Fleischlose Ernährung Verzicht auf Steak, Käse und Ei – Leben Veganer gesünder?
Wer sich vegan ernährt, verzichtet auf alle tierischen Produkte wie beispielsweise Eier, Milch und Fleisch. Kann das gesund sein? Zwei Expertinnen aus Ostfriesland klären auf.
Ostfriesland - Kein Frühstücksei, keine Bratwurst vom Grill, kein Milchkaffee. Menschen, die sich vegan ernähren – also komplett auf Produkte, die von Tieren stammen, verzichten – müssen sich oft anhören, dass das doch gar nicht gesund sein könne. Schließlich brauche der Mensch die Nährstoffe aus Fleisch. Aber ist vegane Ernährung wirklich so ungesund, wie manche Menschen glauben?
Was und warum
Darum geht es: Vegane Ernährung kann sehr gesund sein, hat aber auch ihre Tücken.
Vor allem interessant für: alle, die auf tierische Produkte verzichten, und diejenigen, die veganer Ernährung skeptisch gegenüberstehen
Deshalb berichten wir: Um mit Ernährungsmythen aufzuräumen. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
„Vegane Ernährung ist sehr gesund – wenn man es richtig macht“, sagt Jacqueline Weppler. Die 34-jährige Ostrhauderfehntjerin ist Diätassistentin. Dafür müsse man aber erst einmal schauen, wo man die für die Gesundheit wichtigen Nährstoffe ersatzweise herbekommt. „Eisen ist zum Beispiel in Hülsenfrüchten und dunkelgrünem Gemüse enthalten“, sagt sie. Aber: Man müsse diese Produkte auch regelmäßig essen. „Es reicht nicht, wenn ich mal alle drei Wochen Brokkoli esse und sonst nur Fertigprodukte“, betont die 34-Jährige. Es halte sich hartnäckig das Gerücht, dass der Körper pflanzliches Eisen nicht so gut aufnehmen kann wie das aus Fleisch. „Wenn man länger vegan lebt, passt sich der Körper an und kann es genauso gut verwerten. Es braucht nur manchmal ein bisschen“, so Weppler. Doch wie sieht es mit Eiweiß aus? Käse, Eier und Fisch fallen schließlich weg. Die Diätassistentin gibt Entwarnung: Es gebe auch sehr gute pflanzliche Proteinquellen. Ihre Empfehlung: Erbsen, Bohnen, Linsen, Sprossen, grünes Blattgemüse und Kohl.
Unbedingt auf Nährstoffhaushalt achten
Wirklich kompliziert wird es für Veganer erst, wenn es um Vitamin B12 geht, denn das kommt hauptsächlich in tierischen Produkten vor. Ein Mangel kann unangenehme Folgen haben: „Erste Anzeichen sind starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Ein dauerhafter B12-Mangel sogar kann zu irreversiblen Nervenschäden führen. Die Finger fangen an zu kribbeln und man verliert langsam das Gefühl darin. Und das geht leider nicht mehr weg, selbst wenn man anschließend wieder genug B12 isst“, warnt Weppler. Daher rät sie, hier auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen, bevor man in einen Mangel rutscht. „Vitamin B12 kommt zwar auch in pflanzlichen Produkten wie Pilzen, Algen und Wildpflanzen vor. Aber davon müsste man unglaublich große Mengen essen. Das ist natürlich etwas komplizierter als ein Steak“, sagt die 34-Jährige.
Um seinen Nährstoffhaushalt im Blick zu behalten, soll man laut der Ernährungsberaterin Christine Schmidt am besten regelmäßig einen Bluttest machen lassen. „Man sollte nicht auf gut Glück Ergänzungsmittel nehmen. Ein Irrglaube ist, dass Veganer prinzipiell an Eisenmangel leiden. Dabei kommt der bei Menschen, die Fleisch essen, genauso oft vor“, sagt die Auricherin.
Gesundheitsfördernde Wirkung durch Studien belegt
Ist man als Veganer durch eine ausgewogene Kost gut versorgt, kann dieser Lebensstil sogar die Gesundheit merklich verbessern, sind sich die beiden Ernährungsberaterinnen einig. „Vegetarische und vegane Ernährung kann bei vielen Erkrankungen nachweislich helfen“, so Schmidt. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen und Rheuma. „Man kann mit der Ernährung sogar bis zu einem gewissen Maß entstandene Schäden wieder reparieren“, erklärt Weppler.
Zudem gebe es viele Studien, die belegen, dass die Zahlen bestimmter Krebserkrankungen unter vegetarischer und veganer Ernährung sinken. Bei Männern sei das vor allem Darmkrebs und bei Frauen Gebärmutterhals- und Brustkrebs. „Das liegt zum einen daran, dass in der pflanzlichen Kost sehr viele Antioxidantien sind, das Ganze eine hohe Nährstoffdichte und wenig Kalorien hat“, sagt die 34-Jährige. Das führe wiederum zu weniger Übergewicht, was viele Faktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs begünstigt. Zum anderen enthielten Fleisch- und Milchprodukte entzündungsfördernde Stoffe und gesättigte Fettsäuren, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken könnten, wenn man zu viel davon konsumiere. „Das ist nachgewiesen und lässt sich nicht von der Hand weisen“, betont Weppler.
Weppler und Schmidt ernähren sich dennoch beide nicht ausschließlich vegan, sondern essen auch tierische Produkte. „In Maßen sind tierische Produkte gut für uns, aber ohne sie lebt es sich auch gesund. Ich glaube, oft fehlen den Menschen die Ideen. Und die Hemmschwelle, auch mal vegan zu kochen, ist sehr groß. Dabei gibt es tolle Gerichte“, so Schmidt. Weppler sieht es ähnlich: Man müsse offen sein und experimentieren, wenn man vegan lebt. „Jeden Tag Linsensuppe zu essen ist auch nicht das Gelbe vom Ei“, sagt sie.