Corona in Ostfriesland Steigende Inzidenz trifft die Unternehmen
Niedersachsen weist seit Donnerstag die bundesweit höchste Corona-Inzidenz auf. Auch bei ostfriesischen Unternehmen steigt nun die Zahl der Krankmeldungen – aber nicht nur wegen Covid-19.
Ostfriesland - Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle in Niedersachsen steigt weiter: Am Donnerstag registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) eine landesweite Sieben-Tage-Inzidenz von 732,4. Niedersachsen hat damit den höchsten Wert unter allen Bundesländern, bundesweit lag die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche laut RKI bei 480. In der Region lag einzig die Stadt Emden (362,9) am Donnerstag unter diesem Wert, die Landkreise Leer (514,3), Aurich (716,2) und Wittmund (639,6) lagen über dem Bundesschnitt.
Die aktuelle Entwicklung macht sich auch in der Wirtschaft bemerkbar: „Wir bekommen von unseren Mitgliedsunternehmen gemeldet, dass die Abwesenheitszeiten wieder steigen“, sagte Jörg Thoma, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Arbeitsgeberverbands (AGV) für Ostfriesland und Papenburg. Die zunehmende Zahl der Krankmeldungen sei einerseits auf Covid-19-Fälle zurückzuführen, andererseits auf andere Infektionen und Erkältungen. Auch diese würden wieder vermehrt unter Beschäftigten auftreten, seit die Vorschriften lockerer gehandhabt würden, sagte Thoma. „Damit haben die Unternehmen schon zu kämpfen.“
Windkraftanlagenhersteller Enercon beobachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge
Am 25. Mai waren die besonderen Corona-Vorschriften für Betriebe in Deutschland ausgelaufen. Dies erschwere es momentan, einheitliche Schutzvorkehrungen für das ganze Unternehmen anzuordnen, teilte der Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Aurich mit. „Außer dem Appell zum freiwilligen Beherzigen von Schutzmaßnahmen bleibt uns nur die Möglichkeit der individuellen Gefährdungsbeurteilung der einzelnen Arbeitsplätze in den jeweiligen Bereichen“, so Enercon-Sprecher Felix Rehwald. Wegen des Auslaufens der bundesweiten Corona-Arbeitsschutzverordnung fehle für Unternehmen zudem die Rechtsgrundlage, um Corona-Tests für Beschäftigte anordnen zu können, sagte Thoma.
Bei Enercon halte man das Personal weiterhin dazu an, sich freiwillig an Abstands- und Hygieneregeln zu halten, so Rehwald – etwa das Tragen von Schutzmasken in Bereichen mit mehreren Personen. Zudem würden viele Beschäftigte in den Büros zumindest tageweise noch im Home-Office arbeiten. Mit Blick auf eine Corona-„Sommerwelle“, wie sie Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) befürchtet, sei dies „sicherlich von Vorteil“, teilte Rehwald mit. Bei Enercon beobachte man die aktuelle Entwicklung mit Sorge: „Wir stellen uns jedenfalls darauf ein, dass uns das Thema weiterhin dauerhaft beschäftigen wird.“