Tourismus ankurbeln  Von „Ostfriesland Games“, Strandbiestern und Festivals

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 21.06.2022 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schlickschlitten-Rennen (hier im Jahr 2019) könnte eine der Disziplinen in den „Ostfriesland Games“ sein. Foto: Archiv
Schlickschlitten-Rennen (hier im Jahr 2019) könnte eine der Disziplinen in den „Ostfriesland Games“ sein. Foto: Archiv
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Der ostfriesische Tourismus soll moderner und digitaler werden. Von den Projekten können auch Einheimische profitieren. Viele Angebote sollen schnellstmöglich durchgeführt werden.

Emden/Ostfriesland - Tourismus ist mittlerweile ein „bedeutender Wirtschaftsfaktor“ für die Region, sagt Oliver Knagge. Er ist bei der Ostfriesland Tourismus GmbH zuständig für Online-Marketing und Fördermöglichkeiten. Im Tourismus-Ausschuss des Emder Rates stellte er am Donnerstag zahlreiche Projekte vor, die das Geschäft mit den Gästen noch weiter ankurbeln sollen. Das Prinzip: „Ostfriesland, aber neu.“ Mit einem Internet-Projekt hatte sich die GmbH schon einen Namen gemacht: Sie hatten den Vorspann der Blockbuster-Serie „Game of Thrones“ mit ostfriesischer Landschaft nachgeahmt - und bundesweit damit für Furore gesorgt sowie die Region entsprechend bekannt gemacht.

Fakten zum Tourismus in Ostfriesland

  • Mehr als 3,2 Millionen Euro Bruttoumsatz wird im Jahr in der Region aus dem Tourismus generiert
  • Mehr als 61 Millionen Aufenthaltstage von Gästen werden gezählt
  • Rund 65.700 Menschen sind durch den Tourismus beschäftigt
  • Mehr als 28 Euro gibt jeder Tagesreisende täglich aus
  • Mehr als 85 Euro gibt jeder Übernachtungsgast täglich aus

Die Kulturlandschaft müsse sich moderner präsentieren, um die vorhandene große Nachfrage der Besucher zu befriedigen. Er nannte das Beispiel, dass viele Gäste ein großes Interesse am Deichbau hätten. „Das muss man richtig erklären und aufbereiten“, sagte er. Eine Maßnahme: Tim von Lindenau, der auf der Video-Plattform Youtube fast 70.000 Abonnenten hat, Dinge in Ostfriesland erforschen und im Video aufbereiten lassen. „Er kriecht in den letzten Keller - dorthin, wo man normalerweise nicht kommt“, sagt Knagge.

Traditionelle Wettkämpfe in den „Ostfriesland Games“

Ein Wind-Festival ist angedacht, bei dem man sowohl die klassischen Mühlen als auch die modernen Windkraftanlagen in den Fokus nehmen könnte. Sogenannte Strandbiester aus den Niederlanden würde man einladen. Das sind durch Wind angetriebene Konstruktionen, die in Tierform über den Strand laufen können. Auch bis zu acht Meter hohe kinetische Figuren könnte man auf Flächen aufstellen, die sonst nicht so touristisch frequentiert würden. „Man könnte jedes Jahr ein neues eröffnen“, sagt er. Aktionen wie diese seien sehr „instagrammable“, das heißt, sie sind attraktiv für auf Fotos konzentrierte Nutzer der sozialen Plattform Instagram. Dass etwas fotogen und im Internet gut präsentabel ist, wird immer wichtiger beim Tourismus.

Oliver Knagge von der Ostfriesland Tourismus GmbH stellte unter anderem die virtuellen Robben vor. Foto: Hanssen
Oliver Knagge von der Ostfriesland Tourismus GmbH stellte unter anderem die virtuellen Robben vor. Foto: Hanssen

Ein Projekt seien auch die „Ostfriesland Games“. In der Region gebe es so viele kuriose Sportarten, die man einmal gesamt präsentieren und Teilnehmer zum Wettkampf auffordern könnte. Vergleichbar wäre das vielleicht mit den „Highland Games“ in Schottland, wo die Austragung von traditionellen Wettkämpfen jedes Jahr mehr als 20.000 Besucher anzieht. Gleichzeitig sollten Ostfriesland auch im Internet „spielbarer“ werden: Ein Spiel fürs Netz sei geplant, genauso wie Video-Spiel-Automaten für Standorte in der Region. Die Technik der Augmented und Virtual Reality soll ebenfalls eine größere Rolle spielen. Dabei nutzt man etwa die Kamera des eigenen Handys mit einer App, die in die vorhandene Landschaft virtuelle Dinge setzt. Knagge präsentierte einen Seehund, den man überall platzieren könnte. Dass das nicht nur Spielerei sei, sondern man die App auch im Schulunterricht nutzen könnte, um beispielsweise die Tierwelt im Wattenmeer in küstenfernen Klassenräumen zu unterrichten, betonte er dabei.

Sobald Förderung bewilligt ist, soll es losgehen

Ein weiterer unterhaltsamer Weg, Kultur und Kunst der Region den Leuten näherzubringen? Ein „Festival der lebenden Bilder“. Die Idee stammt aus der Kult-Fernsehserie „Gilmore Girls“, bei der Menschen einer ganzen Stadt sich verkleiden und schminken, um dann klassische Gemälde nachzuspielen - in einem mehr als 12 Meter großen Bilderrahmen. „Das ginge wunderbar auf dem Emder Marktplatz“, meinte Knagge. Die Landesbühne Nord könne Kostüme und Make-up beisteuern. Alle Interessierten könnten teilnehmen. „Das wäre weltweit einmalig“, so der Touristiker.

Sobald die Förderung von der N-Bank da sei, könnten die Maßnahmen starten, sagt Knagge. Ein Jahr lang habe man schon geplant, die ersten Angebote seien schon gemacht worden. Innerhalb von drei Jahren, das ist die Laufzeit vorerst für das Projekt, soll mehr als eine Million Euro fließen. Die Förderquote liegt bei 70 Prozent, die Tourismus GmbH und die Ostfriesische Landschaft wollen zusammen rund 40.000 Euro tragen, der Rest soll auf die Stadt Emden und die drei Landkreise verteilt werden. Für Emden bedeutet das eine Ausgabe von rund 38.000 Euro. Der Ausschuss war einstimmig dafür.

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