Hospimobil investiert Krankenwagen-Manufaktur zieht ein halbes Jahr später um
Die 3,5 Millionen Euro teure neue Produktionsstätte des Spezialfahrzeugbauers Hospimobil in Schirum wird später fertig. Wie geht die Firma damit um?
Aurich - Der fehlende Teile-Nachschub im Baugewerbe bremst den großen Schritt einer kleinen Auricher Firma aus: Eigentlich hatten die Verantwortlichen des Spezialfahrzeugbau-Unternehmens Hospimobil gehofft, schon Ende März ihr neues Domizil im Gewerbegebiet Aurich-Schirum beziehen zu können. Dies wird sich nun um ein knappes halbes Jahr verschieben, bestätigte Inhaber Hans-Martin Riegel auf Nachfrage.
Vor gut 35 Jahren gegründet, verwandeln die Mitarbeiter Transporter in Rettungstransportwagen (RTW), Krankentransportwagen (KTW), Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) oder auch andere Spezial-Gefährte, etwa mobile Zahnarztkliniken. Bislang tun sie dies in einer insgesamt etwa 1000 Quadratmeter großen Halle, die dem benachbarten Kunststoff-Recycling-Unternehmen B-Plast 2000 gehört und von diesem auf Sicht auch selbst genutzt werden soll. Dort sollen die Verfahrenstechniker im Betrieb ein eigenes Reich bekommen.
Was und warum
Darum geht es: Der Umzug von Hospimobil in Aurich verzögert sich.
Vor allem interessant für: Wirtschaftlich Interessierte und alle, die ebenfalls mit Bauverzögerungen wegen fehlender Teile umzugehen haben.
Deshalb berichten wir: Wir hatten über das Neubauvorhaben berichtet, das eigentlich schon Ende März bezogen werden sollte. Weil uns aufgefallen war, dass sich das Projekt offenbar verzögert, haben wir nachgefragt. Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de
„Konzentriere mich lieber auf Dinge, auf die ich Einfluss habe“
Für Hospimobil ist die Produktionsstätte zu klein geworden. Deswegen investiert Riegel jetzt wenige Hundert Meter entfernt am Kornkamp rund 3,5 Millionen Euro und lässt dort einen eigenen Fertigungsstandort errichten. Die 1700 Quadratmeter Produktionsfläche bieten spezielle Gänge, um besser unter den Fahrzeugen arbeiten zu können. Dazu kommen 350 Quadratmeter Büro- und Sozialräume, die sich auf der Gesamtfläche von 1,3 Hektar verteilen. Solarmodule und eine Betonkernheizung, die sich aus bodennaher Erdwärme speist, sollen die Fertigung klimaneutral und unabhängig von externen Energieträgern machen.
Riegel begegnet den Verzögerungen entspannt: Teileknappheit sei zurzeit überall zu beobachten, einige Pläne habe man auch noch einmal überarbeitet und verfeinert – und die Fertigung laufe jetzt eben am bisherigen Standort weiter. „Wir haben über Jahre mit der Raumnot gelebt und zu leben gelernt. Jetzt haben wir die noch ein halbes Jahr länger. Aber auf Dinge, die man nicht ändern kann, muss man nicht viel Zeit und Energie verwenden. Ich konzentriere mich lieber auf Dinge, auf die ich Einfluss habe“, sagt er. Sprich: darauf, Produkte weiterzuentwickeln und neue Aufträge einzuwerben.
Der Hallen-Eigentümer Theo Bohlen, Seniorchef von B-Plast 2000, gibt sich ebenfalls entspannt: „Für uns ist das überhaupt kein Problem. Hospimobil soll den Bau vernünftig fertig kriegen. Die sollen ihren Umzug in aller Ruhe abwickeln. Wir werden dann anfangen umzubauen, wenn das alles geschafft ist.“ Riegel ist zuversichtlich, dass dies bis Ende August zu schaffen ist. „Darauf arbeiten wir hin, darauf freuen wir uns.“