Edinburgh  „Elephant House“: Das Café, in dem „Harry Potter“ entstand

Daniel Batel
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Von Daniel Batel
| 24.06.2022 14:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Unter „Harry Potter“-Fans gilt das Café in Anlehnung an die Bücher als „der Tropfende Kessel Edinburghs“. Aktuell kann das Lokal wegen Brandschäden jedoch nicht besichtigt werden. Foto: dpa-tmn
Unter „Harry Potter“-Fans gilt das Café in Anlehnung an die Bücher als „der Tropfende Kessel Edinburghs“. Aktuell kann das Lokal wegen Brandschäden jedoch nicht besichtigt werden. Foto: dpa-tmn
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Vor 25 Jahren veröffentlichte die Schriftstellerin Joanne K. Rowling ihr erstes „Harry Potter“-Buch. Teile der Reihe schrieb sie im „Elephant House“, einem Café im Herzen Edinburghs.

Man sieht sie förmlich vor sich, die rothaarige Autorin Rowling im gemütlichen „Elephant House“, das mit seinen holzvertäfelten Wänden und warmen Tönen zum Verweilen einlädt. Das Café liegt in Sichtweite der erhabenen Burg, die sich im Zentrum der schottischen Hauptstadt auftürmt.

Am 26. Juni 1997 erschien der allererste Band der Zauberer-Saga: „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Mehr als 500 Millionen verkaufte Bücher machten die Reihe einige Jahre später zur erfolgreichsten Buchserie der Welt. Auch heute noch sind Rowlings Bücher große Verkaufsschlager, weil sich in der Pandemie wieder mehr Menschen für das Lesen begeisterten.

Geschrieben hat Rowling ihre Bücher in Edinburgh. Das „Elephant House“ rühmt sich als „Geburtsort von Harry Potter“. Das stimmt allerdings nicht: Das Lokal wurde erst nach der Fertigstellung von Band 1 eröffnet. Zum einen begann Rowling schon während ihrer Zeit in Portugal mit dem Schreiben, zum anderen finalisierte sie das Buch im Nicolson‘s Café in Edinburgh, das heute nicht mehr existiert. Der Kult um das „Elephant House“ entstand, weil die Autorin die Teile 2 und 3 dort schrieb.

Einen festen Platz hatte die heute 56-Jährige allerdings nie. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte Cafébesitzer David Taylor einmal: „Die Frage, die mir die Kunden am häufigsten stellen, ist: ‚Wo hat sie gesessen?’“. Eine Antwort darauf könne er jedoch nicht geben, denn Rowling habe immer dort gesessen, wo sie im hinteren Bereich noch einen freien Platz fand. Seitdem die Romanreihe weltweite Bekanntheit erlangt hat, pilgern jährlich hunderttausende Fans nach Edinburgh – auch um einen Blick ins Innere des Cafés zu erhaschen. Das ist zurzeit wiederum nicht möglich: Das „Elephant House“ wurde im August 2021 Opfer eines Brandes und ist geschlossen.

Die Ursache für das Feuer ist bis heute nicht geklärt, offenbar brannte es aber zunächst in einem benachbarten Gebäude. Der Zustand im Innern des Cafés sei nach dem Brand verheerend gewesen, wie Taylor gegenüber „Edinburgh News“ angab. „Es sah aus wie nach einer Detonation. Ganze Decken sind heruntergekracht. Das Aufräumen wird Monate dauern.“ Offenbar war Taylor mit dieser Prognose sogar noch zu optimistisch, denn auch ein knappes Jahr später ist eine Wiedereröffnung noch nicht in Sicht.

In Edinburgh gibt es für Fans der Fantasy-Reihe aber noch mehr zu sehen. Direkt neben dem „Elephant House“ befindet sich der Friedhof Greyfriars. Dort steht ein Grabstein, der an den verstorbenen Thomas Riddell erinnert. Er könnte Rowling dazu veranlasst haben, Harrys Widersacher Lord Voldemort den Namen Tom Riddel zu geben. Auf dem sogenannten „Potter Trail“, einer Stadtführung, die mehrere Orte mit Bezug zu den Romanen ansteuert, können sich Besucher Harry, Ron, Hermine und Co. ganz nahe fühlen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ob sich die Autorin tatsächlich von diesen Orten inspirieren ließ, ist nicht belegt.

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