Soziales  Zusammen ein Zeichen gegen Armut setzen

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 25.06.2022 17:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Menschen, die von Armut betroffen sind und auch diejenigen, denen das Thema am Herzen liegt, kamen am Samstagmittag in Emden zusammen. Foto: Tomé
Menschen, die von Armut betroffen sind und auch diejenigen, denen das Thema am Herzen liegt, kamen am Samstagmittag in Emden zusammen. Foto: Tomé
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In den sozialen Medien ist eine Bewegung entstanden, die auf die prekären Lebensverhältnisse vieler Menschen aufmerksam macht. In Emden gehen dafür auch Menschen auf die Straße.

Emden - Sich vor das Otto-Haus zu stellen und darauf aufmerksam zu machen, dass man von Armut betroffen ist - dazu gehört schon eine Menge Mut. Genau das tat jedoch am Samstagmittag eine handvoll Menschen in Emden. Sie waren dem Aufruf der „One worry less foundation“ gefolgt und machten auf ihre Situation aufmerksam.

Mit dabei war auch Michaela Kirchberger aus Wirdum. „Es sind sehr viele Menschen von Armut betroffen, wenn man mal die Augen aufmacht“, sagt die Aktivistin, die sich auch auf Twitter für das Problem stark macht. In vielen Fällen würden Menschen unverschuldet in prekäre Situationen rutschen. In ihrem Fall sei ihr Mann schwerst pflegebedürftig. Er erhalte Erwerbsminderungsrente und sie selbst kümmere sich nun um ihn. Die steigenden Preise für Lebensmittel und Energie werden für viele Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, zu einem großen Problem. Die von der Bundesregierung geschnürten Entlastungs-Pakete würden bei armutsbetroffene Menschen kaum oder gar nicht ankommen.

Vor allem viele Kinder in Emden leiden unter Armut

Gabriele Schumacher ist zwar nicht selbst von Armut betroffen, bekommt es als Lehrerin an einer Grundschule in Barenburg aber täglich mit, wie viele Menschen, vor allem auch Kinder, in Emden darunter leiden. „Viele sehen Armut als individuelles Problem“, sagt sie. Diejenigen, die keine Geldprobleme haben, haben kaum Kontakt zu denjengen, die von Armut betroffen sind. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler würden keine andere Perspektive kennen. „Sie haben keine Vorstellung davon, wie es ist, nicht arm zu sein.“

SPD-Ratsherr und Vorsitzender des DGB-Stadtverbands Horst Götze kam mit einem auffälligem Fahrrad zu der Veranstaltung am Otto-Huus. Der Kampf gegen Armut sei ihm eine Herzensangelegenheit. Die Themen Teilhabe und Inklusion würden in Emden jedoch stiefmütterlich behandelt. „Da wird viel zu wenig gemacht.“

Aktion in Emden als bundesweiter Trend

Die Aktion in Emden war eine von vielen in ganz Deutschland unter dem Titel #IchBinArmutsbetroffen . Dieser Hashtag wird seit Mai 2022 im Sozialen Netzwerk Twitter verbreitet. Den ersten Beitrag wurde von einer alleinerziehenden Mutter mit Pseudonym „Finkulasa“ am 12. Mai 2022 verbreitet. Ihr Aufruf lautete: „Ich würde mich freuen, wenn ihr mitmacht. Nur ein kleiner Tweet zu euch. Lasst uns zeigen, wer wir sind, dass wir keine Zahlen sind.“ Viele weitere machten es ihr nach und folgten, inzwischen auch mit Aktionen auf der Straße.

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