Berlin  Tradition Schützenfest: Das sollte man über die Bräuche wissen

Laurenz Constantin Blume
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Von Laurenz Constantin Blume
| 20.06.2022 17:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Schützenfest begleitet eine lange Tradition. Dabei gibt es einiges über die Festlichkeiten zu wissen. Foto: imago-images/Zoonar
Das Schützenfest begleitet eine lange Tradition. Dabei gibt es einiges über die Festlichkeiten zu wissen. Foto: imago-images/Zoonar
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Wettschießen, Schützenkönig und traditionelle Trachten: Das Schützenfest umgeben einige Traditionen. Das hat es damit auf sich.

Das traditionelle Schützenfest ist in vielen Teilen Deutschlands ein Anlass, um zu feuchtfröhlich zu feiern und zusammenzukommen. Möchte man Teil davon sein, hilft es, die Bräuche zu kennen. Wir haben den „Deutschen Schützenbund“ nach den Ursprüngen der Schützentradition gefragt.

Der Schützenkönig wird traditionell durch einen Schießwettbewerb ermittelt und steht in der Regel für ein Jahr fest. Ein weit verbreiteter Brauch ist laut dem „Deutschen Schützenbund“ (DSB) das Vogelschießen zur Ermittlung des Königs, wobei ein Holzvogel auf einer 20 bis 30 Meter hohen Stange befestigt und mit einer Armbrust Stück für Stück heruntergeschossen wird. Wer „den Vogel abschießt“ und das letzte Stück herunterholt, ist der Sieger des Vogelschießens - und Schützenkönig.

Warum tragen Schützen traditionell grüne Trachten? Ein Sprecher des Deutschen Schützenbundes sagte unserer Redaktion, die grüne Schützentracht sei in den „Farben des Waldes und des Frühlings“ gestaltet. Damit knüpfe sie direkt an ihre mittelalterlichen Traditionen an, da das Schützenfest auch heute noch oftmals im Frühling stattfindet. Auch die Bezeichnung der Tracht als solche ist dem DSB wichtig: „Im Übrigen sprechen wir nicht gerne von Uniform, sondern lieber von Schützentracht oder Schützenmontur“, sagt der Sprecher.

Alles in allem gilt: Innerhalb der Vereine und Regionen sind die Traditionen rund um das Schützenfest und den Schützenverein unterschiedlich geregelt. Ähnlich ist es auch bei den Schützentrachten selbst. Individualisierungen, Ausschmückungen und traditionelle Merkmale unterscheiden sich je nach Verein. Männliche und weibliche Schützentrachten orientieren sich laut DSB aneinander, um ein einheitliches Vereinsbild abzugeben.

„Grundsätzlich gilt, dass jeder mitmachen darf, der mitmachen will, ohne jede Einschränkung“, sagt der DSB-Sprecher. Wer genau wissen möchte, ob er an einem Schützenfest teilnehmen darf, sollte sich an den jeweiligen Verein wenden. Beim Ausschießen eines Vereinskönigs würden nur die Vereinsmitglieder zugelassen.

Die mittelalterliche Tradition spiegelt sich auch bei den Bräuchen rund um die Feierlichkeiten wieder. Dazu sagt der DSB-Sprecher: „Die Schützenfeste haben ihren Ursprung in den Wettschießen des Mittelalters, zu denen sich die Schützengesellschaften verschiedener Städte gegenseitig einluden. Daraus wurden mit der Zeit Feste für die ganze Stadt, und bei diesen – wie bei allen anderen Stadt- und Volksfesten – wurde natürlich auch Wein und Bier angeboten.“

Als Wettschießen im Mittelalter gestartet, hat sich das Kompetitive also zu einem Feieranlass entwickelt. Auch deswegen sind die Feste heute meist auch feuchtfröhlicher Startpunkt zum gemeinsamen Schießen, Feiern und Trinken - im Kontext aller Traditionen.

In Deutschland sind an einen Waffenschein besonders strenge Regularien geknüpft. Für Sportschützen ist ein Waffenschein in der Regel nicht notwendig. Im Regelfall feuern diese nämlich mit Luftdruckwaffen in ihren Schützenvereinen. „Sportschützen bekommen auf Antrag und unter anderem mit Nachweis des Bedürfnisses, der persönlichen Eignung und der Sachkunde eine Waffenbesitzkarte. Eine solche braucht man aber nicht für Luftdruckwaffen“, so der Sprecher.

Die Sportwaffen selbst könnten dabei sowohl aus dem Privatbesitz der Mitglieder stammen oder auch von dem Verein zur Verfügung gestellt werden.

Das größte deutsche Schützenfest findet alljährlich in Hannover auf dem Schützenplatz statt. Darüber gibt auch die Stadt Hannover selbst Auskunft. Das Schützenfest in Hannover ist das größte weltweit und wurde 1529 von Herzog Erich I. ins Leben gerufen. Heute kommt es auf einer rund zehn Hektar großen Fläche mitsamt einer Kirmes daher.

Auch die Schützenvereine müssen sich um den Nachwuchs bemühen, wie der Deutsche Schützenbund mitteilt: „Wie alle anderen Vereine müssen sich die Schützenvereine um die Nachwuchsgewinnung aktiv kümmern, was sie mit viel Engagement und Fantasie auch tun.“

Unter anderem probierten die Vereine hierfür neue Disziplinen aus, wie den Bogensport, das Blasrohrschießen oder Target Sprint. Der Schützenbund hält fest: „Junge Leute sind durchaus an Traditionen interessiert, sie stiften Identität und Geborgenheitsgefühl.“

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