Corona-Lage  Wie wirken sich die neuen Omikron-Sublinien in Ostfriesland aus?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 17.06.2022 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In Ostfriesland ist unklar, welche Rolle die neuen Omikron-Sublinien am Corona-Infektionsgeschehen spielen. Das Varianten-Screening ist ausgesetzt. Foto: Uwe Anspach/dpa
In Ostfriesland ist unklar, welche Rolle die neuen Omikron-Sublinien am Corona-Infektionsgeschehen spielen. Das Varianten-Screening ist ausgesetzt. Foto: Uwe Anspach/dpa
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Die Omikron-Variante des Corona-Virus mendelt vor sich hin. Neue Sublinien verbreiten sich in Deutschland und fachen das Infektionsgeschehen an. Was bedeutet das für Ostfriesland?

Ostfriesland - Der Kampf gegen das Corona-Virus rückt wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet steigende Fallzahlen. Es zählt in seinem Wochenbericht vom Donnerstag fünf Sublinien der Omikron-Variante auf, die ihren Anteil am Infektionsgeschehen vergrößen konnten. Allen Voran BA.5, die in Kalenderwoche 22 fast ein Viertel der Infektionen in Deutschland verursachte und damit ihren Anteil im Vergleich zur Vorwoche fast verdoppeln konnte. Die noch vorherrschende Omikron-Linie BA.2 soll nur noch für rund die Hälfte der Ansteckungen verantwortlich sein.

Wie wirkt sich das auf Ostfriesland aus? Die Gesamtinzidenz der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden war in der 21. Meldewoche (23. bis 29. Mai) auf 268,70 gesunken – nachdem sie in der 12. Woche mit einem Wert 2752,07 ihren Höchststand erreicht hatte. Doch bis zur 23. Woche, also der vergangenen Woche, hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz schon fast wieder verdoppelt: auf 502,22. Damit lag der ostfriesische Wert über dem Bundes-Durchschnitt von 393.

Sind Kinder und Alte in Ostfriesland weniger betroffen?

Von der Altersverteilung her lagen die Inzidenzen in Ostfriesland bei den Erwachsenen im berufstätigen Alter am höchsten. In Fünf-Jahres-Gruppen betrachtet, hatten die Null- bis Vierjährigen mit 125,24 den niedrigsten Wert. Gefolgt von den Leuten ab 80 Jahren mit 162,43. Jeweils in der vergangenen Woche.

Allerdings ist unklar, wie aussagekräftig diese Zahlen des RKI sind. Denn das hängt unter anderem davon ab, wie oft Personen in welcher Altersgruppe auf eine Corona-Infektion hin getestet werden. Und es hängt auch davon ab, wie viele Leute ihre Infektion überhaupt noch registrieren lassen oder sie einfach so auskurieren.

Die Corona-Lage in den ostfriesischen Krankenhäusern

Was sagen die Krankenhäuser in Ostfriesland? Die Trägergesellschaft mit den Kliniken in Aurich, Emden und Norden berichtete am Donnerstag von 22 Corona-Patienten. Von denen habe keiner auf Intensivstation gelegen. Und nur acht von ihnen seien wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt worden. Die Zahl der Corona-Fälle liege damit „höher als der bisherige Monatsdurchschnitt von 13 Corona-Patienten pro Tag im Juni“, erläuterte die Trägergesellschaft. „Da die Zahlen aber täglich schwanken, kann daraus noch kein Trend abgeleitet werden.“ Das Klinikunternehmen berichtet weiter: „Viele der aktuellen Covid-Patienten erleben einen eher milden Krankheitsverlauf.“

Am Wittmunder Krankenhaus werden derzeit im Durchschnitt drei bis vier Patienten mit Corona versorgt. „Intensivpatienten mit Corona haben wir derzeit nicht“, so Geschäftsführer Ralf Benninghoff. Das Leeraner Borromäus-Hospital hatte – Stand Donnerstag – sogar nur zwei corona-infizierte Patienten, von denen keiner wegen Covid-19 ins Krankenhaus gekommen war. Das Klinikum Leer meldete am Freitag sechs Covid-19-Patienten, von denen keiner auf der Intensivstation liege.

