Kolumne: Digital total  Da lob ich mir doch mein Bargeld

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 14.06.2022 09:14 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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In unserer Dienstags-Kolumne geht es immer um Digitales - diesmal um die Vor- und Nachteile der Kartenzahlung.

In den vergangenen Wochen hatten viele von uns das Problem, dass wir in so manchen Geschäften nicht mehr bargeldlos zahlen konnten. Das lag daran, dass das Karten-Terminal H5000 vom Hersteller Verifone mit einer fehlerhaften Software versorgt worden war und deswegen den Dienst verweigerte. Zwar ist das Gerät nur eines von unzähligen Kartenlesegeräten, die in Deutschland im Einsatz sind, aber leider ist genau das H5000 das am weitesten verbreitete. Es ist unter anderem bei mehreren sehr großen Einzelhandelsketten das Standardgerät für Kartenzahlungen.

Zur Person

Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Dass ganze Ladenketten wochenlang keine digitalen Zahlungen mehr akzeptieren konnten, zeigt deutlich, wie verwundbar unsere schöne neue bargeldlose Welt doch ist. Uns wird von allen Seiten immer wieder gesagt, wie modern, unkompliziert und sicher das Zahlen mit Karten und Apps doch ist. Aber wie dieser Vorfall verdeutlicht, ist das ganze System ein Kartenhaus. Ein Kartenhaus, das von einem winzigen Fehler eines unbedarften Programmierers zum Einsturz gebracht werden kann. Was passiert erst, wenn Hacker versuchen, diese Geräte absichtlich zu stören?

Bargeld mag altmodisch und unhandlich sein. Aber Bargeld hat den Vorteil, dass es keine Firmware, kein Betriebssystem und kein digitales Verfallsdatum hat. Der Staat kann es uns auch nicht einfach per Gesetzesbeschluss wegnehmen, da er im Gegensatz zum digitalen Geld auf unserem Konto keinen direkten Zugriff darauf hat.

Bargeld ist auch gar nicht so unpraktisch, wie oft behauptet. Schließlich haben wir Jahrhunderte gut damit gelebt. Es ist vor allem unhandlich für Firmen und Behörden, die Daten sammeln und Kontrolle ausüben wollen. Für den einfachen Bürger auf der Straße kann Bargeld ziemlich praktisch sein. Vor allem, wenn mal wieder ein Programmierer ganze Teile des bargeldlosen Utopia mit ein paar Zeilen Programmcode zerschießt.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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