Abschied unter Tränen Greetsieler Teestube muss geräumt werden
Poppingas Alte Bäckerei wird geräumt. Zuletzt war von einer möglichen Nachfolgerin für die Greetsieler Teestube die Rede. Die Gemeinde hält aber alles offen.
Greetsiel - Bis zuletzt sei Poppingas Alte Bäckerei ein „lebendiges Haus“ gewesen, erinnert sich Inge Ysker-Cornelius unter Tränen zurück. Nun muss die frühere Betreiberin der traditionellen Greetsieler Teestube endgültig Abschied nehmen und das denkmalgeschützte Gebäude ausräumen. Bis Montag habe sie noch Zeit dafür, sagt die 73-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Abschied nach 40 Jahren. „Das tut so weh“, betont sie.
Was und warum
Darum geht es: um die Zukunft einer alten Teestube, die lange ein wichtiger Anziehungspunkt in Greetsiel war
Vor allem interessant für: Leser, die sich für die Geschichte und die Kultur von Ostfriesland interessieren
Deshalb berichten wir: Inge Ysker-Cornelius hatte uns informiert, dass sie jetzt die Teestube räumen muss. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Die Teestube schloss bereits im März 2020 mit dem Beginn des ersten Corona-Lockdowns und öffnete seitdem nicht wieder. Zu eng sei es im Inneren, um Abstände einhalten zu können, begründete Ysker-Cornelius Ende desselben Jahres, als sie sich schließlich schweren Herzens für den Ruhestand entschied. Allerdings blieb bis zuletzt die Hoffnung, dass eine Nachfolgerin den Betrieb übernehmen könnte. „Sie hat früher schon in der Teestube ausgeholfen und hätte auch weiterhin Interesse“, verrät die Betreiberin jetzt.
Gemeinde will „ergebnisoffen“ bleiben
Daraus aber wird zumindest erst einmal nichts, wie Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) auf Nachfrage erklärt. Gleichzeitig betont sie, dass noch alles offen ist. Weder stehe fest, ob und – wenn ja – an wen die Teestube weiterverkauft werden würde und ob sie eine Teestube bleibe, umgebaut oder saniert werde, betonte sie. „Wir gehen da ergebnisoffen ran.“ Zu der möglichen Nachfolgerin erklärt Looden darüber hinaus, dass diese sich bislang nicht selbst bei der Gemeinde gemeldet habe.
Die Bürgermeisterin wehrt sich gegen den Eindruck, dass Ysker-Cornelius von jetzt auf gleich vor die Tür der Alten Bäckerei gesetzt wurde, die auch ein Mini-Museum und einen kleinen Laden beherbergt. Alles habe die Verwaltung mit der 73-Jährigen abgesprochen und der ursprüngliche Auszugstermin sei schon einmal verlegt worden. Der jetzige sei zwei Wochen vorab terminiert worden. Looden könne verstehen, dass es schwer für sie sei, rauszumüssen, „aber das war so mit ihr vereinbart.“
Haus soll näher untersucht werden
Laut Enno Cornelius, dem Mann der bisherigen Betreiberin, sollte seine Frau eigentlich die Einrichtung aufrechterhalten, bis die neue Pächterin kommt. Nun habe es aber einen politischen Beschluss gegeben, der den Auszug von ihr beschleunigte. Looden äußert sich dazu auf Nachfrage nicht und verweist nur auf die bereits erwähnte Räumungs-Anweisung durch ihr Rathaus-Personal. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass die Räumung die Grundvoraussetzung ist, um überhaupt weitermachen zu können. „Wir gehen da ja nicht einfach rein und reißen um, wenn ihre Sachen noch drin sind.“ Nun wolle man sich das Gebäude „kurzfristig“ näher von innen ansehen.
So erinnert Ysker-Cornelius beispielsweise an eine Leckage, das dadurch auslaufende Wasser und die Ausbreitung von Schimmel. Jeden Tag habe sie zwar nach der Schließung der Teestube gelüftet und das Haus gepflegt, aber gegen den Schimmel hätte ihrer Ansicht nach die Gemeinde schon lange etwas unternehmen müssen. Looden entgegnet, dass die Gemeinde auch in dieser Sache bislang nichts habe unternehmen können, weil das Gebäude ja noch nicht von Ysker-Cornelius geräumt gewesen sei.
Prominente und Medien gingen ein und aus
38 Jahre lang hat sie die Teestube geleitet hat. Und das mit Erfolg. Die urige Einrichtung wurde beliebt, es gab darin Kunst- und Kulturveranstaltungen, Sitzungen, Neujahrskuchen-Backaktionen und mehr. Auch viele Prominente zählten zu den Gästen: Showmaster Thomas Gottschalk, Musikerlegende Peter Maffay, Politiker wie Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel, Björn Engholm und Rudolf Scharping, Journalisten wie Stern-Gründer Henri Nannen, Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni und weitere. Sogar die britische BBC schaute einst vorbei.
Als unsere Zeitung im Januar Erich Wagner, einen der Ostfriesland-Chefs des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), darauf ansprach, bescheinigte er der Teestube, dass darin alles stimme: sowohl Lage, Ambiente als auch das Angebot. „Die Teestube wurde über all die Jahre wirklich liebevoll geführt“, bestätigt auch Hilke Looden. Ihr sei weiterhin daran gelegen, dass man in der Sache „vernünftig auseinandergeht“.