Hamburg Der Hoffnungsflieger von Airbus ist startklar für die Premiere
Auf diesen Tag haben sie bei Airbus lange gewartet. Der neue Passagierjet soll zum neuen Erfolgsmodell und Jobgaranten in Norddeutschland werden. Die Voraussetzungen sind gut.
Am Mittwoch (14. Juni) wird der neue Airbus A321 XLR erstmals fliegen. Es ist der letzte neue Passagier-Jet in diesem Jahrzehnt, der bei Airbus in Finkenwerder zum Erstflug startet. Die neue Flugzeugserie ist mit hohen Erwartungen behaftet. 500 Bestellungen liegen bereits vor – ein Novum für einen Flieger, der noch nie in der Luft war.
Der Tag des Erstflugs war bis zum Wochenende das große Geheimnis bei Airbus. „Erstflug im 2. Quartal“, das war die Standardauskunft in den letzten Wochen und Monaten. Jetzt bestätigt der Konzern: Am kommenden Mittwoch soll der erste Testflieger gegen 11 Uhr vom Werkflughafen in Finkenwerder zu einem zweistündigen Flug Richtung Nordsee starten – unter der Voraussetzung, dass das Wetter mitspielt. Das dürfte so sein, denn für Mittwoch sind 22 Grad angekündigt, kein Sturm und kein Gewitter, das den Premierenflug aufhalten könnte.
Medienvertreter und Gäste sind zu dem „First-Flight-Event“ ab 9.30 Uhr geladen. „Die Mannschaft fiebert dem Erstflug entgegen“, hatte A320-Programmchef Michael Menking schon vor zwei Monaten in einem Gespräch mit Luftfahrt-Journalisten gesagt. Schon jetzt gilt der Jet als ein großer Coup von Airbus, denn mit dem neuen A321 XLR-Flieger (XLR steht für „Extra lange Reichweite“) wurde ein Mittelstreckenflieger zum Langstreckenflieger erweitert.
Der neue A 321 XLR, für den drei Testflieger in Finkenwerder ausgerüstet wurden, ist demnach kein ganz neues Flugzeug, aber eine kluge Weiterentwicklung der A321 LR. Der Flieger erhält einen zusätzlichen Tank im Rumpfbereich hinter den Tragflächen, ein weiterer optionaler Tank kann im Rumpfbereich vor den Tragflächen installiert werden. Durch die zusätzlichen Tanks und den Umbau der Kabine auf eine Langstreckenversion hat der Airbus A321 XLR eine Reichweite von 8700 Flug-Kilometern und kann bis zu zehn Stunden in der Luft bleiben – das sind 15 Prozent mehr, als herkömmliche Kurz- und Mittelstreckenmaschinen schaffen.
Strecken von den deutschen Airports an die amerikanische Ostkünste, aber auch Routen wie Frankfurt – Seattle oder Paris – Peking werden dadurch ohne Zwischenstopp möglich. Der Airbus-Konzern geht davon aus, dass mit der neuen Serie die Folgen der Pandemie endgültig überwunden werden können, der Hochlauf der Produktion ist längst gestartet. Allein in Finkenwerder sollen bis Ende des Jahres 1000 Beschäftigte neu eingestellt werden.
Die Einzigartigkeit des auf der Langstrecke fliegenden Mittelstreckenjets soll durch die Lackierung des Testfliegers unterstrichen werden: Auf der Seite ist vor dem Flügel die Freiheitsstatue in New York zu sehen, die mit einer Linie mit dem Kolosseum in Rom auf dem Heck des Jets verbunden ist. Die beiden Städte sind in direkter Luftlinie knapp 6900 Kilometer voneinander entfernt, eine Entfernung, die der neue Jet ohne Probleme schaffen wird.
Ein Manko gibt es bei aller Begeisterung der Airbusbelegschaft noch: Die ursprünglich für Ende 2023 geplante erste Kunden-Auslieferung der A321XLR wird erst für Anfang 2024 erwartet, um den Zulassungsbedingungen der Luftfahrtbehörden in Europa und den USA Rechnung zu tragen, räumte Airbus bereits ein. Die Probleme soll es um die Konstruktion des weiteren Zusatztanks im Unterrumpfbereich geben. Für den Testflieger hat das aber keine Bedeutung.