Grünheide Geiz bei Tesla? Mitarbeiter in Grünheide ärgern sich über Löhne
Elon Musk schaut in der deutschen Tesla-Fabrik derzeit in verärgerte Gesichter, weil er sein Personal nach Analyse der IG Metall nicht angemessen bezahlt. Erste Mitarbeiter wenden sich bereits vom Unternehmen ab.
Während Tesla-Chef Elon Musk noch immer damit liebäugelt, Twitter für 44 Milliarden Dollar zu kaufen, sitzt das Geld in der deutschen Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide offenbar nicht so locker. Angestellte sollen sich vermehrt über ungleiche und vergleichsweise niedrige Löhne beschweren, berichtet die IG Metall in einer Pressemitteilung: „Tesla zahlt deutlich weniger als Automobilbetriebe in der Region, in der IG-Metall-Tarife gelten“, sagt Birgit Dietze, Bezirksleiterin der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen.
Über die Arbeitsumstände im Unternehmen gab es erst kürzlich Diskussionen, weil Musk seinen Mitarbeitern im kalifornischen Werk kein Homeoffice erlaubt. Nun sollen in den kommenden Monaten im ganzen Unternehmen auch noch 3 bis 3,5 Prozent der Stellen gestrichen werden, wie Musk am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur zufolge bestätigte. Das betreffe etwa jeden zehnten Arbeitsplatz im Unternehmen; innerhalb der Fabriken soll die Mitarbeiterzahl jedoch langfristig steigen.
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In der Tesla-Gigafactory in Deutschland sind aktuell etwa 4500 Mitarbeiter beschäftigt; laut bisheriger Planung sollten bis zum Jahresende 7500 weitere dazukommen. So solle ein jährliches Produktionsziel von 500.000 Autos gewährleistet werden. Doch wegen der verhaltenen Bezahlung gestaltet sich die Personalgewinnung schwieriger: „Viele hätten Interesse, zu Tesla zu wechseln, entscheiden sich am Ende aber dagegen, auch weil sie in ihren aktuellen Stellen bei anderen Automobilisten zum Teil deutlich mehr verdienen“, berichtet Dietze, und führt weiter aus: „Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Management bald beim Entgelt eine Schippe drauflegen müssen.“
Bei Neueinstellungen täte die Werksleitung dies auch bereits, was jedoch zu weiterem Unmut bei bereits eingestellten Mitarbeitern führe. Eine Analyse der IG Metall habe ergeben, dass der Entgeltunterschied zwischen den bereits eingestellten Tesla-Mitarbeitern und denen anderer Betriebe bei bis zu 20 Prozent liege. Da die IG Metall künftig noch Tariferhöhungen für die Metall- und Elektroindustrie anstrebt, könnte der Unterschied bald noch größer werden. Im Interview mit dem „Spiegel“ berichtete Dietze von Mitarbeitern, die Tesla bereits verlassen und zum Teil wieder zu ihren alten Arbeitgebern zurückgehen.
Wenn Tesla nicht selbst reagiert, sieht Dietze kaum eine Möglichkeit zur Verbesserung bei der Bezahlung: „Ohne sich zu organisieren und einen Tarifvertrag durchzusetzen, werden die Kolleginnen und Kollegen bei Tesla immer unter dem Entgeltniveau anderer Automobilwerke bleiben. Daran wird auch der neue Betriebsrat nichts ändern können.“ Bei Themen wie Entgelthöhe und Wochenarbeitszeit habe der Betriebsrat keine Hebel. Er könne zwar eine Vereinbarung über eine Entgelterhöhung unterschreiben, aber in Wahrheit habe er keinen Einfluss darauf, wie hoch oder niedrig sie ausfalle.