Wie groß sind die corona-bedingten Personalausfälle in den kliniken?

Was die corona-bedingten Personalausfälle betrifft, berichtet der Wittmunder Krankenhaus-Geschäftsführer, dass sich die Situation „derzeit etwas beruhigt“ habe. Bei der Trägergesellschaft sind 19 Beschäftigte in häuslicher Isolation. Das Borromäus-Hospital informierte: „Die bundesweite Tendenz des Anstiegs der Infektionszahlen lässt sich auch bei den Beschäftigten im Borromäus Hospital erkennen.“ Und im Klinikum Leer ist der Anteil der Beschäftigten, der bedingt durch Corona nicht im Dienst ist, „von Anfang März von rund vier Prozent auf etwa 1 Prozent gesunken“.

Keines der Krankenhäuser macht Angaben dazu, welche Subtypen des Virus aktuell eine Rolle spielen. „Borro“ und Trägergesellschaft gaben an, keine entsprechende Kenntnis beziehungsweise keinen Überblick darüber zu haben. Aus dem Klinikum Leer heißt es: „Welche Variante die Infektionen auslöst, lässt sich nicht sagen.“

Wie stark verbreiten sich die Omikron-Sublinien in Ostfriesland?

Die Erkenntnislage der ostfriesische Gesundheitsämter ist bezüglich der neuen Virus-Linien ähnlich. „Aufgrund des hohen Infektionsaufkommens wurde das generelle Varianten-Screening ausgesetzt und ist zwischenzeitlich auch nicht wieder reaktiviert worden“, erklärt die Emder Stadtverwaltung. „Aus diesem Grunde ist die Benennung einer konkreten Fallanzahl von Personen, die sich mit der Virusvariante BA.5 infiziert haben, auf kommunalen Ebene und im Einzelfall nicht möglich.“ Ein Screening erfolge unter bestimmten Voraussetzungen „nur noch per Zufallsprinzip“.

Ähnlich äußert sich die Kreisverwaltung Leer: „Da das Labor keine variantenspezifischen Auswertungen mehr durchführt, können wir keine Angaben zum quantitativen Anteil der Varianten BA.4 und BA.5 am Infektionsgeschehen machen.“ Aber es sei ein „deutlicher Anstieg der Infektionsfälle seit der 19. Kalenderwoche“ feststellbar, den die Verwaltung „auf einen Anstieg der Varianten BA.4 und BA.5 und die deutlich verminderte Nutzung von Masken im Alltag zurückführt“.

Kreis Wittmund verzeichnet steigenden BA.5-Anteil bei Infektionen

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Leeraner Kreisverwaltung, in Innenräumen wie in Kaufhäusern „eine FFP2-Maske“ zu tragen. Das gelte auch für den Außenbereich in dichtem Gedränge wie bei Großveranstaltungen. Menschen aus Risikogruppen wird zur vierten Impfung geraten. Die Auricher Kreisverwaltung hat bezüglich der Omikron-Sublinie BA.5 mitgeteilt: „Im Landkreis Aurich gibt es bislang keinen entsprechenden Befund und aktuell auch keine Verdachtsfälle.“

Auch die Wittmunder Kreisverwaltung kann zahlenmäßig keinen Überblick über die neuen Corona-Unterarten geben, „da nur ein Teil der PCR-Tests sequenziert“, also auf Virus-Varianten untersucht werde. Auf dieser Grundlage kommt Peter Elster, Leiter des Fachbereichs für Gesundheit, laut Pressestelle zu der Einschätzung, dass es „einen ganz erheblich steigenden Anteil von Infektionen mit BA.5 “ im Landkreis gebe. Der Typus BA.4 sei hingegen „bisher kaum aufgetreten“. Grundsätzlich verzeichne man wieder einen deutlichen Anstieg bei den Fallzahlen und den Inzidenzen.

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