten

Ostfriesland - Die Gemeinde Hinte ist gerade frisch dabei, in anderen Regionen hat man mit dem Dorfentwicklungsprogramm schon weitreichende Erfahrungen gemacht. Spätestens seit den 1990er Jahren, als die Mittel durch EU-Mittel ergänzt wurden, ist die Dorferneuerung oder das Dorfentwicklungsprogramm ein bewährtes Instrument. Bewährt deswegen, weil gezielt strukturschwachen Regionen mit hohen Förderquoten bei der Umsetzung von Ideen, Sanierungen und der Stärkung des Miteinanders geholfen werden kann. Dorfgemeinschaftshäuser oder andere Dorfzentren werden zum Beispiel oft beantragt.

Doch auch Privatleute können davon profitieren, wenn ihr Dorf es ins Programm geschafft hat. „Private Fördervorhaben sind grundsätzlich in allen Dorfregionen möglich“, so Anja Thomßen. Sie ist die Dezernatsleiterin beim Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems (ARL) in Aurich. „Derzeit sind ostfrieslandweit zehn Dorfregionen und fünf Einzeldörfer im Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen“, sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Dazu gehören neben der Dorfregion Küstenorte, zu der Dornumersiel zählt, auch die Dorfregionen Brookmerland und Hinte oder die Dorfregion Rheiderland.

Wie stark die Möglichkeit der Förderung privater Vorhaben genutzt wird, hängt laut Thomßen stark von der Region ab. „Es gibt Regionen, in denen sehr viele private Vorhaben durchgeführt werden, in anderen Regionen stehen die öffentlichen Projekte im Vordergrund.“ Beim letzten Stichtag im vergangenen September hatten ostfrieslandweit aber die privaten Anträge, zu denen auch Anträge von Vereinen zählen, die Überhand: 35 private Anträge wurden eingereicht, zehn Anträge kamen von Kommunen und anderen öffentlich-rechtlichen Trägern.

Wofür die die Gelder im privaten Bereich genutzt werden, sei ganz unterschiedlich. So könne ein Schwerpunkt die äußere Erhaltung ortsbildprägender Gebäude sein. Auch die Familie Steffens hat das Vorderhaus beispielsweise von Außen wieder auf Vordermann gebracht. Auch Dacherneuerungen würden oft beantragt. „Zum andere können auch Vorhaben wie Revitalisierung bei Leerstand oder Umnutzung ortsbildprägender Bausubstanz durchgeführt werden“, sagt Thomßen. Hier könne zusätzlich auch im Innenbereich des Gebäudes die Sanierung in bestimmten Bereichen wie Heizung oder Elektroinstallation gefördert werden.

Auf Leuchtturmprojekte angesprochen, tut sich Thomßen schwer. Das Projekt in Dornumersiel gehöre dazu, aber „jedes unserer geförderten Projekte hat seinen eigenen Charme“.

Glossar

Dorfregion

Im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms werden Ortschaften oft zu Dorfregionen zusammengefasst. Dornumersiel gehört zur Dorfregion „Küstenorte“, die die Dorfentwicklung in den Ortsteilen Westermarsch I und II, Norddeich, Ostermarsch, Hagermarsch, Dornumergrode, Dornumersiel und Westeraccumersiel, Neßmersiel, Westdorf sowie Ostdorf, Nesse und Westerbur umfasst.

ARL

Das Amt für Regionale Landesentwicklung mit Sitz in Aurich ist der regionale Partner für die Umsetzung der Dorfentwicklungsprogramme in Ostfriesland.

Mehr zum Thema

Private Förderung

Grundsätzlich können Privatpersonen, die in einer der Dorfregionen wohnen, auch Fördermittel beantragen. Grundvoraussetzung für die Förderung im Rahmen der Dorfentwicklung ist, dass das betreffende Dorf, die betreffende Dorfregion ins Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen wurde und ein anerkannter Dorfentwicklungsplan vorliegt. Aufgabe der Dorfentwicklung ist es, die ländlichen Siedlungen in ihrer charakteristischen Vielfalt zu erhalten, neuen funktionalen Anforderungen anzupassen und in die Landschaft einzubinden.

Bis zu 30 Prozent sind möglich

Die Förderung beträgt bis zu 30 Prozent des Investitionsvolumens. Weitere Informationen zu den Fördermöglichkeiten und -bedingungen sowie zu den Orten im Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen gibt es beim Amt für Regionale Landesentwicklung unter: www.arl-we.niedersachsen.de.

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