Mönchengladbach  5:2 gegen Italien - aber wo steht die DFB-Auswahl?

Susanne Fetter
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Von Susanne Fetter
| 15.06.2022 20:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Brustlöser: Torschütze Joshua Kimmich (links) bejubelt mit David Raum das 1:0. Foto: imago/Ulmer
Brustlöser: Torschütze Joshua Kimmich (links) bejubelt mit David Raum das 1:0. Foto: imago/Ulmer
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Ein Jahr lang ist Hansi Flick nun im Amt. Was dem Fußball-Bundestrainer in dieser Zeit am besten gefallen hat? „Dass wir noch immer ungeschlagen sind“, sagt er am Dienstagabend nach dem 5:2 gegen Italien. Doch was bedeuten dieser Sieg und diese Serie für die große Aufgabe, die am Ende dieses Jahres steht: die Weltmeisterschaft in Katar?

Unter dem Strich geben solche Dinge erst einmal Selbstbewusstsein, egal, wie sie zustande kommen. Denn zu Beginn von Flicks Amtszeit waren es eher die namentlich kleineren Gegner, gegen die die deutsche Mannschaft erfolgreich spielte. Acht Siege gab es da. Es folgten vier Unentschieden. Stets gab es ein 1:1 – erst im Test gegen die Niederlande, dann in der Nations League gegen Italien, England und Ungarn. „Die haben mir nicht so gut gefallen“, erklärte Flick.

Hier geht es zum Spielbericht: Ein Sieg fürs Selbstvertrauen: Deutschland gewinnt 5:2 gegen Italien

Der Abschluss aber war wieder ein versöhnlicher. Fünf Tore oder mehr gegen Italien. Das gelang zuletzt der Mannschaft des damaligen Jugoslawien beim 6:1 im Mai 1957. So einfach sind die Meister des Catenaccio eigentlich nicht zu bezwingen. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr war die Defensive ein Schlüssel zum Erfolg.

Doch die Mannschaft, mit der Italien die Nations League bestritt, hatte mit der des amtierenden Europameisters nicht mehr viel gemein. Abwehrchef Giorgio Chiellini etwa beendete seine Karriere im Nationalteam. Dazu setzte Roberto Mancini nach der verpassten WM-Qualifikation auf viele junge Talente, um den Neuaufbau einzuleiten – nicht nur in der Defensivse, sondern auch im Sturm, wo der 18-Jährige Wilfried Gnonto sein Potenzial andeutete. „Deutschland ist aber schon viel weiter“, betonte der italienische Trainer nach der Partie in Mönchengladbach.

Was ist von den neuen Gesichtern der DFB-Elf zu erwarten?

Und wie weit ist Deutschland? Das lässt ist auch nach dem ungewöhnlich hohen Sieg gegen Italien nur schwer sagen. Für Flick dürfte ohnehin die Erkenntnis wichtiger gewogen haben, dass die Mannschaft den von ihm ausgerufenen „Stresstest“ bestanden hat.

Nach vier Unentschieden stand sie zumindest ergebnistechnisch unter Beobachtung. Dazu hatte der Bundestrainer zwei „Sorgenkinder“ benannt, denen er bewusst auf der großen Bühne Nations League noch einmal eine Möglichkeit geben wollte, sich zu zeigen: Leroy Sané und Timo Werner.

Bayern-Spieler Sané rannte mehrfach demonstrativ verlorenen Bällen hinterher und signalisierte Einsatzwillen. Timo Werner vergab zwar zu Beginn gute Chancen, traf aber am Ende doppelt zum zwischenzeitlichen 4:0 und 5:0.

Flick jedenfalls war zufrieden mit dem Auftritt der beiden und betonte: „Es ist wichtig, diesen Spielern Vertrauen zu geben. Das machen wir.“ Das macht er auch bei Niklas Süle. Der Innenverteidiger zeigte in Mönchengladbach mehrfach, welchen feinen Fuß er hat, offenbarte aber auch mangelnde Spritzigkeit – körperlich und mental. Bei einem Rückpass in Bedrängnis rettete Manuel Neuer dank fußballerischer Fähigkeiten, die nur wenige andere Torhüter aufweisen.

Neuer, der 36-Jährige, der gleich mehrere Glanzparaden zeigte, zählt zu einer Achse, auf die Flick auch bei der WM bauen will. Dazu gehört auch Antonio Rüdiger. Der Innenverteidiger, der nach Ablauf seines Vertrages beim FC Chelsea nun ablösefrei zu Real Madrid wechselt, ist mittlerweile unumstrittener Abwehrchef.

Davor hat der Münchner Joshua Kimmich seinen Stammplatz im Zentrum sicher. Daneben scheint Ilkay Gündogan nach seinen starken Auftritten gegen England und Italien aktuell die Nase vorn zu haben. Ebenfalls gesetzt ist Bayern-Spieler Thomas Müller, der hinter der Spitze sowohl sortieren als auch überraschen soll.

Doch was ist davor? Auch Flick ist oft noch auf der Suche. Gegen England probierte er dort Kai Havertz aus. In Ungarn und in den beiden Partien gegen Italien durften Werner ran. Die beiden Tore, so hofft nicht nur Flick, sollen dem Angreifer des FC Chelsea Selbstvertrauen geben.

Dennoch ist die Besetzung der Position im Sturm eine der großen Fragen, die auch nach den vier Spielen im Juni in der Nations League und trotz des Fünferpacks gegen Italien auf dem Weg zur WM in diesem Winter ungeklärt bleiben. Denn auch die stabilste Achse braucht eine feine Spitze, die regelmäßig sticht.

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