Hamburg  Warum Schützenfeste einfach lächerlich sind

Katharina Preuth
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Von Katharina Preuth
| 16.06.2022 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach zwei Jahren finden in diesem Sommer wieder reguläre Schützenfeste statt - leider. Foto: dpa/Swen Pförtner
Nach zwei Jahren finden in diesem Sommer wieder reguläre Schützenfeste statt - leider. Foto: dpa/Swen Pförtner
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Im Sommer, ohne Pandemie, veranstaltet selbst das kleinste Dorf in Norddeutschland sein eigenes Schützenfest. Unbedingt dazu gehören Uniformen, Königsschießen und Bier. Es ist ein aus der Zeit gefallenes, lächerliches Spektakel.

Ich bin auf dem Land groß geworden und es stand fest: Im Sommer ist Schützenfest-Saison. Ich kann mich nicht erinnern, diese Art des Feierns jemals gemocht zu haben. Aber gehören Schützenfeste nicht zum Landleben dazu oder ist es ok, sie kritisch zu sehen?

Wenn Schützen in Uniform zu Blasmusik in Reih und Glied marschieren, sieht das lächerlich aus. Männer tragen die gleichen, schwarzen Hosen, dazu ein oftmals grünes Jackett mit schwarzem Kragen. Auf dem weißen Hemd ist am Kragen eine Schießscheibe aufgedruckt, auf der grünen Krawatte auch. Und dazu ein Hut mit Feder. Frauen sehen ähnlich aus, nur tragen sie oft einen Rock. Jeder Verein hat in seiner Satzung festgelegt, wie die Mitglieder bei der Parade aussehen sollen. Eines ist ihnen gemeinsam: Hübsch ist die Uniform nicht, dafür tragen aber alle das gleiche.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Mottopartys. Aber warum Menschen mitten im Sommer in ihrer Freizeit in einer Uniform schwitzen, erschließt sich mir nicht. Soll das Spaß machen? Schon klar, die einheitliche Kleidung soll die Zugehörigkeit zum Verein zeigen und das Gemeinschaftsgefühl stärken, aber die Uniform mutet eher militaristisch an.

Und dann dieses als Gruppe im Takt marschieren. Warum müssen sie sich in ihrer Aufmachung noch dem ganzen Dorf präsentieren? Im Gleichschritt.

Mein Vater marschierte mal in kurzer Hose mit – wegen einer Wette. Als Strafe musste er ein 30-Liter-Fass-Bier springen lassen und sich eine Standpauke anhören. Wo käme man denn dahin, wenn jeder einfach mache, was er wolle, wurde er vom Zugführer gefragt? Individualismus ist hier nicht gerne gesehen. Bier dagegen schon.

Beim Schützenfest dreht sich alles um das Königsschießen. Der Höhepunkt ist, wenn Männer in Uniform auf einen Holzadler oder wahlweise Scheiben schießen. Sie stehen an, zielen … und schießen im entscheidenden Moment daneben. Denn wirklich König werden, das wollen die wenigsten. Das ist ein teures Vergnügen. Am Ende findet sich einer, der sich nicht wehren konnte oder noch sehr ambitioniert ist, und der schießt dann so lange, bis er trifft.

Ob Frauen mitschießen oder ein homosexuelles Paar auf den Thron darf, diskutiert dabei jeder Verein für sich. Zeitgemäß ist es dabei nie. Selbst in Hannover, beim größten Schützenfest in Deutschland, übernimmt erst in diesem Jahr zum ersten Mal eine Frau das wichtige Amt des sogenannten Bruchmeisters, vorher waren es ausschließlich Männer.  

Richtig unangenehm werden Schützenfeste dann, wenn der offizielle Teil vorüber ist und die Party beginnt. Das ist Ballermann zwischen Maisfeldern. Hier gibt’s meterweise Bier aus 0,2-Gläsern und schlechte Musik. Spät am Abend liegen Teile von Uniformen – Hüte, Krawatten, Jacken, selten eine Hose – vergessen auf Bierzeltgarnituren. Der König schmeißt Runden und der Thron grölt Schlager mit.

Zwei Jahre hatten die Dörfer Ruhe vor diesem Unsinn, jetzt ist die alberne Feierei wieder im vollen Gange. Die Corona-Zeit hatte auch was Gutes.

Warum Schützenfeste auch gute Seiten haben und Gemeinschaft stiften, lesen Sie hier in einem weiteren Meinungsbeitrag.

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