Anmeldezahlen verschieben sich Weichen Realschüler aufs Auricher Gymnasium aus?
Die Realschule Aurich nimmt keine Schüler aus Südbrookmerland mehr auf. Prompt schnellt die Zahl der Anmeldungen aus der Nachbargemeinde am Gymnasium Ulricianum in die Höhe. Da liegt eine Vermutung nahe.
Aurich/Südbrookmerland - Weil die Realschule Aurich sie nicht aufnimmt, weichen Schüler aus Südbrookmerland verstärkt aufs benachbarte Gymnasium Ulricianum aus: Diesen Trend lesen einige Kreistagsmitglieder aus den Anmeldezahlen zum kommenden Schuljahr ab. Doch stimmt das tatsächlich?
Die Stadt Aurich hat die Notbremse gezogen. Da die Realschule aus allen Nähten platzt, wird die Zahl der Klassen zum kommenden Schuljahr auf sechs pro Jahrgang begrenzt. Kinder aus Aurich haben Vorrang. Solche aus Südbrookmerland kommen nur noch in Ausnahmefällen zum Zug. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im laufenden Schuljahr kommen an der Realschule 41 der 199 Fünftklässler aus Südbrookmerland. Für das neue Schuljahr sind nur vier Kinder aus der Nachbargemeinde angemeldet. Gleichzeitig ist beim Gymnasium die Zahl der Fünftklässler aus Südbrookmerland von 29 auf 48 gestiegen. Diese Zahlen nannte Schulamtsleiter Jens Kleen am Dienstag im Schulausschuss des Kreistags. Nun würden also Kinder durchs Gymnasium geprügelt, weil die Realschule sie nicht aufnehme, schlussfolgerten einige Ausschussmitglieder.
„Leidenswege auf dem Gymnasium ersparen“
Doch diese Vermutung weist Rüdiger Musolf, Leiter des Ulricianums, zurück: Eine solche Erklärung sei zu einfach. „Wir haben sehr genau geguckt, wer hier angemeldet wird“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. In Einzelfällen sei es nicht auszuschließen, dass verhinderte Realschüler aufs Gymnasium ausweichen. Doch das Ulricianum habe die Eltern sehr intensiv beraten, „um den Kindern Leidenswege auf dem Gymnasium zu ersparen“, so Musolf. „Wir sind sicher, dass der allergrößte Teil der Kinder eine gute Zukunft auf dem Gymnasium haben wird.“
Der große Zulauf aus Südbrookmerland sei womöglich auch dadurch zu erklären, dass der Zuspruch für die Integrierte Gesamtschule (IGS) Marienhafe-Moorhusen sinke. „Das ist eine Vermutung“, betonte der Schulleiter. „Genau wissen wir das alle nicht.“ Die Krux: Eltern aus Moordorf dürfen ihre Kinder nicht zur IGS Aurich schicken, da die Gemeinde Südbrookmerland eine eigene IGS hat, eben Marienhafe-Moorhusen. Wenn sie also die eigene IGS nicht wollen und die Realschule sie nicht nimmt, bleibt als Alternative nur das Gymnasium.
„Eine stabile Achtzügigkeit wäre günstig“
Bereits seit dem vergangenen Jahr bemühen sich die Realschule Aurich, das Ulricianum und die IGS Aurich darum, die Schülerströme besser zu lenken. Während das Gymnasium und die Realschule aus allen Nähten platzen, ist die IGS trotz eines nagelneuen Gebäudes in Haxtum nicht ausgelastet. Die Anmeldezahlen der IGS haben sich laut Schulamtsleiter Kleen auf niedrigem Niveau stabilisiert. Zum kommenden Schuljahr sind 79 Fünftklässler angemeldet (Vorjahr: 80). Die Realschule hat dank der beschlossenen Begrenzung nur 146 Anmeldungen (Vorjahr: 199).
Das Gymnasium hingegen wächst weiter: 245 Fünftklässler sind zum neuen Schuljahr angemeldet, 31 mehr als im Vorjahr. Es werden somit neun fünfte Klassen gebildet – für den Geschmack des Schulleiters eine zu viel. „Eine stabile Achtzügigkeit wäre günstig“, sagte Musolf. Dann könnten je vier fünfte Klassen auf die Außenstelle in Egels und die Hauptstelle in der Innenstadt verteilt werden. Jetzt seien es an der Hauptstelle, die ohnehin an Raumnot leide, fünf. Zugleich betonte Musolf, dass er sich nicht beklagen wolle: „Ich bin nicht kreuzunglücklich. Ich freue mich über und für jedes Kind. Ist ja auch eine tolle Schule.“ Das Ulricianum ist das größte Gymnasium Niedersachsens.
Unterdessen schreibt der Landkreis Aurich die Schulentwicklungsplanung fort. Damit ist erneut der Berater Wolf Krämer-Mandeau mit seiner Firma Biregio (Bonn) beauftragt worden. Der Gutachter ist umstritten – nicht zuletzt, weil er 2014 die Realschule zum Auslaufmodell erklärt hatte. Eltern von Drittklässlern erhalten noch in dieser Woche Post vom Schulgutachter, denn er führt eine Elternbefragung durch. Darin werden die Mütter und Väter nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu Themen wie weiterführende Schulen, Betreuungszeiten, Schulwege und Inklusion gefragt. Im September werden die Ergebnisse dem Schulausschuss vorgestellt – womöglich mit neuen Erkenntnissen, was Schüler aus Südbrookmerland weg von der IGS und hin zum Gymnasium treibt.
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