Erzählkonzert in Wiesmoor  Eine spannende Geschichte an einem ungewöhnlichen Ort

Julia Jacobs
|
Von Julia Jacobs
| 20.06.2022 18:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Christian Brückner (unten, rechts) und das wilde Jazzorchester tritt am 25. Juni in Wiesmoor auf. Fotos: Natalia Jansen
Christian Brückner (unten, rechts) und das wilde Jazzorchester tritt am 25. Juni in Wiesmoor auf. Fotos: Natalia Jansen
Artikel teilen:

Christian Brückner ist einer der berühmtesten Sprecher in Deutschland. Nun kommt er innerhalb der Gezeitenkonzerte nach Wiesmoor und bringt das Dschungelbuch auf die Bühne.

Wiesmoor - Medien nennen ihn nur „the Voice“ (die Stimme). Der Name Christian Brückner ist vermutlich den wenigsten Menschen bekannt. Aber spätestens wenn der 78-Jährige anfängt zu reden, kommt der Aha-Moment. Brückner ist die feste Synchronstimme von Robert De Niro. Mit seiner markanten und tiefen Stimme hört man ihn aber auch in vielen Dokumentationen oder Hörbüchern sprechen.

Am 25. Juni kommt der Sprecher innerhalb der Gezeitenkonzerte nach Wiesmoor. Gemeinsam mit der Deutschen Oper Berlin gibt er ein Erzählkonzert zu einem Klassiker der Weltliteratur: Das Dschungelbuch. Die Musik wurde für das Konzert von Martin Auer neu komponiert. Die Geschichte um den Wolfsjungen Mogli und seine Freunde – den klugen Panther Baghira, den schläfrigen Bären Balu, die Pythonschlange Kaa und Moglis größten Feind, den Tiger Shir Khan – ist spätestens seit Walt Disneys Zeichentrickfilm eine der berühmtesten Erzählungen der Welt. Im Interview erklärt Brückner, wie sich das Erzählkonzert von Hollywoods Version unterscheidet.

Synchronsprecher Christian Brückner kommt nach Ostfriesland.
Synchronsprecher Christian Brückner kommt nach Ostfriesland.

Herr Brückner, waren Sie schon einmal in Ostfriesland?

Christian Brückner: Ja, aber immer nur kurz. Also leider nie zu Ferienzwecken.

In Wiesmoor gibt es ein Konzert zu dem Dschungelbuch. In der Ankündigung heißt es, dass der Klassiker auf der Bühne ganz neu beleuchtet werden soll. Worauf müssen wir uns einstellen?

Brückner: Erstmal ist es eine neuere Übersetzung, als das, was bisher als Dschungelbuch bekannt war. Es ist etwas flotter und jünger. Zum Zweiten kommen lauter Musiker dazu. Zwar steht die Musik nicht im Vordergrund, sie spielt aber eine ganz wichtige Rolle. Von dem Buch selbst können wir ja nur den kleinsten Teil erzählen. Das ist ja auch logisch, bei einem Buch mit etwa 150 Seiten. Der Text ist nicht annähernd vollständig, ergibt aber zusammen mit der Musik eine sehr spannende Geschichte – speziell für Kinder. Während die Musik sowohl für die Kinder als auch für die Eltern oder generell Erwachsene ist. Denn die Musik ist ungewöhnlich, sie ist schön, packend und spannend wie die Geschichte selbst.

Was bedeutet das Dschungelbuch für Sie ganz persönlich?

Brückner: Ich habe es in meiner Kindheit nicht gelesen, sondern erst später. Ich habe es für eine spannende Geschichte gehalten. Eine Geschichte, die an diesem bestimmten Ort spielt, an den ich selber – so habe ich damals noch gedacht – niemals hinkommen würde. Da waren Fernreisen nämlich noch nicht so an der Tagesordnung. Also es war allein schon durch die Bilder, die man sich beim Lesen vorgestellt hat, ein ungewöhnlicher Aufenthaltsort. Und dann kommen noch all die Tiere hinzu. Es ist ein bunter und spannender Bilderbogen, der uns da vorgeführt wird.

In Wiesmoor treten Sie am 25. Juni gemeinsam mit einem elfköpfigen Orchester der Deutschen Oper Berlin auf. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Brückner: Beispielsweise durch meinen Sohn, der da auch manchmal mitspielt. Deswegen bin ich ab und zu zu den Vorstellungen gegangen und habe mir angehört, was die so auf die Bühne bringen. Ich fand das immer sehr interessant. Irgendjemand hat mich dann mal angesprochen. Irgendwo berühren sich die Interessen und dann kommt man sich näher und macht Pläne. Mit der Zeit lernt man die Musiker ja auch kennen, unterhält sich, sitzt zusammen in der Kantine. Das ganze liegt nun aber schon eine Weile zurück, durch die Corona-Pandemie ist das auf die lange Bank geschoben worden.

Wie vereint man denn Musik mit Literatur?

Brückner: Das ist ganz einfach. Musik ist schon die halbe Literatur und die andere Hälfte Literatur ist Musik. Sprache und Musik sind untrennbar, das lässt sich gar nicht auseinanderschneiden. Man muss zwar nicht beides immer zusammen machen, das meine ich nicht, ganz im Gegenteil. Aber Sprache und Musik kommen aus einer Wurzel.

Sie sind die Synchronstimme von Robert De Niro. Werden Sie da oft drauf angesprochen?

Brückner: Ja, darauf werde ich sehr oft angesprochen.

Stört Sie das?

Brückner: Nein, schon lange nicht mehr. Die Synchronstimme von Robert De Niro bin ich und die werde ich auch bleiben. Das ist meinen anderen Interessen und all den vielen anderen Dingen die ich mache nicht im Weg. Deswegen stört mich das überhaupt nicht.

Sie sind aber auch der Sprecher von etlichen Dokumentationen und Hörbüchern. Das passiert meistens alles in einem Studio. Ist es komisch für Sie, nun vor Publikum zu sprechen?

Brückner: Das stimmt, das passiert alles im Studio. Trotzdem findet der größte Teil meiner Arbeit außerhalb des Studios statt. Mit meiner eigenen Produktion zu Moby Dick – die Geschichte vom weißen Wal – bin ich schon lange unterwegs. Die Tour war allerdings auch lange durch Corona unterbrochen. Anfang des Jahres waren wir damit in Hamburg in der Elbphilharmonie. Der Großteil meiner Arbeit findet mittlerweile auf Bühnen oder in Theatern, Sälen oder Hallen statt. Ich bin mit verschiedenen Produktionen auf Tournee. Früher hab ich überwiegend im Studio gearbeitet, aber heute arbeite ich überwiegend auf der Bühne. Das hat sich komplett umgedreht. Ich mache viel mehr live.

Haben Sie da nicht Angst, dass Sie sich versprechen?

Brückner: Das Versprechen ist nicht das entscheidende. Mir passiert das nicht allzu häufig. Aufgeregt bin ich zwar manchmal, aber dann aus ganz anderen Gründen. Vielleicht bin ich ein bisschen vor mich hin disponiert und dann frage ich mich manchmal, ob ich den ganzen Abend stemme vor und mit dem Publikum. Aber ein Versprecher ist nichts was mich aufregt oder vorher beschäftigt. Ein Versprecher ist kein Problem.

Ähnliche Artikel