Berlin Kämpfen, bis der letzte Soldat in der Ukraine gefallen ist?
Schlittert der Westen immer tiefer in den Ukraine-Krieg? Oder wie hoch ist der Preis, den Deutschland bereit ist zu zahlen? Dem Aggressor Wladimir Putin Paroli bieten ist richtig, aber Europa sollte nicht aus Versehen in einem Weltkrieg aufwachen.
Oft wird gesagt, die Ukrainer müssten selbst bestimmen, wie und wofür sie kämpfen wollen. Das war richtig, so lange Westeuropa nicht maßgeblich von dem abscheulichen russischen Angriffskrieg betroffen war. Je mehr Waffen der Westen jedoch liefert, Rekruten er ausbildet und verletzte Soldaten er versorgt, desto dringender stellt sich die Frage:
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will von den russischen Aggressoren jeden Quadratmeter zurückerobern, inklusive der Krim.
Das ist verständlich und im Sinne des Völkerrechts, aber militärischer Wahnsinn. Es würde eine sehr lange Materialschlacht mit ungewissem Ausgang bedeuten, die unzählige Menschenleben kosten und das Risiko zu weiteren Eskalationen mit der Atommacht Russland massiv erhöhen würde.
Wollte US-Präsident Joe Biden am liebsten schon Putin im Kreml stürzen, trommeln jetzt auch der britische Premier Boris Johnson und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg für eine massive Ausweitung der westlichen Militärunterstützung. Stoltenberg schwört die Öffentlichkeit sogar auf einen jahrelangen Krieg in der Ukraine ein.
Liegt die Rückeroberung der Krim aber wirklich im Interesse von Deutschland, Frankreich und Italien? Oder müsste Kanzler Olaf Scholz nicht viel stärker darauf drängen, dass es schnellstmöglich zu einem Waffenstillstand kommt? Auch, um eine drohende Weltwirtschaftskrise gigantischen Ausmaßes abzuwehren? Der bereits laufende Sanktionskrieg trifft Deutschland hart. Sollte die Gasversorgung ausfallen, drohen hierzulande Verwerfungen, die kaum zu kalkulieren sind – und das auf Jahre.
Im Gegenteil: Die Stärkung der Nato-Ostflanke und der Ausbau der nuklearen Abschreckung schützen das EU-Gebiet sicher vor möglichen russischen Angriffen. Die ukrainischen Verteidigungslinien müssen mit westlicher Militärunterstützung so stark ausgebaut werden, dass Putins Vormarsch zum Erliegen kommt und der Despot an den Verhandlungstisch gezwungen wird. Am Ende müsste aber auch die Ukraine Kompromissbereitschaft zeigen, so bitter das wäre. Heroisch kämpfen bis zum letzten Soldaten, sollte keine Option sein – weder für den Despoten Putin noch auf Seiten der Verteidiger.