Geldsorgen im Verein  Marcardsmoorer Schützen fehlt vor allem Nachwuchs

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 14.06.2022 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der SV Marcardsmoor vermisst am Schießstand vor allem junge Mitglieder schmerzlich. Darum fehlen Beitragseinnahmen. Einnahmen erhofft sich der Verein aber auch von einem erfolgreichen Schützenfest am kommenden Wochenende. Foto: Pixabay
Der SV Marcardsmoor vermisst am Schießstand vor allem junge Mitglieder schmerzlich. Darum fehlen Beitragseinnahmen. Einnahmen erhofft sich der Verein aber auch von einem erfolgreichen Schützenfest am kommenden Wochenende. Foto: Pixabay
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Massiver Mitgliederschwund macht dem Schützenverein Marcardsmoor zu schaffen. Weil die Einnahmen nicht ausreichen, muss die Stadt jetzt aushelfen.

Marcardsmoor - Rund ein Viertel seiner Mitglieder sind dem Schützenverein Marcardsmoor in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Weil vor allem auch die Beiträge der Mitglieder fehlen, kann der Verein seit März fällige Kosten nicht selbst zahlen. Deshalb springt jetzt die Stadt ein. Allerdings hat die dem Verein auch eine klare Ansage gemacht.

Die Webseite des Vereins zeugt von besseren Tagen für die Marcardsmoorer Schützen. 116 Mitglieder sind dort angegeben. Die aktuelle Zahl beziffert der erste Vorsitzende des Vereins, Heyo Müller, allerdings nur noch mit 82, davon „etwa zehn Prozent Jugendliche“, wie er hinzufügt. Der jährliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 60 Euro, die Einnahmen sind also gerade schmerzhaft übersichtlich. „Man könnte natürlich die Beiträge anheben die Einnahmen schnell zu erhöhen“, sagt Müller. „Aber man weiß auch nicht, wie viele weitere Mitglieder dann noch abspringen.“

Mit neuen Ideen zu neuen Mitgliedern

Mit den sinkenden Mitgliederzahlen steht der SV Marcardsmoor nicht allein. „Daran haben die Vereine bis heute zu knapsen“, sagt Eckhard Frerichs, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Niedersächsischen Sportschützenverband (NSSV). „Wie viele andere Sportler waren auch die Schützen von den Lockdowns betroffen. Viele sind dann auf Einzelsportarten wie Fahrrad oder Kanu umgestiegen und dabei geblieben. Und wer einmal ausgetreten ist, kommt so schnell nicht wieder. Das A und O ist eine gute Jugendarbeit, um Nachwuchs für den Schießsport zu interessieren.“

Das versucht auch der SV Marcardsmoor nach Kräften. Zum Beispiel mit einer neuen Disziplin, dem Field Target Schießen. Field Target ist eine Jagd-Simulation, bei der mit Luftgewehren geschossen wird. Die Ziele sind meist lebensgroße Metallsilhouetten von Kaninchen, Krähen, Eichhörnchen, Ratten und anderen Kleintieren, die in England und den USA auch mit Luftgewehren bejagt werden dürfen. Die Field Target Anlage des SVM ist laut Müller derzeit die einzige in Ostfriesland.

200 Euro sind zu viel

Problematisch ist für den Verein auch, dass ihm der Schießstand, den er nutzt, nicht gehört. Den hatte 1950 der damalige Inhaber des „Schützenhof“, Karl Scharnhorst, gebaut. „Damals hatte noch jedes Dorf seine Kneipe und seinen Schützenverein“, Heyo Müller. „Da war es gang und gäbe, dass die Wirte einen Schießstand gebaut haben, um den Schützenverein zu unterstützen und die Mitglieder an die Kneipe zu binden. Der Verein hatte nie die Gelegenheit, den Schießstand zu kaufen, wir hätten es uns aber wahrscheinlich auch nicht leisten können.“

So gab es immer einen Pachtvertrag mit dem jeweiligen Eigentümer der Gaststätte, der letzte war Theo Schrage. Der Verein musste aber keine regelmäßige Pacht zahlen, sondern sie wurde mit dem jährlichen Schützenfest, dem Königsball und Versammlungen verrechnet. Im vergangenen Dezember allerdings verkaufte Schrage den Schützenhof aus Altersgründen und kündigte den Pachtvertrag. Die neuen Eigentümer führen die Gastwirtschaft nicht weiter, das bisherige Modell funktioniert also nicht mehr. Stattdessen muss der Verein nun monatlich 200 Euro Pacht zahlen, hinzu kommen 100 Euro Nebenkosten, etwa für Strom, Wasser und Abwasser. Das klingt nicht nach viel. Aber bei der momentanen Einnahmesituation des Vereins sei das nicht zu wuppen, so Müller.

CDU und SPD sind skeptisch

Kurzfristig blieb den Schützen nur, Hilfe bei der Stadt zu suchen. Im Sozialausschuss erhielt Marcardsmoors Ortsvorsteher Johann Kruse ausnahmsweise als Zuschauer das Wort und appellierte an die Mitglieder, für die Übernahme der Pacht für die kommenden fünf Jahre zu stimmen. So lange läuft der Pachtvertrag mit den neuen Eigentümern. Bedenken kamen aber von der CDU und von Kruses eigener Partei, der SPD. Sie verlangten, dass der Verein nach zwei Jahren ein Konzept vorlegen sollte, wie er die Einnahmen erhöhen könnte.

Mit dem Vorstoß der Genossen hatte Kruse nicht gerechnet, im Stich gelassen fühlt er sich von ihnen aber nicht. „Ich kann die Fraktion da schon verstehen und letztlich ist es ja auch das Ziel des Vereins, so schnell wie möglich wieder auf eigenen Beinen zu stehen“, sagt Kruse. Ein erstes Signal dafür könnte schon am kommenden Wochenende kommen. Dann findet wieder das erste Schützenfest seit 2019 in Marcardsmoor statt. Es beginnt am Freitag mit einer Disco, am Sonnabend findet der Festball statt und am Sonntag gibt es einen Zeltgottesdienst und schließlich den Festumzug. „Wenn das Schützenfest richtig gut läuft, dann hilft uns das schon mal beim Start“, sagt Müller. „Und ich habe den Eindruck, die Leute sind heiß aufs Feiern.“

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