Berlin  Diese Grafiken zeigen, wie der Ukraine-Krieg die Inflation befeuert

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 16.06.2022 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Weizenernte bei Luhansk in der Ostukraine. Foto: imago images/ITAR-TASS
Weizenernte bei Luhansk in der Ostukraine. Foto: imago images/ITAR-TASS
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Leitzins, Lohnpreisspirale und andere komplizierte Wörter bestimmen gerade die Debatte. Wer verstehen will, warum alles so teuer ist, hat es also schwer. Dabei sind die Gründe für die Inflation deutlich simpler: der Ukraine-Krieg.

Wer Wirtschaftsnachrichten verfolgt, hört derzeit viel Geschimpfe. Über Notenbanken, die Inflation verursachen, weil sie normale Banken mit billigem Geld zuschütten. Über Gewerkschaften, die mit Lohnforderungen die Produktionskosten erhöhen. Beiden Akteuren wird die Schuld für die horrenden Preissteigerungen gegeben. Doch ein Blick auf die Daten zeigt: Der Grund für die Inflation liegt woanders.

Laut einer Auswertung von „Statista“ wird die Inflation vor allem von Preissteigerungen bei Rohstoffen getrieben. Wie aus der Infografik hervorgeht, geht es vor allem um Rohstoffe, die in der Ukraine und Russland produziert werden. So ist Russland zum Beispiel der drittgrößte Exporteur von Steinkohle. Zudem fördert Russland ein Sechstel der globalen Erdgasproduktion und hat bis vor Kurzem die Hälfte des deutschen Erdgases geliefert.

Wer russische Rohstoffe nicht kaufen kann oder will, hat eine schwächere Verhandlungsposition bei den Konkurrenten und muss höhere Preise zahlen.

Der Effekt macht sich nicht nur auf der Heizrechnung bemerkbar. Auch der Betrieb von industriellen Maschinen wird teurer. Kosten, die Betriebe an Verbraucher weitergeben.

Ebenfalls teurer geworden sind Rohstoffe wie Nickel und Palladium. „Russland ist nicht nur ein wesentlicher Gas-Exporteur für Deutschland, sondern liefert auch wichtige Rohstoffe für die deutsche Industrie. Deutschland und der Weltmarkt sind vor allem bei Nickel, Palladium und Chrom abhängig von russischen Exporten“, analysiert das Institut für Wirtschaft in Köln.

Demnach bezieht Deutschland etwa die Hälfte seines Nickelkonsums und ein Viertel seines Palladiumverbrauchs aus Russland. Beide Metalle sind zum Beispiel wichtig für die Produktion von Windrädern.

Deutlich direkter spürt der Verbraucher den Anstieg beim Weizen. Russland und die Ukraine sind gemeinsam für etwa 30 Prozent der weltweiten Weizenproduktion verantwortlich. Dabei ist das Getreide noch gar nicht wirklich knapp. Die Körner, die wir jetzt essen und verarbeiten, wurden (sofern sie aus Europa stammen) im vergangenen Herbst geerntet, also Monate vor dem Angriff.

Viele Händler haben aber in großem Stil Weizen aufgekauft, um sich für eine etwaige Knappheit zu rüsten, oder auf steigende Preise in der Zukunft zu spekulieren.

Die Wette könnte sich auszahlen: Wie die ukrainische Regierung bekannt gab, konnten wegen des Krieges etwa ein Viertel weniger Felder als üblich bestellt werden. Während die Preise für Deutsche ärgerlich sind, sind sie für Menschen im globalen Süden lebensgefährlich. Dort geht es nicht nur um höhere Preise. Laut einer Schätzung von Agrarökonom Martin Qaim könnten 100 Millionen Menschen mehr auf der ganzen Welt vom Hunger betroffen sein.

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