Kolumne: Intern  Bergen, Wien und auch Kopenhagen – Blick nach vorne

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 24.06.2022 08:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun
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Wie entwickelt sich der Journalismus eigentlich in anderen Ländern? Was können wir lernen? Diesem Thema ist Chefredakteur Joachim Braun auf der Spur.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das gilt natürlich auch für uns Journalisten. 14 Tage war ich nun unterwegs, mal mit Kollegin Carmen Leonhard, mal alleine, um zu schauen, wie sich in anderen Ländern der Journalismus weiterentwickelt.

Am spannendsten ist Skandinavien. Die Digitalisierung ist dort viel weiter fortgeschritten als bei uns. Das hat viele Ursachen. Digitale Dienstleistungen haben einen ganz anderen Stellenwert als bei uns, selbst die Flasche Wasser am Kiosk wird per Smartphone oder Kreditkarte bezahlt, außerdem ist das Land so dünn besiedelt, dass die Zustellung der gedruckten Zeitung schon längst Luxus geworden ist.

Zur Person

Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

Beispiel „Bergens Tidende“, die Regionalzeitung von Bergen: Sie hat eine Auflage von 81.000, davon sind gut 50.000 Digitalabos und E-Paper. In unserem Verlag sind ein Drittel der Abonnenten digital. Das ist ein Spitzenwert in Deutschland, aber weit entfernt von skandinavischen Verhältnissen, wo es Verlage wie Schibsted („BT“ gehört dazu) geschafft haben, sich über die Digitaleinnahmen zu finanzieren.

Der Schlüssel zu diesem Erfolg sind veränderte Arbeitsweisen, bei denen stärker als (bisher) bei uns die Anpassung an Leserinteressen und -gewohnheiten erforderlich ist. Während in Deutschland viele (Lokal-)Journalisten noch darum kämpfen, die Deutungshoheit zu behalten, sind es die skandinavischen Kollegen gewohnt, abzuwägen, welche Themen für ihre Leser wichtig sind und für welche Themen der Arbeitsaufwand nicht lohnt, weil nur ganz wenige Menschen erreicht werden.

Damit umzugehen, erfordert Kreativität. Denn es kann nicht darum gehen, online möglichst viele Klicks zu erzielen, sondern das Vertrauen der Leser zu gewinnen, dass sie über alle (für sie) wichtigen Themen informiert werden. Darum blicken wir online auch nicht mehr auf Klickzahlen, sondern auf die Lesezeit, die ein Artikel hat. Ein schwieriges Thema. Mitte Juli werden wir in einer Redaktionskonferenz darüber diskutieren.

Kontakt: j.braun@zgo.de

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