tempLocation  Musical-Revolution „Hamilton“ – das sind die deutschen Darsteller

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 14.06.2022 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Benét Monteiro als Hamilton und Ivy Quainoo als seine Frau Eliza. Foto: Georg Wendt
Benét Monteiro als Hamilton und Ivy Quainoo als seine Frau Eliza. Foto: Georg Wendt
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In New York und London ist das Stück schon ein Riesenerfolg. Jetzt soll „Hamilton“ auch Hamburg und Deutschland erobern. Der Kultursenator schwärmt schon in den höchsten Tönen.

Seit Jahren ist kein Musical in Deutschlands mit so viel Spannung erwartet worden wie dieses: „Hamilton“ feiert im Oktober Premiere in Hamburg, und am Dienstag gewährten die Macher erste Einblicke in die deutsche Produktion des US-amerikanischen Erfolgsstücks.

Im Operettenhaus an der Reeperbahn stellte der Veranstalter Stage Entertainment nicht nur die deutsche Besetzung vor. Medienvertretern und Interessierte im Internet hörten auch die ersten beiden Songs in deutscher Übersetzung.

„Ich bin sicher, das wird etwas ganz Großes werden“, schwärmte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD). „Hamilton“ hebe das Genre Musical auf ein ganz neues Niveaus. Das rasante Stück um den Aufstieg und tragisches Ende des US-Revolutionärs Alexander Hamilton breche alle Grenzen bisheriger Musicals auf, befand Stage-Chefin Uschi Neuss.

Tatsächlich schlägt die Show einen ungewohnt weiten musikalischen Bogen von klassischen Musical-Rhythmen und Pop bis zu Jazz, R’n‘B, Rap und Hiphop.

Seit 2015 läuft das Stück von Lin-Manuel Miranda am Broadway, sahnte zuhauf Branchenpreise ab und löste in den USA einen regelrechten Hype aus. Erzählt wird das Leben des US-Verfassungsvaters und Finanzministers Alexander Hamilton. Seinen Weg vom Waisenkind aus der Karibik bis in die höchsten Stellen der jungen USA vor gut 200 Jahren.

In Hamburg wagt Stage Entertainment die erste deutsche Inszenierung, schon wegen der Übersetzung eine ganz besondere Herausforderung. „Wir wussten, wir hatten keine Chance“, witzelte Sera Finale. Der Rapper und Musiker hat den Originaltext gemeinsam mit dem versierten Musicalautor Kevin Schroeder ins Deutsche übertragen. 25.000 Worte seien dabei zu bewegen gewesen - doppelt so viele wie in normalen Musicals, weil in „Hamilton“ viel und schnell gerappt wird. Eine Riesenfülle von Reimen, Wortspielen, Zitaten, und Querverweisen galt es zu übertragen, so Schroeder, und dabei doch den musikalischen Flow, die Dynamik und den Rhythmus des Vorlage zu erhalten.

Für die deutsche Inszenierung hat Stage Entertainment eine wahre Multikuli-Truppe gecastet, das wohl „vielseitigste Ensemble, die das Musical-Publikum hierzulande je gesehen hat“, wie es der Veranstalter formuliert.

Darsteller aus 13 Nationen sind vertreten, ein Großteil davon dunkelhäutig. Auch die Titelrolle spielt ein Schwarzer. Den Brasilianer Benét Monteiro kennt das Publikum unter anderem aus „Die Eiskönigin“ und „Mamma Mia“. „Ich verspüre Druck und Spaß zugleich“, berichtete Monteiro, der eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen sich und dem Helden der US-Revolution ausgemacht hat: „Wir haben beide eine besondere Beziehung zu unserer Mutter.“

Gino Emnes („Rocky“, „Tina“) verkörpert Hamiltons Freund und späteren Gegenspieler Aaron Burr. Und mit Ivy Quainoo ist ein Popstar mit von der Partie, einst erste Gewinnerin von „The Voice of Germany“.

Ein Musical über einen US-Politiker aus dem 18. Jahrhundert - kann das in Deutschland funktionieren? Selbstverständlich, davon ist nicht nur der Veranstalter überzeugt, sondern auch Charles Simmons, der den George Washington verkörpert. Er sagt: „Bloß weil die Geschichte in Amerika stattfindet, ist sie noch keine rein amerikanische Geschichte.“ Es gehe um so viel allgemein Menschliches wie Liebe und Freundschaft.

Und um Revolution. Der Eröffnungssong, der erstmals in Hamburg auf Deutsch erklang, ist Programm. Darin heißt es: „Die Welt wird nie mehr sein, wie sie war.“ Beim Publikum der Medienpräsentation jedenfalls löste das schon mal Begeisterung aus.

Die Proben beginnen Mitte August, die Previews starten am 24. September. Deutschland-Premiere ist am 4. Oktober.

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